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Einsatz von Doppler-Ultraschall bei Verdacht auf Hodentorsion: 15-jährige Studie mit 2922 Patienten

TESTICULAR TORSION Paris – Die Verwendung eines Doppler-Ultraschalls (DUS) zur weiteren Diagnostik bei einem Verdacht auf Hodentorsion ist umstritten, da es die Zeit bis zur explorativen Chirurgie verlängern könnte. Nun hat eine multiinstitutionelle europäische Forschungsgruppe unter der Leitung von Ugo Pinar, aus der urologischen Abteilung der Hôpitaux Universitaires Pitie-Salpetriere-Charles Foix, in Paris, Frankreich, retrospektiv die Daten von 2922 Patienten 14 Universitätskliniken ausgewertet, die bei Verdacht auf eine Hodentorsion eine Operation erhielten. Alle eingeschlossenen Patienten waren mindestens 12 Jahre alt und die Operationen fanden zwischen 2005 und 2019 statt. Multivariable logistische Regressionsmodelle untersuchten die klinischen Faktoren, die mit der Nutzung eines DUS in Verbindung standen. Darüber hinaus wurde ein 1:1 propensity score matching durchgeführt, zwischen DUS und non-DUS Patienten, um die Orchidektomie-Rate sowie die Zeitverzögerung bis zur Chirurgie zu evaluieren. 32.7% erhielten einen DUS vor der Operation. Ein DUS wurde mit größerer Wahrscheinlichkeit bei älteren Patienten durchgeführt (Odds Ratio [OR] 1,1, 95% Konfidenzintervall [CI] 1,1-1,2), bei Patienten mit progressivem Schmerzbeginn (OR 1,5, 95% CI 1,1-2) und bei Patienten, die sich mehr als 6 Stunden nach ihren ersten ersten Symptomen in der Notaufnahme vorstellten (OR 2,3, 95% CI 1.9-2.8).Das Team stellt in der März-Ausgabe der Fachzeitschrift EUROPEAN UROLOGY FOCUS fest, dass nach propensity score matching der DUS nicht signifikant mit Orchidektomie assoziiert war, aber die Verzögerung bis zur Operation sich eine Stunde verlängert hatte. Letztlich zeigte DUS zeigte eine starke Sensitivität von 85,2% (95% CI 82,1-88,3%) und eine Spezifität von 52,7% (95% CI 48,8-56,6%).(cw/um)

Autoren: Ugo Pinar 1, Igor Duquesne 2, François Lannes 3, Florian Bardet 4, Kevin Kaulanjan 5, Clément Michiels 6, Emilien Seizilles de Mazancourt 7, Ines Dominique 8, Maxime Vallee 9, Margaux Felber 10, Lucas Freton 11, Bastien Gondran-Tellier 3, Xavier Matillon 7 , Zine-Edine Khene 11, Benjamin Pradere 12, Korrespondenz: 1 Department of Urology, Hôpitaux Universitaires Pitie-Salpetriere-Charles Foix, AP-HP, Sorbonne Université, Paris, France. Electronic address: ugo.pinar@aphp.fr., 2 Department of Urology, Hôpital Cochin, AP-HP, Université de Paris, Paris France., 3 Department of Urology, La Conception University Hospital, Assistance-Publique Marseille, Marseille, France., 4 Department of Urology, Dijon University Hospital, Dijon, France., 5 Department of Urology, CHU Pointe à Pitre, Guadeloupe, France., 6 Department of Urology, Bordeaux University Hospital, Bordeaux, France., 7 Department of Urology and Transplantation, Edouard Herriot Hospital, Hospices Civils de Lyon, Lyon, France., 8 Department of Urology, Groupe Hospitalier Diaconesses-Croix Saint-Simon, Paris, France., 9 Department of Urology, Poitiers University Hospital, Poitiers, France., 10 Department of Urology, Hôpitaux Universitaires Pitie-Salpetriere-Charles Foix, AP-HP, Sorbonne Université, Paris, France. 11 Department of Urology, University Hospital of Rennes, Rennes, France., 12 Department of Urology, Comprehensive Cancer Center, Medical University of Vienna, Vienna, Austria., Studie: The Use of Doppler Ultrasound for Suspected Testicular Torsion: Lessons Learned from a 15-Year Multicentre Retrospective Study of 2922 Patients, Quelle: Eur Urol Focus. 2021 Mar 1;S2405-4569(21)00054-7.doi: 10.1016/j.euf.2021.02.011., Web: https://www.eu-focus.europeanurology.com/article/S2405-4569(21)00054-7/fulltext

Kommentar

Diese Studie zeigt klar, dass ein DUS bei Verdacht auf eine Hodentorsion mit keiner höheren Orchidektomierate assoziiert ist, was eine sehr wichtige Erkenntnis darstellt. Insbesondere ist die Sensitivität adäquat, was aber keinesfalls bedeutet, dass eine DUS eine explorative Chirurgie ersetzen sollte. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass DUS die Chirurgie bis zu einer Stunde verzögern kann. Diese Aussage sollte jedoch nur sehr vorsichtig interpretiert werden, da wohl insbesondere bei einer multiinstitutionellen Auswertung sehr viele nicht adjustierbare Faktoren eine Rolle gespielt haben, die die Operationsverzögerung bedingt haben. Im klinischen Alltag, mit adäquater Priorisierung und einem engen Zusammenspiel zwischen der Urologie, der Notaufnahme und dem OP-Personal sollte eine nebenbei durchgeführte DUS die Dauer bis zur Operation höchstwahrscheinlich maximal um einige Minuten verzögern. (cw)

Autor: Dr. med. univ. Christoph Würnschimmel, Assistenzarzt Martini Klinik Hamburg

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