Die Metastasektomie kann eine mit Komplikationen behaftete Therapieoption des oligometastatischen Nierenzellkarzinoms sein

 

UPPER URINARY TRACT Boston/Hamburg – mechentel news – Die Entfernung der Metastasen galt lange Zeit als wirksame Behandlungsoption des sogenannten „oligometastatischen“ Nierenzellkarzimons. Allerdings ist die Dokumentation in Bezug auf Komplikationen in Zusammenhang mit dieser Behandlungsoption spärlich. Christian P. Meyer vom Center for Surgery and Public Health der Division of Urologic Surgery am Brigham and Women’s Hospital in Boston, Massachusetts, USA und von der Abteilung für Urologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in Hamburg, Deutschland, sowie Kollegen beschreiben stationär aufgetretene Komplikationen infolge einer Metastasektomie anhand einer aktuellen Kohorte von Patienten mit metastasierenden Nierenzellkarzinomen. Im Zeitraum von 2000 bis 2011 wurden anhand der National Inpatient Sample-Datenbank 45279 Patienten identifiziert, wovon 1102 einer Metastasen-Resektion unterzogen wurden. Die Metastasen waren pulmonal (52 %), ossär (29 %), hepatisch (19 %), nodal (14 %), in den Nebennieren (11 %) sowie cerebral (3,4 %) lokalisiert. Die Gesamtkomplikationsrate betrug 45,7 %, wobei 27,5 % schwere Komplikationen (Clavien III-IV) erlitten. Resektionen hepatischer Filiae standen im Vergleich zu jedem anderen Organ signifikant mit höheren Gesamtkomplikationsraten in Verbindung (Quotenverhältnis [OR]: 2,59; 95 % Konfidenzinterval: 1,84-3,62; p < 0,001). Gerade weil die Metastasektomie weiterhin als potentielle Behandlungsoption des Nierenzellkarzinoms mit oligometastatischer Streuung in Frage kommt, sind damit verbundene Komplikationsraten nicht unerheblich und eine sorgfältige Patientenauswahl ist daher zwingend notwendig. Die Wissenschaftler, der im März 2017 vorab elektronisch im Fachjournal European Urology erschienen Studie sehen ihre Ergebnisse Im Sinne einer klinisch-relevanten Zusatzinformation zur präoperativen Beratung und Risikostratifizierung. (ut)

Autoren: Meyer CP, Sun M, Karam JA, Leow JJ, de Velasco G, Pal SK, Chang SL, Trinh QD, Choueiri TK. Korrespondenz: Toni K. Choueiri, Department of Medical Oncology, Lank Center for Genitourinary Oncology, Dana-Farber Cancer Institute, 450 Brookline Avenue, Boston, MA 02215, USA. Electronic address: Toni_Choueiri@DFCI.HARVARD.EDU. Studie: Complications After Metastasectomy for Renal Cell Carcinoma-A Population-based Assessment. Quelle: Eur Urol. 2017 Mar 27. pii: S0302-2838(17)30170-7. doi: 10.1016/j.eururo.2017.03.005. [Epub ahead of print]. Web: http://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(17)30170-7/abstract

KOMMENTAR Erneut eine Arbeit zur Metastasenentfernung beim Nierenzellkarzinom. Kürzlich wurde von Hanne et al. eine Beobachtungsstudie publiziert, die die Entfernung von Metastasen nach Therapie mit Tyrosinkinasehemmern befürwortete [1]. Die aktuelle Studie bezieht sich auf das oligometastatische Nierenzellkarzinom. Und hier stolpert man und fragt sich: was heisst jetzt genau „oligometastatisch“, bzw. die viel wichtigere Frage: in welcher Bildgebung (also CT oder MRI? Oder gar PET-CT)? Interessant ist nun, dass 46 % der Patienten Komplikationen hatten, davon 25 % Clavien 3 und 4. Steigendes Alter, Komorbiditäten und die Resektion von Lebermetastasen (nicht jedoch Lungenmetastasen) waren dabei Prädiktoren für Komplikationen. In den Tumorboards wird genau diese Frage diskutiert: welche Metastasen sollten in welchen Patienten entfernt werden?

1. Hanna, N., et al., Survival Analyses of Patients With Metastatic Renal Cancer Treated With Targeted Therapy With or Without Cytoreductive Nephrectomy: A National Cancer Data Base Study. J Clin Oncol, 2016. 34(27): p. 3267-75.

25. Juli 2017