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Gering,aber signifikant erhöhtes Risiko für Sturz und Fraktur unter prostataspezifischen Alpha-Rezeptorantagonisten

London (Kanada) – mechentel news – Haben Männer, die eine Behandlung mit einem prostataspezifischen Alpha-Rezeptorantagonisten beginnen, ein erhöhtes Sturz- und Frakturrisiko? Dieser Frage gingen Blayne Welk et al. aus der chirurgischen Klinik der Western University in London in der Provinz Ontario, Kanada, nach. Verwaltungsdatensätze der Provinz Ontario in Kanada, die patientenbezogene Daten enthielten, wurden genutzt, um eine Kohorte von 174084 Männern im Alter von 66 Jahren oder darüber zu generieren, die ihre erste ambulante Verschreibung eines der prostataspezifischen Alpha-Rezeptorantagonisten Tamsulosin, Alfuzosin oder Silodosin zwischen Juni 2003 und Dezember 2013 erhalten hatten (gefährdete Männer) sowie einer gleich grossen, entsprechenden Gruppe 1:1 (unter Verwendung eines Propensity-Score-Modells), die keine Alpha-Rezeptorantagonisten-Behandlung begannen. Der primäre Endpunkt war eine Vorstellung in der Krankenhaus-Notaufnahme oder eine stationäre Aufnahme wegen Sturz oder Fraktur in den ersten 90 Tagen nach Beginn der Therapie. Die Männer, die Alpha-1-Rezeptorantagonisten erhielten, hatten ein signifikant erhöhtes Risiko für Sturz (Odds Ratio 1,14; 95 % KI 1,07 – 1,21), absolute Risikoerhöhung 0,17 % (0,08 – 0,25 %) und eine Fraktur zu erleiden (Odds Ratio 1,16; 95 % KI 1,04 – 1,29), absolute Risikoerhöhung 0,06% (0,02 – 0,11 %) im Vergleich zur nicht behandelten Gruppe. Die Risikoerhöhung war in der Zeit vor der Anwendung des Alpha-Rezeptorantagonisten nicht beobachtet worden. Sekundäre Endpunkte wie Hypotonie und Kopfverletzung zeigten ebenfalls einen signifikanten Anstieg in der behandelten Gruppe (Odds Ratio 1,80; 1,59 – 2,03 beziehungsweise 1,15; 1,04 – 1,27). Die beiden Kohorten waren in 98 verschiedenen Kovariablen einschliesslich demographischer Faktoren, Komorbiditäten, Medikamenteneinnahme, Inanspruchnahme des Gesundheitswesens und vorheriger medizinischer Untersuchungen gleichartig. Es könnten potentielle nicht erhobene Störvariablen wie Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit, Bewegungseinschränkungen und situationsbedingte Risikofaktoren existieren. Die Daten, die benutzt wurden, um den primären Endpunkt zu identifizieren, hatten eine begrenzte Sensitivität, so dass die absoluten Risiken der Endpunkte wahrscheinlich unterschätzt wurden. Die Studie umfasste lediglich Männer im Alter von 66 Jahren und darüber und 84 % der behandelten Männer wurde Tamsulosin verschrieben. Daher könnten die Ergebnisse nicht auf jüngere Männer übertragbar sein und das statistische Potential könnte zu gering sein, um kleine Unterschiede zwischen den Medikamenten in den Endergebnissen widerzuspiegeln. Die Autoren fassen in der Oktober-Ausgabe 2015 des British Medical Journal zusammen: Die Anwendung prostataspezifischer Alpha-Rezeptorantagonisten ist mit einem gering, aber signifikant erhöhten Risiko für Sturz, Fraktur und Kopfverletzung verbunden, vermutlich durch die induzierte Hypotonie. (bs)

Autoren: Welk B, McArthur E, Fraser LA, Hayward J, Dixon S, Hwang YJ, Ordon M. Korrespondenz: Department of Surgery, Western University, London ON N6A 4V2, Ontario, Canada. E-Mail: bkwelk@gmail.com. Studie: The risk of fall and fracture with the initiation of a prostate-selective α antagonist: a population based cohort study. Quelle: BMJ. 2015 Oct 26;351:h5398. doi: 10.1136/bmj.h5398. Web: http://www.bmj.com/content/351/bmj.h5398.

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