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Abnahme des intraokularen Drucks sowie Reduktion der Medikation als Folge der Phakoemulsifikation bei Glaukompatienten

SURGICAL GLAUCOMA – Seattle – mechentel news – In einem von der American Academy of Ophthalmology vorgelegten Review der publizierten Literatur untersuchten Philip P. Chen aus der ophthalmologischen Abteilung der University of Washington und Kollegen aus verschiedenen anderen ophthalmologischen Zentren der USA die Auswirkungen der Phakoemulsifikation auf den intraokularen Druck (Intraocular pressure, IOP). Die Forscher interessierten sich dabei für Patienten mit medizinisch behandelten primärem chronischem Offenwinkelglaukom (Primary open-angle glaucoma, POAG; inklusive Normaldruckglaukom), Pseudoexfoliativem Glaukom (PXG) oder primärem akutem Winkelblockglaukom (Primary angel-closure glaucoma, PACG), wobei keine vorausgehende oder zeitgleiche Glaukomoperation stattfand. Die Literaturrecherchen in den Datenbanken von PubMed und der Cochrane Library erbrachten, zuletzt im Dezember 2014, 541 einzelne Treffer. Die Mitglieder des Gremiums sichteten Titel und Abstracts dieser Arbeiten und wählten 86 für die weitere Nachprüfung aus. Insgesamt 32 dieser Studien erfüllten die Einschlusskriterien, für die ein Methodiker des Gremiums Evidenzstufen standardisierter Bewertung, die von der American Acadamy of Ophthalmology angenommen wurden, entwarf. Eine, 15 beziehungsweise 16 Studien wurden mit dem Evidenzlevel I, II beziehungsweise III beurteilt. Bei allen aufgeführten Daten (Erfolgskontrolle, IOP und Medikation) handelt es sich um gemittelte Durchschnittswerte. Die Studien berichteten über Patienten, die im Allgemeinen eine geringe Glaukom-Medikation (diagnoseabhängig 1,5-1,9 Arzneimittelgaben präoperativ) einsetzten. Im Fall von POAG zeigten neun Studien (insgesamt 461 Patienten; Erfolgskontrolle nach 17 Monaten), dass die Phakoemulsifikation den IOP um 13% sowie die Glaukom-Medikation um 12% reduzierte. In fünf Studien zu PXG (insgesamt 132 Patienten; Erfolgskontrolle nach 34 Monaten) erbrachte die Phakoemulsifikation eine Abnahme des IOP und der Glaukom-Medikation um 20% beziehungsweise 35%, und im Fall von chronischem PACG (insgesamt 495 Patienten; Erfolgskontrolle nach 16 Monaten) belegten zwölf Studien die Abnahme des IOP um 30% sowie der Glaukom-Medikation um 58% infolge der Phakoemulsifikation. Patienten mit akutem PACG (4 Studien; insgesamt 119 Patienten; Erfolgskontrolle nach 24 Monaten) wiesen eine 71%ige Senkung des vorherrschenden IOP auf und benötigten kaum langfristige Glaukom-Medikationen, wenn die Phakoemulsifikation kurz nach der Reduktion der IOP-Medikation erfolgte. Nach erfolgter Phakoemulsifikation wurde selten eine Trabekulektomie durchgeführt. Innerhalb des Nachsorgezeitraumes von sechs bis 24 Monaten erhielt kein einziger Patient mit kontrolliertem POAG, PXG oder PACG eine Trabekulektomie, wohingegen durchschnittlich 7% der Patienten mit unkontrolliertem chronischen PACG eine Trabekulektomie erhalten hatten. Phakoemulsifikationen resultieren üblicherweise in kleinen, moderaten aber merklichen Reduktionen des IOP und der Medikationen für die Patienten, die an POAG, PXG beziehungsweise PACG leiden und vor der Operation ein bis zwei Arzneimittelgaben erhielten. Trabekulektomie innerhalb von sechs bis 24 Monaten nach der Phakoemulsifikation erfolgte nur sehr selten bei diesen Patienten. Jedoch gibt es auch nur sehr wenige Studien über diese Auswirkungen auf Augen mit fortgeschrittener Erkrankung oder mangelhafter IOP-Kontrolle vor einer Operation, dies trifft im Besonderen auf POAG und PXG zu.(ut)

Autoren: Chen PP, Lin SC, Junk AK, Radhakrishnan S, Singh K, Chen TC. Korrespondenz: Flora Lum, MD, American Academy of Ophthalmology, Quality Care and Knowledge Base Development, P.O. Box 7424, San Francisco, CA 94120-7424. E-mail: flum@aao.org. Studie: The Effect of Phacoemulsification on Intraocular Pressure in Glaucoma Patients: A Report by the American Academy of Ophthalmology. Quelle: Ophthalmology. 2015 Jul;122(7):1294-307. doi: 10.1016/j.ophtha.2015.03.021. http://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(15)00288-2/abstract

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