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Grüner Star – Operation statt Medikamente Wann ein früher Eingriff sinnvoll ist

111. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)
19. bis 22. September 2013, Estrel Berlin

Berlin – In Deutschland sind 800 000 Menschen an Grünem Star erkrankt, auch Glaukom genannt. Das Augenleiden wird bei 80 Prozent der Patienten mit Medikamenten behandelt, die den Augeninnendruck senken. Dennoch gibt es Warnzeichen, dass die Krankheit trotz vermeintlich regulierter Augeninnendruckwerte weiter fortschreitet, erklärt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld ihres 111. Kongresses. Dann kann nur eine Operation dauerhafte Sehschäden abwenden. In welchen Fällen ein früher Eingriff ratsam ist, wie man den richtigen Zeitpunkt erkennt und welche neuen schonenden Operationsmethoden heute zum Einsatz kommen, diskutieren Experten auf dem DOG-Kongress vom 19. bis 22. September in Berlin.

Ein klares Warnzeichen, dass eine medikamentöse Therapie beim Glaukom nicht hilft und ein operativer Eingriff erwogen werden sollte, ist eine bestimmte Art des Sehverlusts – ein sogenannter Gesichtsfeldschaden. Davon merkt der Patient selbst meist kaum etwas, weil das Gehirn die fehlenden Bildteile trickreich ersetzt. „Hat man beim Lesen jedoch Schwierigkeiten, die nächste Buchzeile zu finden, ist das ein Hinweis auf einen Gesichtsfeldschaden“, erklärt Kongresspräsident Professor Dr. med. Berthold Seitz, Direktor der Universitätsaugenklinik Homburg/Saar. Aufschluss gibt eine Gesichtsfelduntersuchung, bei der Patienten Lichtpunkte erkennen müssen.

Auch Veränderungen am Sehnerv, die der Ophthalmologe mit dem Augenspiegel sieht, sind Warnzeichen. „Etwa eine Aushöhlung des Sehnerven oder ein dünner werdendes Nervenfaserpolster“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Klink, Leitender Oberarzt an der Universitätsaugenklinik Würzburg. Zu den Faktoren, die ein Fortschreiten der Erkrankung begünstigen, zählen außerdem Schwankungen des Augeninnendrucks im Tagesverlauf. Um sie festzustellen, erstellt der Arzt eine Tagesdruckkurve. „Empfehlenswert sind vier Messungen in regelmäßigen Abständen zwischen 8.00 und 17.00 Uhr“, rät Experte Klink. „Idealerweise werden diese Werte durch Augeninnendruckmessungen am Abend und in der Nacht ergänzt, was praktisch nur in der Klinik möglich ist.“

Wenn zwei Medikamente nicht mehr ausreichen, den Augeninnendruck zu senken, ist dies ebenfalls ein Hinweis auf Operationsbedürftigkeit. „Die Europäische Glaukom Gesellschaft empfiehlt für diesen Zeitpunkt eine operative Therapie“, so Klink. Sobald Patienten mehr als zwei drucksenkende Augentropfen-Präparate anwenden, das belegen Studien, verschlechtern sich die Erfolgsaussichten einer Operation. „Und natürlich kommen für einen Eingriff auch Patienten in Frage, die drucksenkende Medikamente nicht vertragen“, erläutert Klinik. „Sei es, weil Konservierungsstoffe die Bindehaut reizen oder die Patienten stark unter Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel leiden.“

Standard-Operation beim Glaukom war lange Zeit die Trabekulektomie. Dabei schneiden Augenchirurgen eine kleine Lücke in den Übergang von Hornhaut und Lederhaut des Auges – über diese Öffnung kann das Augenwasser abfließen, was zu einer Senkung des Augeninnendrucks führt. In den vergangenen Jahren wurden jedoch neue, schonendere Operationsmethoden entwickelt. Bei der Kanaloplastik etwa dehnt der Augenarzt mit einem haardünnen Katheter den natürlichen Abflusskanal, um Entlastung zu schaffen. Bei einem kammerwinkelchirurgischen Eingriff wiederum entfernen die Experten das Gewebe in der Umgebung des Abflusskanals mit einem Spezialwerkzeug, um den Druck zu mindern. „Beide Verfahren werden an zahlreichen Augenkliniken in Deutschland angeboten“, berichtet DOG-Experte Klink.

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