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Review zur Effektivität des Einsatzes von Parasympathomimetika bei hypoaktiver Blase

FUNCTIONAL UROLOGY Gold Coast – Die hypoaktive Blase ist ein häufiges Problem, aktuell ohne validierte, effektive kausale pharmakologische Therapie. Die Kontraktion der Blase wird über den M3-Muskarinrezeptor vermittelt, so dass die biochemische Rationale einen Effekt von Parasympathomimetika auf die Blasenkontraktion anzunehmen liesse. Es existieren Studien, welche den Effekt von Parasympathomimetika untersucht haben, allerdings häufig mit unzureichendem Studiendesign. Da bisher noch keine Metaanalyse zu dieser Fragestellung existierte, haben sich die Autoren um Christian Moro von der Faculty of Health Sciences and Medicine der Bond University in Gold Coast im Bundesstaat Queensland, Australien, dieser Aufgabe angenommen. In die Analyse wurden 12 Studien eingeschlossen mit einem Gesamtkollektiv von 3.024 Patienten. Vier Studien befassten sich mit dem Auftreten von Harnverhalten, wobei sich hier ein Unterschied zugunsten der Parasympathomimetika-Gruppe zeigte (Risk Ratio [RR] 0,55; p = 0,04). Innerhalb der Gruppe der Parasympathomimetika konnte kein Unterschied zwischen den verwendeten Medikamenten aufgezeigt werden. Mit der Fragestellung des Restharnes beschäftigten sich acht Studien, allerdings mit hoher Heterogenität, wobei ein Effekt nur für Cholinesterasen festgestellt wurde (Mean Difference [MD] -77,5ml; p < 0,001). In der Overall-Analyse zeigte sich, nach Ausschluss einer für die Heterogenität verantwortlichen Studie, ebenfalls ein statisch signifikantes Ergebnis (MD -7,5ml; p < 0,001). Die Auswertung nach Nebenwirkungen in 10 Studien konnte keinen signifikanten Unterschied aufzeigen (Odds Ratio 1,19; p = 0,60). Aus den Resultaten schlussfolgern die Autoren in der Januar-Ausgabe 2022 des Fachjournals NEUROUROLGY AND URODYNAMICS, dass es im Moment basierend auf der zugänglichen Literatur nicht möglich ist, klare evidenz-basierte Schlussfolgerungen zu ziehen, insbesondere unter Berücksichtigung der geringen Anzahl an Studien, der schwachen Daten und der hohen Heterogenität. (fa)

Autoren: Moro C, Phelps C, Veer V, Clark J, Glasziou P, Tikkinen KAO, Scott AM. Korrespondenz: Christian Moro, Faculty of Health Sciences and Medicine, Bond University, Gold Coast, QLD 4226, Australia. E-Mail: cmoro@bond.edu.au Studie: The effectiveness of parasympathomimetics for treating underactive bladder: A systematic review and meta-analysis. Quelle: Neurourol Urodyn. 2022 Jan;41(1):127-139. doi: 10.1002/nau.24839. Epub 2021 Nov 24. PMID: 34816481. Web: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/nau.24839

KOMMENTAR Die Daten sind aufgrund des niedrigen Evidenzlevels sowie der hohen Heterogenität der verwendeten Studien sicherlich mit Vorsicht zu geniessen, entsprechend liest sich auch die Schlussfolgerung der Autoren. Somit fehlt weiterhin eine nicht-invasive bzw. pharmakologische Therapieoption für den hypokontraktilen Detrusor.

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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