The effect of digital rectal examination on prostate-specific antigen levels.

Historical Paper

 

OBJECTIVE–To identify the effect of digital rectal examination (DRE) on serum prostate-specific antigen (PSA) levels. DESIGN–A prospective trial before and after DRE. SETTING–Multicenter outpatient screening program. PATIENTS–A total of 2754 healthy men aged 40 years and older who presented to a prostate cancer screening program and consented to two phlebotomies. MAIN OUTCOME MEASURE–Changes in serum PSA levels after DRE. RESULTS–Patients were divided into four groups based on their initial serum PSA levels. The levels were chosen based on previous studies that showed different incidences of prostate cancer within these groups. The two groups with the lowest initial PSA values (0.1 through 4 micrograms/L and 4.1 through 10 micrograms/L) were found to have statistically insignificant changes in the serum PSA levels after DRE. The group with initial PSA levels of 10.1 through 20 micrograms/L had increases in serum PSA values that showed a trend toward statistical significance. The group with initial PSA levels of greater than 20 micrograms/L had statistically significant increases in serum PSA values after DRE. The alterations in serum PSA levels in the two groups with the highest PSA values were not clinically important as the patients‘ clinical treatment was not altered. CONCLUSIONS–No clinically important effects on serum PSA levels were noted after DRE.

Autors: Crawford ED1, Schutz MJ, Clejan S, Drago J, Resnick MI, Chodak GW, Gomella LG, Austenfeld M, Stone NN, Miles BJ, et al., Correspondence: Division of Urology, University of Colorado Health Sciences Center, Denver., Study: The effect of digital rectal examination on prostate-specific antigen levels., Sources: JAMA. 1992 Apr 22-29;267(16):2227-8. Web: https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/396720?redirect=true

Führt die digital rektale Untersuchung zu einer Erhöhung des PSA im Serum?

Es sind die frühen 1990er Jahre. Stamey und Catalona hatten vor kurzem ihre weitreichende Studien zum PSA als Screeningmarker für das Prostatakarzinom im New England Journal of Medicine publiziert. Allerdings könnte die digitale rektale Untersuchung der Prostata vor der Blutentnahme ja theoretisch die Serumkonzentration des PSAs erhöhen; dann wäre der PSA-Wert falsch hoch und würde zu einer unnötigen Biopsie führen (und wie wir heute wissen u.U. auch zu einer Überdiagnose). Zuvor wurde gezeigt, dass die prostatische Saure Phosphatase im Serum ebenso erhöht war, wenn diese nach der DRU gemessen wurde (1). In einer randomisierten Studie lag der PSA-Wert nach DRU bei 72 Männer zwar signifikant höher als zuvor, allerdings im median nur um plus 0.4ng/ml (2). David Crawford untersuchte somit die Serumkonzentration des PSAs vor und 5 bis 20 Minuten nach der digitalen Untersuchung an einer grossen Kohorte von Männer. Natürlich kann man eine Prostata mit viel oder wenig Druck bzw. lang oder weniger lang untersuchen; vermutlich kommt es auch darauf an, ob man eine 90g Drüse untersucht oder aber eine 20g Drüse und ob eine chronische Entzündung oder eine Prostatolithiasis vorliegt oder nicht. Insgesamt wurden 2754 Männer digital-rektal untersucht und ihr PSA-Wert vor und nach der klinischen Untersuchung gemessen. Das Ergebnis: Der Median änderte sich kaum: Bei Männern mit PSA < 4ng/ml betrug dieser 2.96ng/ml vor und 3.52ng/ml nach digital-rektaler Untersuchung. Bei jenen von 4 bis 10ng/ml lag der Median vor der DRU bei 7.47ng/ml, im Anschluss bei 8.10ng/ml. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei Werte von 10-20ng/ml (16.06 versus 17.90ng/ml). Einzig bei Werten >20ng/ml war der Unterschied signifikant: 100.8ng/ml versus 148.6ng/ml. Doch in diesem PSA-Bereich war die Erhöhung nicht so sehr relevant wie in den tieferen Bereichen. Natürlich hätte man zur Prüfung des Kausalitätsprinzips auch Männer ohne DRU zweimal messen müssen, schon allein um die Messtoleranz zu ermitteln. Zudem wäre nach der Einführung des ultrasensitiven PSA-Tests eigentlich eine Neubewertung der Datenlage indiziert. Schlussendlich ist es interessant zu wissen, dass schon in dieser Studie von 1992 keine relevante PSA-Erhöhung im Serum zu verzeichnen war, obgleich die Prostata vor lauter PSA nur so strotzt.

1. Brawer MK. 1990. Laboratory studies for the detection of carcinoma of the prostate. Urol Clin North Am 17:759-768.
2. Chybowski FM, Bergstralh EJ, Oesterling JE. 1992. The effect of digital rectal examination on the serum prostate specific antigen concentration: results of a randomized study. J Urol 148:83-86.

8. Januar 2018