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Erhöhtes Risiko für Hirn-/Herzinfarkt nach perioperativer Transfusion nur eines einzigen Ery-Konzentrats

San Francisco – mechentel news – Elizabeth L. Whitlock, Helen Kim und Andrew D. Auerbach aus dem Department of Anesthesia and Perioperative Care der University of California, San Francisco, USA, untersuchten, ob die perioperative Transfusion von nur einem Erythrozytenkonzentrat im Operationsraum oder am Tag nach der Operation mit einem messbaren Anstieg der Raten für perioperativen ischämischen Schlaganfall und Myokardinfarkt verbunden ist. Für die retrospektive Kohortenstudie wurden Daten aus 346 Krankenhäusern in den Vereinigten Statten ausgewertet, die vom 1. Januar 2009 bis zum 31. März 2012 an der „Premier Perspective database“ Datenerhebung teilnahmen. 1583819 Erwachsene, bei denen ein nicht-kardialer, nicht-intrakranieller, nicht-gefässchirurgischer Eingriff vorgenommen wurde und die anschliessend mindestens eine Nacht im Krankenhaus blieben und von Tag 2 bis Tag 7 keine Erythrozytentransfusion erhielten, wurden ausgewertet. Das kombinierte Zielkriterium aus Schlaganfall und Myokardinfarkt war definiert als ischaemischer Schlaganfall, Myokardinfarkt mit ST-Anhebung, ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern während der ursprünglichen Aufnahme oder als Primärdiagnose für die Wiederaufnahme innerhalb von 30 Tagen. Ventrikuläre Tachykardie/Kammerflimmern war als ein Ersatz für myokardialen Infarkt mit eingeschlossen worden. 41421 (2,6%) Patienten erhielten mindestens eine Packung Erythrozyten innerhalb 48 Stunden nach der Operation und 8044 (0,51%) Patienten erlitten das Kombinationszielkriterium Schlaganfall/Herzinfarkt. Patienten, die transfundiert wurden, waren älter, eher Frauen und wiesen mehr Komorbiditäten auf. Die hierarchisch-logistische Regressionsanalyse, bereinigt um Komorbiditäten und demografische Faktoren mit Zufallseinflüssen durch das Krankenhaus, zeigte, dass die Transfusion von nur einem einzigen Erythrozyten-Konzentrat verbunden ist mit einer Odds Ratio von 2,33 (95% Konfidenzintervall 1,90 – 2,86) für einen perioperativen Hirn-/Herzinfarkt. Die Odds Ratio für Hirn-/Herzinfarkt steigt dabei merklich mit der Transfusion von 4 oder mehr Blutkonserven. Subgruppen-Analysen, die die Kohorte auf einen von mehreren üblichen chirurgischen Eingriffen begrenzte, diejenigen ausschloss, die zwei oder mehr Transfusionseinheiten erhalten hatten oder diejenigen ausschloss, die die Transfusion am ersten postoperativen Tag erhalten hatten, zeigten im Wesentlichen ähnliche Ergebnisse, ebenso wie eine Propensity Score Matching Analyse der Daten. Zwei Methoden zur Modellierung nicht erhobener Störgrössen liessen vermuten, dass eine Odds Ratio von > 10 mit einem Ungleichgewicht von bis zu 47% zwischen den Patienten, die Transfusionen erhielten und denen, die keine erhielten, erforderlich wäre, um die vorliegenden Ergebnisse zu entkräften. Die Autoren kommen in der Juni-Ausgabe 2015 des British Medical Journal zu dem Schluss, dass die perioperative Transfusion eines Erythrozytenkonzentrates mit einer erhöhten Rate von perioperativen ischämischen Hirninfarkten und/oder Myokardinfarkten verbunden ist, sogar nach Bereinigung des weiten Spektrums an Faktoren im Datenpool und trotz ausgedehnter Sensitivitätsanalysen. (bs)

Autoren: Whitlock EL, Kim H, Auerbach AD. Korrespondenz: Department of Anesthesia and Perioperative Care, University of California, CA 94143-0648, USA. E-Mail: elizabeth.whitlock@ucsf.edu. Studie: Harms associated with single unit perioperative transfusion: retrospective population based analysis. Quelle: BMJ. 2015 Jun 12;350:h3037. doi: 10.1136/bmj.h3037. Web: http://www.bmj.com/content/350/bmj.h3037.long.

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