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Erhöhtes Melanomrisiko durch Sildenafil

Boston – mechentel news – Die RAS/RAF-mitogenaktivierte Proteinkinase und die Kaskade der extrazellulären signalregulierten Kinasen(ERK) spielen eine bedeutsame Rolle bei der Proliferation und dem Überleben von Melanomzellen. Sildenafil (Viagra) ist ein Phosphodiesterase(PDE)-5-Hemmer, der gewöhnlich bei erektiler Dysfunktion eingesetzt wird. Kürzlich haben Studien gezeigt, dass die Aktivierung des BRAF-Onkogens den PDE5H-Spiegel absenkt. Eine schwache PDE5H-Expression durch BRAF-Aktivierung oder Sildenafil-Anwendung erhöht die Invasivität von Melanomzellen. Somit kann die Sildenafil-Anwendung unerwünschte Auswirkungen auf das Melanomrisiko haben. Die Autoren um Wen-Qing Li aus dem Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in Boston, USA, untersuchten die Beziehung zwischen der Anwendung von Sildenafil und dem Risiko für das Erscheinen eines Melanoms bei Männern in den USA. Die prospektive Kohortenstudie startete im Jahre 2000, als die Teilnehmer der Health Professionals‘ Follow-up Studie nach der Anwendung von Sildenafil gegen erektile Dysfunktion befragt wurden. Patienten, die zum Startzeitpunkt eine Krebserkrankung angaben, wurden ausgeschlossen. Insgesamt verblieben 25848 Männer in der Analyse. Die Inzidenz der Hauttumore, einschliesslich Melanom, squamösem Zellkarzinom (SCC) und Basalzellkarzinom (BCC) wurde aus den alle 2 Jahre von den Teilnehmern ausgefüllten Fragebögen gewonnen. Die Diagnose eines Melanoms oder SCC wurde histopathologisch gesichert. Insgesamt wurden im Beobachtungszeitraum (2000-2010) 142 Melanome, 580 SCC und 3030 BCC identifiziert. Zeitnahe Anwendung von Sildenafil zum Startzeitpunkt war signifikant verbunden mit einem erhöhten Risiko für ein nachfolgendes Melanom mit einer multivariat-bereinigten Hazard Ratio (HR) von 1,84 (95% KI 1,04 – 3,22). Im Gegensatz dazu wurde kein erhöhtes Risiko für SCC (HR 0,84; 95%KI 0,59 – 1,20) oder BCC (1,08; 0,93 – 1,25) durch Sildenafil-Anwendung beobachtet. Darüberhinaus war erektile Dydfunktion selbst nicht mit einem veränderten Melanomrisiko verbunden. Auch die Anwendung von Siladenafil zu einem anderen Zeitpunkt als dem Studienbeginn ging mit einem höheren Melanomrisiko einher (HR 1,92; 95%KI 1,14 – 3,22). Eine sekundäre Analyse, welche solche Teilnehmer ausschloss, die am Anfang über eine bedeutsame chronische Erkrankungen berichtet hatten, zeigte keine nennenswerten anderen Ergebnisse; die HR lag bei 2,24 (95% KI 1,05 – 4,78) für Sildenafil-Anwendung zum Studienbeginn und bei 2,77 (1,32 – 5,85) für Anwendung irgendwann. Die Autoren kommen somit in der April-Ausgabe der Zeitschrift JAMA Internal Medicine zu dem Schluss, dass die Anwendung von Sildenafil mit einem erhöhten Risiko verbunden sein könnte, ein Melanom zu entwickeln. Wenn auch Ihre Studie unzureichend sei, um klinische Empfehlungen abzugeben, so gehe doch aus ihr der Bedarf hervor, diese Beziehung weiterhin zu untersuchen. B.S.

Autoren: Li WQ, Qureshi AA, Robinson KC, Han J. Studie: Sildenafil Use and Increased Risk of Incident Melanoma in US Men A Prospective Cohort Study. Quelle: JAMA Intern Med. 2014 Apr 7. doi: 10.1001/jamainternmed.2014.594.
Web: http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1857095.

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