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Komplementsystem signifikant bei AMD

OXFORD – mechentel news – Es hat sich gezeigt, dass die Dysregulation des Komplementsystems eine große Rolle bei der Pathogenese von altersbedingter Makuladegeneration (AMD) spielt. Dabei übernimmt das Komplementsystem eine signifikante Rolle bei der Entwicklung neuer prophylaktischer und therapeutischer Eingriffe bei AMD, wie das Team um Peter Charbel Issa vom Nuffield Laboratory of Ophthalmology an der University of Oxford, (UK) in der Dezember-Ausgabe 2010 der Fachzeitschrift Graefe‘s Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology erklärt. Die aktuellen Nachweise aus den Humanstudien sind aus immunhistochemischen und proteomischen Studien von Spenderaugen abgeleitet, von genetischen Assoziationsstudien und aus Studien über Blutkomplement-Proteinlevel sowie durch in vitro- und Tierstudien bestätigt. Das Forscherteam fand  Komplementproteine in den Drusen, die wahrscheinlich eine lokale Entzündung im Komplementsystem verursacht haben. Auch fand das Team verglichen zur Kontrollgruppe hohe Konzentrationen von Komplementproteinen im Bruch-Membran- /Choroidea-Komplex der AMD-Spenderaugen. Eine große Anzahl unabhängiger genetischer Studien haben durchweg bestätigt, dass AMD mit einem Risiko oder mit Schutzvarianten im Gencode für Komplementproteine assoziiert wird, die den Komplementfaktor H(CFH), das CFH-gebundene Protein 1 und 3, den Faktor B/C2, C3 und den Faktor I einschließen. Weitere Ansätze unabhängiger Studien stießen auf eine gestiegene Konzentration der komplementaktivierenden Stoffe im Plasma derAMD-Patienten und nehmen an, dass AMD eine systemische Erkrankung sein könnte und die Makula ein anatomisch anfälliges Gewebe ist mit minimaler Resistenz zu Komplementaktivierung. Genotyp-Phänotyp-Korrelation, einschließlich der Auswirkung genetischer Varianten auf den Krankheitsverlauf, Gen-Umwelt und pharmakogenetische Interaktionen wurden ebenfalls von den Autoren untersucht. „Es ist erwiesen, dass Genvarianten des Komplementsystems mit dem Krankheitsverlauf früher und später Formen der AMD in Verbindung stehen, obwohl sie scheinbar keine signifikante Rolle bei bereits ausgebildeter später atrophischer
AMD spielen“, so Issa et. al. weiter. Interaktionen zwischen genetischen Varianten und Supplementationen sowie diätetischen Faktoren sind indiziert. Auch gibt es Hinweise darauf, dass Varianten des CHF-Gens die Therapieauswirkungen bei Patienten mit neovaskulärer AMD beeinflussen. Eigentlich gibt es mehrere Verbindungen mit Wirkung auf die Komplementbahn, die aktuell in klinischen Studien erforscht werden. Zur Aufrechterhaltung einer ausreichenden Immunantwort und Gewebehomöostase benötigen die Therapeutika, die das Komplementsystem modulieren ein Gleichgewicht zwischen Hemmung und Erhaltung der funktionellen Aktivität. „Speziell die Entwicklung der Dysfunktion erscheint besser geeignet als die globale Suppression der Komplement-Aktivierung bei chronischen Erkrankungen wie AMD“, so das Fazit der Arbeitsgruppe.

Autoren: Peter Charbel Issa & N. Victor Chong & Hendrik P. N. Scholl,
Korrespondenz: Nuffield Laboratory of Ophthalmology, University of Oxford, Oxford, UK.
Studie: The significance of the complement system for the pathogenesis of age-related macular degeneration – current evidence and translation into clinical application,
Quelle: Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2010 Dec 3.
Web: http://www.springerlink.com/content/x5259w634n742510

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