Welche Wirkung hat Testosteron-Gel auf Arteriosklerose in koronaren Arterien?

 

 

EXTERNAL GENITAL Torrance – mechentel news – Jüngste Studien offenbarten widersprüchliche Ergebnisse in Bezug auf eine mögliche Erhöhung des kardiovaskulären Risikos infolge einer Testosteronbehandlung. Daher wollten Matthew J. Budoff und Kollegen der Division of Cardiology am Los Angeles Biomedical Research Institute des Harbor-UCLS Medical Center in Torrance, Kalifornien und anderen amerikanischen Standorten, die Hypothese untersuchten, ob eine Testosteronbehandlung älterer Männer mit niedrigem Testosteronspiegel die Progression des Plaquevolumen bei nicht-verkalkten koronaren Arterien verlangsamt. Die Teilnehmer dieser doppelblinden, Placebo-kontrollierten, im Zeitraum vom 24. Juni 2010 bis zum 9. Juni 2014 an neun akademischen medizinischen Zentren der USA durchgeführten Studie, waren 170 Männer (≥65 Jahre), deren Testosteronlevel im Schnitt zweimal niedriger als 275 ng/dl war und, die auf Hypogonadismus hindeutende Symptome aufwiesen. Die Teilnehmer wurden angewiesen über einen Zeitraum von zwölf Monaten, entweder Testosteron-Gel (88 Teilnehmer; Dosisanpassung, um Testosteronlevel im normalen Bereich für junge Männer zu halten) oder Placebo-Gel (82 Teilnehmer) anzuwenden. Als primärer Endpunkt der Studie wurde das Plaquevolumen der nicht-verkalkten Koronararterien herangezogen, welches mittels computertomographischer Koronarangiographie ermittelt wurde. Sekundäre Endpunkte waren das Gesamt-Plaquevolumen koronarer Arterien sowie der Kalzium-Score der Koronararterien (im Bereich von 0 bis >400 Agatston Units, höhere Werte deuten auf schwerwiegendere Arteriosklerose hin). Von den ursprünglich 170 Männern beendeten 138 (73 mit Testosteron-Gel, 65 mit Placebo-Gel) die Studie und waren für die erste Auswertung verfügbar. Das mittlere Alter betrug 71,2 ± 5,7 Jahre und 81 % von ihnen waren hellhäutig. Zu Studienbeginn betrug der Kalzifizierungsgrad der koronaren Arterien mehr als 300 Agatston Units, was für eine schwere Arteriosklerose spricht. Zum Zeitpunkt des ersten Studienendpunktes, stand die Testosteronbehandlung verglichen zur Placebogruppe mit einem signifikant stärkeren Anstieg des nicht-verkalkten Plaquevolumens im Zeitraum der Studiendauer (12 Monate; mediane Werte: 204 mm^3 auf 232 mm^3 vs. 317 mm3 auf 325 mm^3; geschätzte Differenz: 41 mm^3; 95 % Konfidenzintervall [CI]: 14-67 mm^3; p = 0,003) in Verbindung. In Bezug auf die sekundären Endpunkte, war innerhalb der Testosterongruppe im Median eine Zunahme des Gesamt-Plaquevolumens im Vergleich zur Placebogruppe zu verzeichnen (272 mm^3 auf 318 mm^3 vs. 499 mm^3 auf 541 mm^3; geschätzte Differenz: 47 mm^3; 95 % CI: 13-80 mm^3; p = 0,006), der Kalzifizierungsgrad der Koronararterien schwankte bei der Testosterongruppe im Bereich von 255 bis 244 Agatston Units vs. 494 bis 503 Agatston Units bei der Placebogruppe (geschätzte Differenz: -27 Agatston Units; 95 % CI: -80 bis 60 Agatston Units). In keiner der beiden Gruppen ereigneten sich grössere kardiovaskuläre Ereignisse als Komplikationen. Die Autoren, der im Februar 2017 in der Fachzeitschrift JAMA erschienen Arbeit, schliessen wie folgt: Unter älteren Männern mit symptomatischen Hypogonadismus bewirkte die einjährige Testosteronbehandlung im Vergleich zum Placebo einen signifikant stärkeren Anstieg des nicht-verkalkten Plaquevolumens in koronaren Arterien. Jedoch sind weitaus grösser angelegte Studien nötig, um diese klinischen Implikationen zu bewerten. (ut)

