Gefässschonende Strahlentherapie bei lokalisiertem Prostata-Ca zeigt besseren Erhalt der erektilen Funktion

PROSTATE Ann Arbor – mechentel news – Erektile Dysfunktion bleibt die häufigste Nebenwirkung der radikalen Behandlung von lokalisiertem Prostatakrebs. Am Department of Radiation Oncology der University of Michigan in Ann Arbor, USA, stellten Daniel E. Spratt et al. die Hypothese auf, dass die Durchführung einer gefässschonenden Strahlentherapie, analog zum funktionellen anatomischen Ansatz der nervenerhaltenden radikalen Prostatektomie (RP), die Bewahrung der erektilen Funktion bei gleichzeitigem Erhalt der Tumorkontrolle bei Männern mit lokalisiertem Prostatakrebs verbessern würde. Dazu wurde die erektile Funktionsrate nach gefässschonender Strahlentherapie bestimmt. In die Studie wurden Männer mit lokalisiertem Prostatakarzinom in einer einarmigen Phase-II-Studie (NCT02958787) aus einem einzelnen akademischen Zentrum aufgenommen. Die Patienten erhielten eine gefässschonende Strahlentherapie unter Verwendung eines Planungs-MRT und MRT-Angiogramms, um das erektile Gefässsystem abzugrenzen und auszusparen. Sowohl von Ärzten erhobene als auch von Patienten berichtete Bestandsaufnahmen wurden genutzt, um die erektile Funktion zu Beginn der Studie sowie 2 und 5 Jahre nach der Behandlung zu erfassen. Validierte modellbasierte Vergleiche wurden durchgeführt, um die Ergebnisse der gefässschonenden Vorgehensweise mit nervenerhaltender RP und konventioneller Strahlentherapie zu vergleichen. Von 2001 bis 2009 wurden 135 Männer einer gefässschonenden Strahlentherapie unterzogen. Nach einer geplanten Zwischenanalyse wurde die Studie nach Erreichen des primären Endpunkts gestoppt. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 8,7 Jahre, wobei zu allen Zeitpunkten eine Response-Rate von ≥ 94 % bezüglich aller Bestandsaufnahmen der erektilen Funktion bestand. Nach 5 Jahren waren 88 % der Patienten mit oder ohne Hilfsmittel sexuell aktiv. Die erektilen Funktionsraten nach 2 Jahren waren nach gefässschonender Strahlentherapie signifikant besser (78 %, 95 % Konfidenzintervall [KI]: 71 – 85 %) im Vergleich zu den modellierten Raten für die konventionelle Strahlentherapie (42 %; 95 % KI: 38 – 45 %; p < 0,001) oder der nervenerhaltenden Prostatektomie (24 %; 95 % KI: 22 – 27 %; p < 0,001). Zwei Jahre nach der Behandlung war bei 87 % der zum Ausgangszeitpunkt potenten Männer, die Erektionsfunktion in einer für den Geschlechtsverkehr geeigneten Weise erhalten. Die 5- und 10-Jahres-Raten des biochemisch rezidivfreien Überlebens lagen bei 99,3 % beziehungsweise 89,9 % und nach 5 Jahren beschränkten sich die biochemischen Versager auf die Hochrisikogruppe des National Comprehensive Cancer Network. Die Autoren weisen auf die Einschränkung des einarmigen Designs der Studie hin. Sie kommen in der Oktober-Ausgabe 2017 des Fachjournals European Urology zu dem Fazit, dass die gefässschonende Strahlentherapie bei Wahrung der Tumorkontrolle die erektile Funktion effektiver zu erhalten scheint im Vergleich zu historischen Beobachtungsserien und anhand von Modellen getroffenen Vorhersagen zur nervenerhaltenden RP oder konventionellen Strahlentherapie. Eine unabhängige Validierung dieses Ansatzes sei erforderlich. (bs)

Autoren: Spratt DE, Lee JY, Dess RT, Narayana V, Evans C, Liss A, Winfield R, Schipper MJ, Lawrence TS, McLaughlin PW. Korrespondenz: Department of Radiation Oncology, University of Michigan Medical Center, 1500 E. Medical Center Drive, Ann Arbor, MI 48109, USA. E-Mail: mclaughb@umich.edu Studie: Vessel-sparing Radiotherapy for Localized Prostate Cancer to Preserve Erectile Function: A Single-arm Phase 2 Trial. Quelle: Eur Urol. 2017 Oct;72(4):617-624. doi: 10.1016/j.eururo.2017.02.007. Web: http://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(17)30096-9/abstract

8. Januar 2018