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Risiko für Nephrolithiasis und chronische Nierenerkrankungen nach bariatrischen Eingriffen erhöht

Rochester – mechentel news – Fettleibigkeit, ein Risikofaktor für Nierensteine und chronische Nierenerkrankung (chronic kidney disease, CKD), wird effektiv durch bariatrische Chirurgie behandelt. Jedoch ist unklar, ob diese Eingriffe das Risiko für Steine oder CKD beeinflussen. Um dies festzustellen, untersuchten die Autoren um John C. Lieske aus der Division of Nephrology and Hypertension an der Mayo Clinic in Rochester im Bundesstaat Minnesota, USA, 762 Einwohner des Olmsted County in Minnesota, die sich einem bariatrischen Eingriff unterzogen und verglichen diese mit gleich adipösen Kontrollindividuen, die nicht operiert wurden. Die Mehrzahl der bariatrischen Patienten erhielten einen Standard-Magenbypass nach Roux-en-Y (RYGB; 78%), während bei den Übrigen mehr malabsorptive (RYGB mit sehr langem Schenkel oder biliopankreatische Diversion/Duodenalswitch; 14%) oder restriktive Verfahren (laparoskopisches Banding oder Sleeve-Gastrektomie; 7%) durchgeführt wurden. Das Durchschnittsalter lag bei 45 Jahren mit einem Frauenanteil von 80%. Der durchschnittliche präoperative Body-Mass-Index (BMI) betrug 46,7 kg/m² in beiden Kohorten. Die Frequenz an Nierensteinen war zum Ausgangspunkt ähnlich bei den chirurgischen Patienten und der Kontrollgruppe. Während der sechsjährigen Nachbeobachtung erhöhte sich jedoch die Steinbildung bei den chirurgischen Patienten signifikant (11%) gegenüber der Kontrollgruppe (4,3%). Nach malabsorptivem und standardmässigem Eingriff war die Komorbiditäts-bereinigte Hazard Ratio für Steinereignisse signifikant auf 4,15 beziehungsweise 2,13 erhöht. Nach restriktiven Eingriffen fand sich keine signifikante Veränderung. Das Risiko für CKD stieg signifikant nach malabsorptiven Verfahren (bereinigte Hazard Ratio 1,96). Somit stellen die Autoren in der April-Ausgabe 2015 des Fachjournals Kidney International fest, dass die hinsichtlich eines Gewichtsverlustes effektiveren RYGB- und malabsorptiven Verfahren beide mit einem erhöhten Risiko für Nephrolithiasis verbunden sind, wobei malabsorptive Verfahren darüber hinaus auch das Risiko für chronische Nierenerkrankungen erhöhen. (bs)

Autoren: Lieske JC, Mehta RA, Milliner DS, Rule AD, Bergstralh EJ, Sarr MG. Studie: Kidney stones are common after bariatric surgery. Quelle: Kidney Int. 2015 Apr;87(4):839-45. doi: 10.1038/ki.2014.352. Web: http://www.nature.com/ki/journal/v87/n4/full/ki2014352a.html.

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