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Mykobakterien heimlicher Auslöser von entzündlichen Augenerkrankungen

Chicago – mechentel news – Patienten mit okulärer Entzündung durch Mykobakterien, die nicht auf die Entzündungstherapie ansprechen, müssen frühzeitig zur antimikrobiellen Behandlung überwiesen werden, weil sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit gravierender Sehverlust droht, so Dr. Patel et al. von der University of Illinois Chicago und der Feinberg School of Medicine, Northwestern University, Chicago. Okuläre Infektionen durch Mykobakterien verlaufen oft sehr ungünstig. Mithilfe retrospektiver Fallstudien wurden 26 Augen von 17 Patienten mit entzündlichen Augenerkrankungen durch Mykobakterien, die zwischen 1995 und 2010 an der Universität von Illinois behandelt wurden, bei der Studie berücksichtigt. Unter diesen 17 Patienten gab es 13 Patienten mit einer isolierten okulären Erkrankung, einen mit Miliartuberkulose (TB), zwei mit tuberkulöser Lymphadenitis und einen mit aktiver pulmonaler TB. Vierzehn waren infiziert mit dem Mycobacterium tuberculosis und drei hatten nicht tuberkulöse Infektionen mit Mykobakterien. Bei 46,7% der Patienten war die Thoraxbildgebung im Einklang mit granulomatösen Erkrankungen. Durchschnittlich dauerte die okuläre Erkrankung bereits 755,3 Tage an, bevor es zu einer Überweisung wegen Uveitis kam. Bei nicht hispanischen Weißen mit posteriorer Uveitis kam es zu noch größeren Verzögerungen. Außerdem wurde bei posteriorer Uveitis ein rezidivierender Verlauf beobachtet (odds ratio [OR] 20,0; 95% CI, 1,39–287; p = 0,03), genauso wie bei jenen, die mit systemischen Steroiden gegen Augenerkrankungen behandelt wurden (OR, 10,1; 95% CI, 1,60–64,0; P = 0,01). In 81% der Fälle wurde die Krankheit unter Kontrolle gebracht, obwohl es bei 38,5% zu hochgradigem Sehverlust kam, was mit einem Alter von über 50 Jahren und verzögerter Diagnose in Verbindung gebracht wird. Bei Patienten, die erst 500 Tage nach Auftreten der okulären Symptome diagnostiziert wurden, kam es mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Sehverlust (OR, 20,0; 95% CI, 1,41–282; P = 0,03). Das Studienergebnis wurde in der Aprilausgabe 2013 der Fachzeitschrift JAMA Ophthalmology veröffentlicht. Es zeigt, dass okuläre Infektionen durch Mykobakterien in nicht endemischen Gebieten vorkommen und auch nach einem negativen Thorax-Bild-Befund nicht ausgeschlossen werden können. Daher sollten atypische Infektionen und Tuberkulose bei der Differenzialdiagnose von okulären Entzündungen in jedem Fall berücksichtigt werden, denn bedeutsame Verzögerungen bis zur Einleitung der antimikrobiellen Behandlung führen zu steigender Morbidität.

Autoren: Sarju S. Patel, MD, MPH, MSc; Nehali V. Saraiya, MD; Howard H. Tessler, MD; Debra A. Goldstein, MD;Korrespondenz: Illinois Eye and Ear Infirmary, University of Illinois at Chicago (Drs Patel, Saraiya, Tessler, and Goldstein), and Feinberg School of Medicine, Northwestern University (Dr Goldstein), Chicago.Studie: Mycobacterial Ocular Inflammation: Delay in Diagnosis and Other Factors Impacting Morbidity. Quelle: JAMA Ophthalmol. 2013; 1–7. doi:10.1001/jamaophthalmol.2013.71. doi:10:1001/jama.2010.920Web: http://archopht.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1678153

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