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Mittelstrahlurin-Kulturen haben hohen Aussagewert für Cystitis durch E. coli jedoch nicht für Cystitis durch Enterokokken oder B-Streptokokken

Miami – mechentel news – Die Ursache einer unkomplizierten akuten Cystitis wird auf der Basis einer Urinkultur aus spontanem Mittelstrahlurin bestimmt, aber es gibt nur wenige Daten, die bei der Interpretation der so gewonnenen Ergebnisse helfen, insbesondere wenn gram-negative Keime wachsen. Thomas M. Hooton et al aus dem Department of Medicine der University of Miami führten nun Untersuchungen dazu bei prämenopausalen Frauen durch. Dazu liessen sie sich Mittelstrahlurin-Proben von Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren mit Symptomen einer Cystitis übergeben und führten anschliessend eine Urethra-Katheterisierung zur Gewinnung einer Katheterurin-Probe durch. Sie verglichen die Spezies und die Anzahl der Kolonien in den beiden Probenkulturen. Das primäre Ziel der Studie stellte ein Vergleich dar zwischen positiven oder negativen Vorhersagewerten für die Organismen im Mittelstrahlurin und der An- oder Abwesenheit dieser Organismen im Katheterurin, der als Referenz benutzt wurde. Die Analyse von 236 Episoden einer Cystitis bei 226 Frauen ergab 202 Probenpaare von Mittelstrahl- und Katheterurin, die ausgewertet werden konnten. 142 (70 %) der Katheterurin-Proben waren positiv für uropathogene Keime, wobei 4 Fälle mehr als eine uropathogene Spezies aufwiesen. Von den Mittelstrahlurin-Proben waren 157 (78 %) positiv. Das Vorhandensein von Escherichia coli im Mittelstrahlurin stellte einen hohen Vorhersagewert für eine bestehende Blasen-Bakteriurie dar, sogar wenn nur wenige Kolonien gezählt wurden. Es wurde ein positiver Vorhersagewert von 10² koloniebildende Einheiten (KBE) pro Milliliter von 93 % (Spearman-Korrelation = 0,944) bestimmt. Im Gegensatz dazu waren Enterokokken (in 10% der Kulturen) und Streptokokken der Gruppe B (in 12 % der Kulturen) in den Mittelstrahlurin-Proben, egal in welcher Koloniehäufigkeit, nicht vorhersagekräftig für eine Blasen-Bakteriurie (Spearman-Korrelation =0,322 für Enterokokken und 0,272 für B-Streptokokken). In den 41 Fällen, bei denen Enterokokken, B-Streptokokken oder beide im Mittelstrahlurin gefunden wurden, wuchsen in 61 % E. coli in der Katheterurin-Kultur. Die Autoren ziehen in der November-Ausgabe des New England Journal of Medicine somit die Schlussfolgerung, dass Kulturen des Mittelstrahlurins bei gesunden prämenopausalen Frauen mit einer unkomplizierten akuten Cystitis das Vorhandensein von E. coli in der Blase sicher nachweisen können, nicht aber das von Enterokokken oder Streptokokken der Gruppe B, die häufig mit E. coli zusammen gefunden werden, aber anscheinend nur selten einer Cystitis zugrunde liegen.

Autoren: Hooton TM, Roberts PL, Cox ME, Stapleton AE. Korrespondenz: Dr. Hooton, Department of Medicine, Clinical Research Building, 1120 NW 14th St., Suite 853, Miami, FL 33136, USA. E-Mail: thooton@med.miami.edu. Studie: Voided Midstream Urine Culture and Acute Cystitis in Premenopausal Women. Quelle: N Engl J Med. 2013 Nov 14; 369(20):1883-91. doi: 10.1056/NEJMoa1302186. Web: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1302186.

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