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Rolle und optimale Dauer begleitender Hormontherapie bei Salvage-Radiatio nach radikaler Prostatektomie

 

PROSTATE CANCER Mailand – mechentel news – Bei ungefähr 30% der Prostatakrebspatienten kommt es nach der chirurgischen Behandlung zu einem Anstieg des prostataspezifischen Antigens (PSA). Seine klinische Bedeutung und das richtige Management sind jedoch nach wie vor Themen der Forschung. Eine zusätzliche begleitenden Hormontherapie neben der postoperativen Strahlentherapie ist eine Option, wird jedoch weiterhin kontrovers diskutiert. Nicola Fossati aus der Division of Oncology/Unit of Urology am Urological Research Institute des IRCCS Ospedale San Raffaele in Mailand, Italien, und Kollegen werten in dieser Studie Daten von 1.264 Patienten aus acht Überweisungzentren aus, die mit einer Salvage-Strahlentherapie des Prostata- und Samenblasen-Betts nach radikaler Prostatektomie behandelt wurden. Die Patienten erhielten eine Salvage-Strahlentherapie, entweder wegen steigendem oder persistierenden PSA-Wert nach der Operation. Die gleichzeitige Gabe einer Hormontherapie lag im Ermessen des behandelnden Arztes. Die multivariable Cox-Regressionsanalyse wurde verwendet, um den Effekt der Dauer der Hormontherapie und das Risiko eines klinischen Rezidivs zu bestimmen. In ihrer Kohorte wurden 29% der untersuchten Patienten mit einer begleitenden Hormontherapie behandelt. Die Autoren unterscheiden drei Risikofaktoren: pT Stadium ≥ pT3b, pathologischer Gleason-Score ≥ 8 und PSA-Spiegel bei Salvage-Strahlentherapie > 0,5 ng/ml. Bei Patienten mit zwei oder mehr Risikofaktoren, bei denen eine Hormontherapie bis zu 36 Monaten wirksam war, wurde ein Zusammenhang zwischen der Hormontherapiedauer und dem klinischen Rezidiv festgestellt. In der elektronischen Vorabpublikation haben die Wissenschaftler in der Februar-Ausgabe 2019 des Fachmagazins EUROPEAN UROLOGY festgestellt, dass dieser Effekt bei Patienten mit nur einem Risikofaktor abgeschwächt war, wobei eine begleitende Hormontherapie für einen kürzeren Zeitraum (< 12 Monate) vorteilhaft war. Schliesslich blieb bei Patienten ohne Risikofaktoren das Risiko eines klinischen Rezidivs gering und konstant, unabhängig von der Dauer der Hormontherapie. (mm/um)

Autoren: Fossati N, Robesti D, Karnes RJ, Soligo M, Boorjian SA, Bossi A, Coraggio G, Di Muzio N, Cozzarini C, Noris Chiorda B, Gandaglia G, Scarcella S, Bartkowiak D, Böhmer D, Shariat S, Goldner G, Battaglia A, Joniau S, Haustermans K, De Meerleer G, Fonteyne V, Ost P, Van Poppel H, Montorsi F2 Wiegel T, Briganti A. Korrespondenz: Nicola Fossati, Division of Oncology/Unit of Urology, IRCCS Ospedale San Raffaele, Vita-Salute San Raffaele University, Via Olgettina 60, Milan 20131, Italy. E-Mail: fossati.nicola@hsr.it Studie: Assessing the Role and Optimal Duration of Hormonal Treatment in Association with Salvage Radiation Therapy After Radical Prostatectomy: Results from a Multi-Institutional Study. Quelle: Eur Urol. 2019 Feb 21. pii: S0302-2838(19)30112-5. doi: 10.1016/j.eururo.2019.02.004. [Epub ahead of print] Web: https://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(19)30112-5/abstract

Kommentar

Die Autoren fanden heraus, dass die hormonelle Behandlung bei Patienten mit steigendem PSA, die als Salvage-Therapie eine postchirurgische Strahlenbehandlung erhalten, auf der Grundlage der Tumoreigenschaften zugeschnitten werden sollte. Insbesondere stellten sie fest, dass möglicherweise nicht alle Patienten von einer Hormontherapie profitieren und empfehlen bei Patienten mit den am meisten fortgeschrittenen Merkmalen eine langfristige Therapie (mindestens 36 Monate). Die Art der Hormonbehandlung und eine prospektive Bewertung sind dringend erforderlich, um diese Ergebnisse zu validieren. (mm/um)

Autor: Dr. med. Dr. rer. nat. Marco Moschini, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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