Autoren: Budoff MJ, Ellenberg SS, Lewis CE, Mohler ER 3rd, Wenger NK, Bhasin S, Barrett-Connor E, Swerdloff RS, Stephens-Shields A, Cauley JA, Crandall JP, Cunningham GR, Ensrud KE, Gill TM, Matsumoto AM, Molitch ME, Nakanishi R, Nezarat N, Matsumoto S, Hou X, Basaria S, Diem SJ, Wang C, Cifelli D, Snyder PJ. Korrespondenz: Matthew J. Budoff, MD, Los Angeles Biomedical Research Institute, 1124 W Carson Street, Torrance 90502, California. Electronic address: Budoff@ucla.edu. Studie: Testosterone Treatment and Coronary Artery Plaque Volume in Older Men With Low Testosterone. Quelle: JAMA. 2017 Feb 21; 317(7):708-716. doi: 10.1001/jama.2016.21043. Web: http://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2603929

KOMMENTAR Die Frage, ob der Testosteronersatz nun einen Einfluss auf kardiovaskuläre Ereignisse hat, bleibt weiterhin ungeklärt. Im Jahre 1988 wurde eine populations-basierte Studie publiziert, die zeigte, dass der Testosteron-Spiegel (als eine einmalige Bestimmung vormittags) zwar invers mit der Höhe des Blutdruckes, des Triglycerid-Spiegels oder des BMIs verbunden war, jedoch nicht mit kardiovaskulären Ereignissen wie dem eines Myokardinfarkts [1]. Dann wurde 2010 der TOM-Trial im New England Journal of Medicine publiziert [2]; Die Probanden waren im Schnitt 74 Jahre alt und in ihrer Mobilität eingeschränkt (TOM =„Testosterone in Older Men with Mobility Limitations“). Der Testosteron-Spiegel (gesamt) musste 3.5-12.1 nmol betragen bzw. der freie T-Spiegel unter 173 pmol/l liegen. Symptomatisch mussten die Männer hingegen nicht sein, womit sich die Frage nach einem Gewichts-bedingten„Pseudohypogonadismus“ stellt – der durchschnittliche BMI betrug hier nämlich 30 kg/m^2. Die Prävalenz an Diabetes oder Hypertonie war hoch (25 % und 80 %). Im Vergleich zu Placebo war das Testosteron-Gel signifikant häufiger mit kardialen Ereignissen bei diesen morbiden, geh-eingeschränkten Männern assoziiert (23 % versus 5 %). Nun wird im JAMA die aktuelle Studie publiziert, die das Volumen von koronararteriellen Plaques unter Testosteronersatz bzw. Placebo nach einem Jahr Therapie ausmisst. Je höher das Plaquevolumen, desto wahrscheinlicher ein akutes Koronarsyndrom [3]. Auch diese Männer hatten eine hohe Prävalenz an vorbestehenden Plaques, so hatten 50 % eine als schwerwiegend beschriebene Koronarverkalkung in der Computertomographie. Ob diese Studie eine klinische Diskussion nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten.

1. Barrett-Connor, E. and K.T. Khaw, Endogenous sex hormones and cardiovascular disease in men. A prospective population-based study. Circulation, 1988. 78(3): p. 539-45. 2. Basaria, S., et al., Adverse events associated with testosterone administration. N Engl J Med, 2010. 363(2): p. 109-22. 3. Tesche, C., et al., Coronary Computed Tomography Angiography-Derived Plaque Quantification in Patients With Acute Coronary Syndrome. Am J Cardiol, 2017. 119(5): p. 712-718.

25. Juli 2017