Effektives Verfahren zur Sequenzierung krankheitsassoziierter Gene bei retinalen Dystrophien

MEDICAL RETINA Schlieren – mechentel news – Vererbte monogene Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers betreffen etwa 1 von 2000 Individuen. Sie sind durch eine enorme genetische Heterogenität und klinische Variabilität gekennzeichnet, die Mutationen in etwa 250 Genen und mehr als 20 verschiedene klinische Phänotypen umfasst. Klinische Manifestationen von Netzhautdystrophien (RD) reichen von leichten Netzhautstörungen bis hin zu schweren angeborenen Erblindungsformen. Eine detaillierte klinische Diagnose und die Identifizierung von ursächlichen Mutationen sind entscheidend für die genetische Beratung betroffener Patienten und deren Familien, für das Verständnis von Korrelationen zwischen Genotyp und Phänotyp und für die Entwicklung therapeutischer Ansätze. Die Autoren um Amit Tiwari vom Institut für Medizinische Molekulargenetik der Universität Zürich in Schlieren, Schweiz, haben unter Anwendung des sogenannten Whole Exom Sequencing (WES) eine zuverlässige und effiziente Analysestrecke mit hohem Durchsatz etabliert, um krankheitsverursachende Mutationen zu identifizieren. Ihre Daten zeigen, dass dieser Ansatz es ermöglicht, etwa 64% der Patienten (n = 58) mit Varianten in bekannten krankheitsassoziierten Genen genetisch zu diagnostizieren. Sie berichten über 20 neue und 26 wiederkehrende Varianten in Genen, die mit RDs assoziiert sind. Sie identifizierten auch einen neuen Phänotyp für Mutationen in C2orf71 und lieferten funktionelle Beweise für das Exon-Skipping aufgrund einer Spleissstellenvariante, die in FLVCR1 identifiziert wurde. Zusammenfassend kann WES schnell Varianten in verschiedenen Familien mit verschiedenen Formen von RDs identifizieren, wie die Autoren in der Juni-Ausgabe 2018 der Scientific Reports schreiben. Die Studie erweitere darüber hinaus das klinische und allelische Spektrum von Genen, die mit RDs in der Schweizer Bevölkerung assoziiert seien. (bs)

Autoren: Tiwari A, Bahr A, Bähr L, Fleischhauer J, Zinkernagel MS, Winkler N, Barthelmes D, Berger L, Gerth-Kahlert C, Neidhardt J, Berger W. Korrespondenz: Kaweh Mansouri, MD, MPH, Glaucoma Research Center, Montchoisi Clinic, 10, Chemin des Allinges, Lausanne 1006, Switzerland. E-Mail: kwmansouri@gmail.com Studie: Next generation sequencing based identification of disease-associated mutations in Swiss patients with retinal dystrophies. Quelle: Sci Rep. 2016 Jun 29;6:28755. doi: 10.1038/srep28755. Web: https://www.nature.com/articles/srep28755

24. September 2018