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Kein Evidenznachweis für langfristige Vorteile einer prophylaktischen Gabe von NSAIDs bei Katarakt-Operationen

CATARACT – Nashville – mechentel news – Die American Academy of Ophthalmology legt eine Auswertung vor zur derzeit verfügbaren Evidenz für die Effektivität prophylaktischer topischer nichtsteroidaler Entzündungshemmer (nonsteroidal anti-inflammatory drugs, NSAIDs) zur Vermeidung von Visusverlusten durch cystoides Makulaödem (CME) nach kataraktchirurgischen Eingriffen. Die Autoren um Stephen J. Kim aus der ophthalmologischen Abteilung der Vanderbilt University School of Medicine in Nashville, USA, führten Literaturrecherchen in den Datenbanken von PubMed und der Cochrane Library ohne Einschränkung hinsichtlich des Veröffentlichungsdatums durch, zuletzt am 21. Januar 2015. Die Suchen ergaben 149 Einzelarbeiten. Der Erstautor sichtete die Abstracts dieser Artikel und wählte 27 Studien als von möglicher klinischer Relevanz für das Volltextstudium aus. Von diesen 27 Artikeln wurden 12 als relevant erachtet, vollständig ausgewertet zu werden. Zwei weitere Studien wurden über die Referenzliste der ausgewählten Artikel identifiziert, ein weiterer Artikel bei einem nationalen Treffen. Der Methodiker des Gremiums wies den ausgewählten Studien jeweils einen Evidenzgrad zu. Die Therapie durch nichtsteroidale entzündungshemmende Medikation war effektive hinsichtlich einer durch Angiographie oder Optische Kohärenztomographie (OCT) nachgewiesenen Reduktion des CME und kann die die Wiederherstellung der Sehkraft nach dem Eingriff im direkten Vergleich mit Placebo oder topischen Kortikosteroid-Rezepturen beschleunigen. Allerdings beeinflusst die Anwendung von NSAIDs nicht langfristig (≥ 3 Monate) das visuelle Ergebnis. Zudem ergab sich keine Evidenz dafür, dass die Vorteile, die unter NSAID-Therapie beobachtet wurden, nicht auch in vergleichbarem Masse mit einer äquivalenten Dosis von Kortikosteroiden hätte erzielt werden können. Der berichtete Eindruck, dass es eine pharmakologische Synergie bei der Anwendung sowohl eines NSAID als auch eines Kortikosteroids gäbe, konnte durch die Literaturrecherche nicht bestätigt werden. Es existiert keine einheitliche Methode in der Literatur, über das CME zu berichten, was eine präzise Bewertung seiner Inzidenz und Reaktion auf anti-inflammatorische Therapien verhindert. In der elektronischen Vorabpublikation im Juni 2015 bei dem Fachjournal Ophthalmology wird somit festgehalten: Das cystoide Makulaödem nach Kataraktoperation bildet sich tendenziell spontan zurück. Es fehlt eine Evidenz Level I, die einen langfristigen Vorteil der NSAID-Therapie belegen würde, einen Visusverlust durch CME 3 Monate oder länger nach Katarakt-OP zu verhindern. Auch wenn die Gabe von NSAIDs vor dem Eingriff die Geschwindigkeit der Sehkraft-Erholung in den ersten Wochen nach der Katarakt-OP beschleunigen kann, ergibt sich keine Evidenz, das dieses Vorgehen die langfristigen visuellen Ergebnisse beeinflusst. Standardisierte Angaben zum CME, basierend auf OCT-Untersuchungen, könnten eine einheitlichere Quantifizierung seiner Inzidenz und verlässlichere Bewertungen der Therapieergebnisse ermöglichen. (bs)

Autoren: Kim SJ, Schoenberger SD, Thorne JE, Ehlers JP, Yeh S, Bakri SJ. Korrespondenz: Flora Lum, MD, American Academy of Ophthalmology, Quality of Care and Knowledge Base Development, P.O. Box 7424, San Francisco, CA 94120-7424. E-Mail: flum@aao.org. Studie: Topical Nonsteroidal Anti-inflammatory Drugs and Cataract Surgery: A Report by the American Academy of Ophthalmology. Quelle: Ophthalmology. 2015 Jun 26. pii: S0161-6420(15)00464-9. doi: 10.1016/j.ophtha.2015.05.014. [Epub ahead of print] Web: http://www.aaojournal.org/article/S0161-6420%2815%2900464-9/abstract.

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