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Behandlung fortsetzen oder nicht? Neue epidemiologische Entscheidungshilfe

Maastricht – mechentel news – Entgegen üblicher Interpretation
kann die Tatsache, dass keine Veränderung oder nur eine
begrenzte Verschlechterung bei der Sehschärfemessung
vorliegt, implizieren, dass die Patienten besser mit als ohne
Behandlung dastehen. Über Entscheidungshilfen bezüglich der
Behandlungsdauer berichten M. Elshout et al. von der
Universitäts-Augenklinik in Maastricht in der Juli-Ausgabe 2012
von Investigative Ophtalmology & Visual Science. Eine Behandlung
oberhalb des Grenzpunkts (Cut Off Point) zu beenden mag
nicht sinnvoll sein, wenn die Behandlung zumindest bei einem
Teil der Patienten wirksam war. Die vorgestellte Methode, zu
einer Entscheidung zu gelangen, spricht für eine große Bandbreite
von Skalen und Bedingungen. Zweck der Studie war es, eine
neue epidemiologische Methode zur Einschätzung der Wirksamkeit
einer Behandlung zu präsentieren, basierend auf Daten
einer randomisierten klinischen Kontrollstudie. Diese Methode
soll der Entscheidung dienen, ob eine Behandlung von Klinikpatienten
fortgeführt oder beendet wird. Ein Grenzpunkt wird berechnet
innerhalb der Veränderung kontinuierlicher Meßergebnisse,
bei denen eine Teilmenge von behandelten Patienten eine deutliche
Veränderung zum Besseren hin erreicht hat als Ergebnis der
Behandlung. Dieser Grenzpunkt kann dann Anwendung finden
für individuelle Patienten während einer Routinebehandlung.
Die Methode wurde auf Studienergebnisse angewendet, die zur
Behandlung von minimal klassischem und okkultem neovaskulären
altersabhängigem Makulaödem (AMD) mit dem Anti-VEGFAntikörper
Ranibizumab gewonnen wurden. Die Studie schloss
Patienten ein, die mit monatlichen intravitrealen Ranibizumab-
Injektionen behandelt wurden sowie Studienergebnissen bzgl.
Patienten mit hohem Augeninnendruck, Makulaödem und Konvergenzinsuffizienz.
Der Grenzpunktwert in der Veränderung der
Sehschärfe (Buchstaben-Score) oberhalb dessen eine Teilmenge  von Patienten deutlich von Ramibizumab profitierte, war -5,0 bei
einem 24 Monate-Follow up. Die Anzahl behandelter Patienten,
die oberhalb des Cut-off-Points im Behandlungsverlauf endete,
betrug 60 %. Der Grenzwertpunkt variiert mit der Dauer des
Follow-up und der Subgruppe.
Autoren: Elshout M, van der Reis MI, Webers CA, Heij EC, Hendrikse F, Schouten JS.
Korrespondenz: University Eye Clinic Maastricht, Maastricht University Medical Center,
Maastricht, The Netherlands. Studie: A new epidemiological aid in deciding whether to
continue or stop a treatment. Quelle: Invest Ophthalmol Vis Sci. 2012 Jul 1;53(8):4331-
6. Print 2012. Web : http://www.iovs.org/content/53/8/4331.abstract

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