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Radikale Prostatektomie oder aktive Beobachtung – Ergebnisse nach längerem Follow-up

Uppsala – mechentel news – Die radikale Prostatektomie senkt die Mortalität bei Männern mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom, jedoch sind bedeutsame Fragen nach den langfristigen Vorteilen weiterhin offen. Anna Bill-Axelson et al aus der Urologischen Abteilung des University Hospital in Uppsala, Schweden, publizieren nun ein weiteres Update ihrer bekannten Studie, in der radikale Prostatektomie und Beobachtung (Watchful Waiting) verglichen wurden. Zwischen 1989 und 1999 wurden 695 Männer mit frühem lokal begrenztem Prostatakarzinom zufällig entweder aktiver Beobachtung oder radikaler Prostatektomie zugewiesen und bis Ende des Jahres 2012 nachbeobachtet.
Primäre Endpunkte der Skandinavischen Prostatakrebs Studiengruppe Nr. 4 (SPCG-4) waren dabei Tod gleich welcher Ursache, Tod durch Prostatakarzinom und das Metastasenrisiko. Sekundärere Endpunkte umfassten u.a. den Beginn einer Androgendeprivations-Therapie. Während der 23,2 Jahre der Nachbeobachtung starben 200 der 347 operierten und 247 der 348 der aktiv beobachteten Männer. Von den Todesfällen waren 63 in OP-Gruppe und 99 in der Beobachtungsgruppe auf das Prostatakarzinom zurückzuführen. Das relative Risiko (RR) wurde mit 0,56 (95% Konfidenzintervall 0,41 – 0,77; p = 0,001) bestimmt, die absolute Differenz betrug 11,0 Prozentpunkte (95% KI 4,5 – 17,5). Die Anzahl der Patienten, die operiert werden mussten, um einen Todesfall durch Prostatakarzinom zu verhindern, lag bei 8. Ein Mann starb direkt postoperativ in der Gruppe der radikalen Prostatektomie. Androgendeprivations-Therapie wurde in der OP-Gruppe deutlich seltener eingesetzt (Differenz von 25.0 Prozentpunkten; 95% KI 17,7 – 32,3). Der Vorteil durch eine Operation bezogen auf Tod durch Prostatakarzinom war am grössten bei Patienten im Alter von unter 65 Jahren (RR 0,45) und bei jenen mit einem mittleren Progressionsrisiko (RR 0,38). Allerdings war die radikale Prostatektomie assoziiert mit einem reduzierten Risiko für Metastasen bei älteren Männern (RR 0,68; p = 0,04). Die Autoren sehen in der März-Ausgabe des New England Journal of Medicine durch die ausgedehnte Nachbeobachtungszeit die substantielle Reduktion der Mortalität nach radikaler Prostatektomie bestätigt. Die Anzahl der Patienten, die operiert werden mussten, um einen Todesfall durch Prostatakarzinom zu verhindern sank weiter, wenn die Therapie dem Alter bei Diagnosestellung und dem Tumorrisiko angepasst wurde. Auch ein grosser Anteil der Langzeitüberlebenden unter Watchful waiting brauchte keinerlei palliative Therapie. B.S.

Autoren: Bill-Axelson A, Holmberg L, Garmo H, Rider JR, Taari K, Busch C, Nordling S, Häggman M,Andersson SO, Spangberg A, Andrén O, Palmgren J, Steineck G, Adami HO, Johansson JE. Kontakt: Dr. Bill-Axelson, Department of Urology, Uppsala University Hospital, 75185 Uppsala, Sweden. E-Mail:
anna.bill.axelson@akademiska.se. Studie: Radical Prostatectomy or Watchful Waiting in Early Prostate Cancer. Quelle: N Engl J Med 2014; 370:932-942
doi: 10.1056/NEJMoa1311593. Web:
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1311593.

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