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Langfristige Veränderungen der Sexualhormonspiegel bei Überlebenden einer Hoden-Krebserkrankung beachten

Oslo – mechentel news – Die Autoren Mette Sprauten et al aus dem Oslo University Hospital, Norwegen, untersuchten die langfristigen Veränderungen von Testosteron, Luteinisierendem Hormon (LH) und Follikelstimulierendem Hormon (FSH) bei Überlebenden eines Hodenkarzinoms. Insgesamt waren bei 307 solcher zwischen 1980 und 1994 behandelten Patienten Blutproben nach der Hodenentfernung, aber vor weiterer Behandlung gewonnen worden: Survey 1 (SI 1998 – 2002) und Survey 2 (SII 2007 – 2008). Die Spiegel der Geschlechtshormone aus 599 Kontrollen je 10jährigem Altersintervall wurden nach Quintilen und Referenzbereichen (2,5 und 97,5 Perzentile) kategorisiert. Die Patienten wurden entsprechend ihrer Therapie eingeordnet: chirurgische Therapie, Strahlentherapie oder Chemotherapie. Das Risiko von höheren (LH) oder niederigeren (Testosteron) Spiegeln wurde mit dem X2-Test (FSH) oder ordinalen logistischen Regressionsanalysen berechnet und als Odds Ratio (OR) mit einem 95% Konfidenzintervall ausgedrückt. Das Risiko für niedrigere Testosteron- und höhere LH- und FSH-Spiegel war zu allen Zeitpunkten nach Radio- oder Chemotherapie bei den Patienten signifikant erhöht. In Survey 2 betrug die Odds Ratio für niedrigere Testosteron-Kategorien 3,3 (95% KI 2,3 – 4,7) und 5,2 (95% KI 3,5 – 7,9) bei Radio- und Chemotherapie. Die Odds Ratios für erhöhtes LH und FSH betrugen 4,4 (95% KI 3,1 – 6,5) und 18,9 (95% KI 11,0 – 32,6) bei Radio- bzw. 3,6 (95% KI 2,4 – 5,3) und 14,2 (95% KI 8,3 – 24,4) bei Chemotherapie. Die kumulative Platinum-Dosis war in beiden Surveys signifikant verbunden mit dem Risiko für höhere LH-Spiegel und in Survey 1 mit einem höheren FSH.
Insgesamt lag bei der Hälfte aller Patienten im Survey 2 mindestens einer der drei Sexualhormonspiegel ausserhalb des Normwertbereichs. Für Langzeit-Überlebende eines Hodenkarzinoms besteht das Risiko einer vorzeitigen hormonellen Alterung. Die Autoren vermuten in der Februar-Ausgabe des Journal of Clinical Oncology, dass ihre generell auf Überlebende einer Krebserkrankung übertragbar sein könnten, was die Wichtigkeit einer verlängerten Nachbeobachtung solcher Patienten unterstreiche. B.S.

Autoren: Sprauten M, Brydøy M, Haugnes HS, Cvancarova M, Bjøro T, Bjerner J, Fosså SD, Oldenburg J. Korrespondenz: Mette Sprauten, Department of Clinical Cancer Research, Norwegian Radium Hospital-Oslo University Hospital, Postboks 4953 Nydalen, 0424 Oslo, Norway. E-Mail: mettespr@ulrik.uio.no.
Studie: Longitudinal Serum Testosterone, Luteinizing Hormone, and Follicle-Stimulating Hormone Levels in a Population-Based Sample of Long-Term Testicular Cancer Survivors. Quelle: J Clin Oncol. 2014 Feb 20;32(6):571-8. doi: 10.1200/JCO.2013.51.2715. Web: http://jco.ascopubs.org/content/32/6/571.abstract.

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