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Postoperative Inzidenz eines Glaukoms bei den neueren OP-Methoden (ALK, EK) geringer als nach perforierender Keratoplastik

GLAUCOMA Paris – mechentel news – Am Quinze-Vingts National Eye Hospital der UPMC Univ Paris 06-Sorbonne Universities in Frankreich untersuchten Vincent M. Borderie et al. die kumulierte Inzidenz eines Glaukoms nach perforierender Keratoplastik (PK), anteriorer lamellärer Keratoplastik (ALK) und endothelialer Keratoplastik (EK). Die Daten dieser Kohortenstudie wurden prospektiv erhoben und retrospektiv ausgewertet. Aufgenommen wurden insgesamt 1657 aufeinanderfolgende Augen von 1657 Patienten die sich zwischen 1992 und 2013 einer Hornhauttransplantation unterzogen. Die angewendeten Methoden umfassten perforierende Keratoplastik (in den Jahren 1992 bis 2013), ALK (2002 bis 2013) und Descemet-Stripping automatisierte endotheliale Keratoplastik (2006 bis 2013). Hauptzielparameter waren Augeninnendruck, Glaukom-Therapien und Glaukom-bedingter Visusverlust (Verlust des zentralen Sehvermögens durch fehlende oder auf das temporale Gesichtsfeld beschränkte Lichtwahrnehmung) nach der Operation. Proportionale Hazard-Regressionsmodelle nach Cox wurden angewandt, um die Risikofaktoren für Glaukom nach Keratoplastik zu analysieren. Die über 10 Jahre kumulierte Inzidenz einer erhöhten Intraokulardrucks (IOD) und eines behandlungsbedürftig erhöhten IOD lag bei 46,5 % beziehungsweise bei 38,7 %. In multivariaten Analysen waren 4 Faktoren signifikant mit einer höheren Inzidenz eines therapiebedürftig erhöhten IODs nach Keratoplastik verbunden: ein präoperativ bestehendes Glaukom oder ein IOD > 20 mm Hg (bereinigte Hazard Ratio [HR] 1,56; p < 0,001), perforierende Keratoplastik (bereinigte HR 1,12 gegenüber ALK und 1,10 gegenüber EK; p < 0,001), postoperativer Linsenstatus (bereinigte HR gegenüber phaken Augen 1,15 für Hinterkammerlinsen, 1,43 für Vorderkammerlinsen [IOL] und 2,83 für aphake Augen; p < 0,001) und IOL-Austausch oder -Entfernung während des Eingriffs (bereinigte HR 1,48; p < 0,001). Alter zum Operationszeitpunkt, präoperative Diagnose, Filterchirurgie vor der Keratoplastik, Vitrektomie in Verbindung mit der Keratoplastik und Filterchirurgie zusammen mit der Keratoplastik waren in der univariaten Analyse mit einer höheren Inzidenz eines behandlungsbedürftig erhöhten IOD nach der Keratoplastik verbunden, nicht jedoch in der multivariaten Analyse. Die 10-Jahres-Wahrscheinlichkeit durch die Glaukomerkrankung die Sehkraft zu verlieren betrug 1,0 % nach EK, 2,1 % nach ALK und 3,6 % nach PK (p = 0,036). Die Autoren stellen in der Juli-Ausgabe 2016 des Fachjournals Ophthalmology fest, dass die Inzidenz eines erhöhten IOD nach Keratoplastik und der Entwicklung eines Glaukoms unter ALK und EK im Vergleich zur PK signifikant gesunken ist. Sie sind der Überzeugung, dass dieses auf die verminderten chirurgisch induzierten Schäden am vorderen Kammerwinkel und am Trabekelwerk sowie auf den geringeren postoperativen Einsatz von Steroiden zurückzuführen sei. (bs)

Autoren: Borderie VM, Loriaut P, Bouheraoua N, Nordmann JP. Korrespondenz: Vincent M. Borderie, MD, PhD, Service V, Centre Hospitalier National d’Ophtalmologie des XV-XX, 28 rue de Charenton, 75571 Paris, France. E-Mail: vincent.borderie@upmc.fr. Studie: Incidence of Intraocular Pressure Elevation and Glaucoma after Lamellar versus Full-Thickness Penetrating Keratoplasty. Quelle: Ophthalmology. 2016 Jul;123(7):1428-34. doi: 10.1016/j.ophtha.2016.03.034. Web: http://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(16)30071-9/abstract.

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