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Kombination von ADT mit Abiteron und Prednisolon verbessert Überleben bei Prostatakrebs

 

PROSTATE Birmingham – mechentel news – Abirateron plus Prednisolon verbessert das Überleben bei Männern mit rezidivierendem Prsotatakarzinom. Die STAMPEDE-Forscher um Nicholas D. James vom Institute of Cancer and Genomic Sciences der University of Birmingham in Birmingham, United Kingdom, bewerteten anhand eines mehrstufigen Multigruppen-Versuchsdesign den Effekt dieser Wirkstoffkombination bei Männern, deren Behandlung mit einer Langzeit-Androgenentzugstherapie (androgen-deprivation therapy, ADT) gestartet wurde. Die 1917 Patienten wurden randomisiert im Zeitraum von November 2011 bis Januar 2014 im Verhältnis 1:1 den verschiedenen Armen zugewiesen und erhielten entweder eine alleinige ADT oder eine Kombinationstherapie bestehend aus ADT plus Abirateron (1000 mg täglich) und Prednisolon (5 mg täglich). Im Median waren die Patienten 67 Jahre alt und wiesen mediane Prostata-spezifische Antigen-(PSA-)Werte von 53 ng pro ml auf. Patienten mit Lymphknoten-negativen, nichtmetastasierten Erkrankungen wurde eine lokale Strahlentherapie verordnet und Patienten mit positiven Lymphknotenbefunden wurde selbige empfohlen. Bei Patienten ohne metastasiertem Krankheitsverlauf und ohne geplanter Strahlentherapie sowie bei Patienten mit Metastasen wurde die Behandlung bis zur radiologischen, klinischen oder PSA-Progression fortgesetzt. Andernfalls erfolgte die Behandlung über einen Zeitraum von zwei Jahren oder bis irgendeine Art von Progression eintrat. Als primärer Endpunkt wurde das Gesamtüberleben festgelegt. Das Überleben ohne Therapieversagen wurde als Intermediate-Endpunkt bestimmt. Therapieversagen wurde als radiologische, klinische oder PSA-Progression oder Tod infolge des Prostatakarzinoms definiert. 52 % der Patienten wiesen einen metastatischen Krankheitsverlauf, 20 % einen Lymphknoten-positiven oder Lymphknoten-unklaren, nichtmetastatischen Verlauf und 28 % einen Lymphknoten-negativen, nichtmetastatischen Verlauf auf. In 95 % der Patienten wurde die Erkrankung gerade erst diagnostiziert. Der follow-up-Zeitraum betrug im Median 40 Monate. In der Kombinationsgruppe traten 184 Todesfälle im Vergleich zu 262 Todesfällen in der alleinigen ADT-Gruppe auf (Risikoquotient [RR]: 0,63; 95 % Konfidenzintervall [CI]: 0,52-0,76; p < 0,001); dabei betrug der RR bei Patienten ohne metastasiertem Krankheitsverlauf 0,75 und 0,61 bei Patienten mit einer metastatischen Erkrankung. Es waren 248 Ereignisse infolge Therapieversagen in der Kombinationsgruppe und 535 in der alleinigen ADT-Gruppe zu verzeichnen (RR: 0,29; 95 % CI: 0,25-0,34; p < 0,001); dabei betrug der RR bei Patienten ohne metastasiertem Krankheitsverlauf 0,21 und 0,31 bei Patienten mit einer metastatischen Erkrankung. Komplikationen von Grad 3-5 traten bei 47 % der Patienten der Kombinationsgruppe (davon neunmal Grad 5) und bei 33 % der alleinigen ADT-Gruppe auf (davon dreimal Grad 5). Die STAMPEDE-Wissenschaftler schlussfolgerten in ihrer im Juni 2017 im The New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie, dass bei Männern mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakarzinom, eine Kombination der ADT mit Abirateron und Prednisolon mit signifikant höheren Gesamt- und Therapieversagens-freien Überlebensraten in Verbindung stand als die alleinige ADT. (ut)

Autoren: James ND, de Bono JS, Spears MR, Clarke NW, Mason MD, Dearnaley DP, Ritchie AWS, Amos CL, Gilson C, Jones RJ, Matheson D, Millman R, Attard G, Chowdhury S, Cross WR, Gillessen S, Parker CC, Russell JM, Berthold DR, Brawley C, Adab F, Aung S, Birtle AJ, Bowen J, Brock S, Chakraborti P, Ferguson C, Gale J, Gray E, Hingorani M, Hoskin PJ, Lester JF, Malik ZI, McKinna F, McPhail N, Money-Kyrle J, O‘Sullivan J, Parikh O, Protheroe A, Robinson A, Srihari NN, Thomas C, Wagstaff J, Wylie J, Zarkar A, Parmar MKB, Sydes MR; STAMPEDE Investigators. Korrespondenz: Dr. James at the Institute of Cancer and Genomic Sciences, University of Birmingham, Edgbaston, Birmingham B15 2TT, United Kingdom. Electronic address: mrcctu.stampede@ucl.ac.uk. Studie: Abiraterone for Prostate Cancer Not Previously Treated with Hormone Therapy. Quelle: N Engl J Med. 2017 Jun 3. doi: 10.1056/NEJMoa1702900. [Epub ahead of print]. Web: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1702900

KOMMENTAR STAMPEDE ist eine besondere Studie. Normalerweise wird EIN Standardverfahren mit EINEM experimentellen Verfahren verglichen. Nicht so bei STAMPEDE: hier werden gleich verschiedene Arme zum Standard getestet („multiarm“), wobei auch ein Arm gestoppt werden kann („multistage“). Aktuell wird der Arm G im New England Journal of Medicine publiziert. Im Jahre 2016 wurde gezeigt, dass in hormonsensiblen metastasierten Prostatakarzinomen die Therapie mit Doxetacel+Androgenentzug einen Vorteil aufweisst. Jetzt geht man einen Schritt weiter indem die Kombination aus Androgenentzug+Abirateron publiziert wird. M1 heisst in der hier vorliegenden Studie: ossäre Filiae zu 45 %, nodale zu 15 %, pulmonale Filiae zu 2 % und Leberfiliae zu 1 %. Die Therapie war leider nicht verblinded. Ein klinischer (oder serologischer bzw. radiologischer) Progress trat in 56 % versus 26 % auf, damit also seltener in der Kombinationsgruppe. Bei Progress wurde Doxetacel zu 37 % (Androgenentzugs-Arm) bzw. 46 % (Kombination mit Abirateron) verabreicht, also etwas häufiger in der Kombinationsgruppe. In der Zukunft wird auch „Arm K“ publiziert werden (Metformin-Arm). Ausserdem wird die Frage zu klären sein, ob die Kombination Androgenentzug+Abirateron+Doxetacel einen Vorteil zu Androgenentzug+Abirateron bringen wird.

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