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Prostatakarzinom durch PADT

Washington – mechentel news – Die primäre Androgendeprivationstherapie (PADT) wird oftmals zur Behandlung eines klinisch lokalisierten Prostatakarzinoms eingesetzt, aber ihre Auswirkungen auf die spezifische und allgemeine Mortalität sind noch nicht bekannt. Bei der verbreiteten Anwendung und den möglichen Risiken durch ernsthafte unerwünschte Auswirkungen der PADT erachten die Autoren um Arnold L. Potosky aus dem Lombardi Comprehensive Cancer Center des Georgetown University Medical Center in Washington, USA, genaue Mortalitätsdaten für notwendig, um Therapieentscheidungen treffen zu können. Sie führten dazu eine retrospektive Kohortenstudie durch, in dem sie umfassende Auswertungen der Daten und der Krebsregister aus drei sog. „integrated health plans“ der Krankenversicherer durchführten. Bei allen Männern war erstmalig ein klinisch lokalisiertes Prostatakarzinom diagnostiziert worden. Männer, bei denen die Diagnose zwischen 1995 und 2008 gestellt wurde, die keinerlei kurative Therapie erhielten und die bis Dezember 2010 nachbeobachtet worden waren, wurden in die Studie aufgenommen (n = 15170). Als Hauptendpunkte wurden die Gesamtmortalität und die Prostatakarzinom-spezifische Mortalität bestimmt. Für die Analysen wurden proportionale Hazard Modelle nach Cox mit und ohne Propensity Score verwendet. Insgesamt war PADT – nach Bereinigung der Daten um alle soziodemographischen und klinischen Charakteristika – weder mit dem Risiko der Gesamtmortalität (Hazard Ratio [HR] 1,04; 95% KI 0,97 bis 1,11) noch mit dem der Prostatakarzinom-spezifischen Mortalität (HR 1,03; 95% KI 0,89 bis 1,19) verbunden. PADT war mit einem erniedrigten Risiko für die allgemeine, nicht aber für die Prostatakarzinom-spezifische Mortalität verbunden. PADT korrelierte mit einem herabgesetzten Risiko für die Gesamt-Mortalität nur in der Untergruppe jener Männer mit einem hohen Risiko der Krebsprogression (HR 0,88; 95% KI 0,78 bis 0,97). Die Autoren fassen in der Mai-Ausgabe des Journal of Clinical Oncology zusammen, dass sie bei den meisten Männern mit klinisch lokalisiertem Prostatakarzinom, die keine kurative Therapie erhalten hatten, keinen positiven Einfluss der PADT auf die Mortalität feststellen konnten. Männer mit einer risikoreicheren Erkrankung können vielleicht einen kleinen klinischen Vorteil durch PADT erreichen. Die Studie liefere die derzeit bestmögliche Evidenz für das Fehlen von Überlebensvorteilen durch PADT für die meisten Männer mit einem klinisch lokalisierten Prostatakarzinom. (bs)

Autoren: Potosky AL, Haque R, Cassidy-Bushrow AE, Ulcickas Yood M, Jiang M, Tsai HT, Luta G, Keating NL, Smith MR, Van Den Eeden SK. Korrespondenz: Arnold L. Potosky, PhD, Georgetown University Medical Center, Harris Building, Suite 4100, 3300 Whitehaven St, NW, Washington, DC 20007. E-Mail: alp49@georgetown.edu. Studie: Effectiveness of primary androgen-deprivation therapy for clinically localized prostate cancer. Quelle: J Clin Oncol. 2014 May 1;32(13):1324-30. doi: 10.1200/JCO.2013.52.5782. Web: http://jco.ascopubs.org/content/32/13/1324.abstract.

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