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Kein Vorteil durch Aspirin-Prophylaxe bei nichtkardialen Eingriffen

Hamilton – mechentel news – Bei nichtkardialen operativen Eingriffen bestehen erhebliche Unterschiede in der perioperativen Gabe von Aspirin, und zwar sowohl bei Patienten, bei denen bereits eine Aspirin-Therapie durchgeführt wird als auch bei Patienten, bei denen dieses nicht der Fall ist. Die Autoren um P. J. Devereaux vom David Braley Cardiac, Vascular, and Stroke Research Institute am Hamilton General Hospital in Kanada nutzten ein 2×2-faktorielles Studiendesign. Sie wiesen 10010 Patienten, bei denen ein nichtkardialer chirurgischer Eingriff geplant war und bei denen ein erhöhtes Risisko hinsichtlich vaskulärer Komplikationen bestand, randomisiert Studienarmen zu, die entweder Aspirin oder Placebo oder aber Clonidin oder Placebo erhielten. Sie legten nun die Ergebnisse des Aspirin-Arms der Studie vor. Die Patienten wurden danach stratifiziert, ob sie vor Studienbeginn noch kein Aspirin eingenommen hatten (Initiationsstratum mit 5628 Patienten) oder ob sie bereits unter einer Aspirintherapie standen (Kontinuitätsstratum mit 4382 Patienten). Die Patienten nahmen Aspirin (in einer Dosierung von 200 mg) oder ein Placebo direkt vor der Operation ein und setzten die Einnahme postoperativ täglich (in einer Dosierung von 100 mg) fort, im Initiationsstratum für 30 Tage und im Kontinuitätsstratum für 7 Tage mit anschliessender Weiterführung ihrer üblichen Dosierung. Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus Eintritt des Todes oder nichttödlichem Myokardinfarkt innerhalb von 30 Tagen. Der primäre Endpunkt trat bei 351 von 4998 Patienten (7,0%) in der Aspirin-Gruppe und bei 355 von 5012 Patienten (7,1%) in der Placebo-Gruppe ein (Hazard Ratio in der Aspirin-Gruppe 0,99; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,86 bis 1,15; p = 0,92). Stärkere Blutungen waren in der Aspirin-Gruppe häufiger als in der Placebo-Gruppe (230 Patienten [4,6%] gegenüber 188 Patienten [3,8%]; Hazard Ratio 1,23; 95% KI 1,01 bis 1,49; P = 0,04). Die Ergebnisse der primären und sekundären Endpunkte waren in den beiden Aspirin-Strata ähnlich. Die Autoren stellen somit in der April-Ausgabe des New England Journal of Medicine fest, dass die Verabreichung von Aspirin vor dem operativen Eingriff und während der frühen postoperativen Phase keine signifikante Auswirkung auf die kombinierte Häufigkeit von Tod und nichttödlichem Myokardinfarkt hatte, das Risiko stärkerer Blutungen jedoch erhöhte. (bs)

Autoren: Devereaux PJ, Mrkobrada M, Sessler DI, Leslie K, Alonso-Coello P, Kurz A, Villar JC, Sigamani A, Biccard BM, Meyhoff CS, Parlow JL, Guyatt G, Robinson A, Garg AX, Rodseth RN, Botto F, Lurati Buse G, Xavier D, Chan MT, Tiboni M, Cook D, Kumar PA, Forget P, Malaga G, Fleischmann E, Amir M, Eikelboom J, Mizera R, Torres D, Wang CY, VanHelder T, Paniagua P, Berwanger O, Srinathan S, Graham M, Pasin L, Le Manach Y, Gao P, Pogue J, Whitlock R, Lamy A, Kearon C, Baigent C, Chow C, Pettit S, Chrolavicius S, Yusuf S; POISE-2 Investigators. Korrespondenz: Dr. Devereaux, Population Health Research Institute, David Braley Cardiac, Vascular, and Stroke Research Institute, Rm. C1-116, Perioperative Medicine and Surgical Research Unit, Hamilton General Hospital, 237 Barton St. East, Hamilton, ON L8L 2X2, Canada. E-Mail: philipj@mcmaster.ca. Studie: Aspirin in patients undergoing noncardiac surgery. Quelle: N Engl J Med. 2014 Apr 17;370(16):1494-503. doi: 10.1056/NEJMoa1401105. Web: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1401105.

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