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Risikofaktoren für Urosepsis nach Ureteroskopie bei Steinleiden

STONE TREATMENT Montréal – Die Ureterorenoskopie hat in den letzten Dekaden, nicht zuletzt dank hoher Steinfreiheitsrate, deutlich an Bedeutung gewonnen und ist aus dem Tagesgeschäft urologischer Kliniken nicht wegzudenken. Schwere Komplikationen sind selten, aber potenziell fatal, insbesondere bei Auftreten einer Urosepsis. Als begünstigend oder ursächlich für das Auftreten einer Urosepsis wurden verschiedene Faktoren identifiziert, wobei die analysierten Daten häufig aus retrospektiven Studien stammen und die berichteten Resultate oft nicht konsistent sind. Um etwas Licht ins Dunkeln zu bringen, führten die Autoren um Naeem Bhojani aus Montreal, Kanada, ein systematisches Review durch. Nach Durchsicht der gängigen Datenbanken wurden 251 Artikel identifiziert, wovon schlussendlich 13 in die Analyse eingeflossen sind. Die 13 Studien setzen sich aus 8 retrospektiven Studien und 5 prospektiven Studien zusammen. Insgesamt umfassten die Studien 5.597 Patienten, über alle Studien gepoolt kam es in 5% der Fälle zum Auftreten einer Urosepsis, wobei die Definitionskriterien der Urosepsis zwischen den Studien variierten. In allen Studien mussten jedoch mindestens zwei der nachfolgend aufgeführten Kriterien vorliegen: Fieber über 38°C, Tachykardie, Tachypnoe, Leukozytose. Untersucht wurden insgesamt 13 Risikofaktoren, wobei für sechs eine statistische Assoziation zwischen Urosepsis und Risikofaktor gefunden werden konnte: lange Operationszeit, koronare Gefässerkrankung, Diabetes Mellitus, hohes Alter, positive präoperative Urinkultur und präoperativ einliegende Harnleiterschiene. Wobei die Autoren in der Juli-Ausgabe 2021 des JOURNAL OF ENDOUROLOGY anmerken, dass der Zusammenhang zwischen Urosepsis und koronarer Herzerkrankung und langer Operationszeit nur in zwei beziehungsweise einer Studie gefunden werden konnte. Zu ähnlichen Ergebnissen sind bereits im Vorfeld durchgeführte Studien gekommen, insbesondere hinsichtlich präoperativ einliegender Harnleiterschiene und positiver Urinkultur präoperativ. (fa/um)

Autoren: Bhojani N, Miller LE, Bhattacharyya S, Cutone B, Chew BH. Korrespondenz: Naeem Bhojani, MD, Division of Urology, Centre Hospitalier de l’Université de Montréal, Pavillon R, 900 rue St. Denis, R08.474, H2X 0A9 Montréal, Canada. E-Mail: naeem.bhojani@gmail.com Studie: Risk Factors for Urosepsis After Ureteroscopy for Stone Disease: A Systematic Review with Meta-Analysis. Quelle: J Endourol. 2021 Jul;35(7):991-1000. doi: 10.1089/end.2020.1133. Epub 2021 Mar 15. PMID: 33544019. Web: https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/end.2020.1133

Kommentar

Die Ergebnisse der Studie unterstreicht die Wichtigkeit der Behandlung einer positiven Urinkultur vor Manipulation am oberen Harntrakt zur Verhinderung von infektiologischen Komplikationen. Die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Urosepsis nach Ureterorenoskopie erscheint mit 5% eher etwas hoch, könnte aber der angewandten Definition der Urosepsis geschuldet sein. (fa/um)

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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