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Hirnmetastasen bei Keimzelltumoren: Intensivierte Therapie scheint nur bei Auftreten im Rezidiv von Vorteil zu sein

New York – mechentel news – Bei Männern mit Hirnmetastasen durch Keimzelltumore untersuchten Darren R. Feldman et al. aus dem Memorial Sloan-Kettering Cancer Center und dem Weill Medical College of Cornell University in New York, USA, Charakteristika, Therapieergebnisse und Überleben. Insgesamt wurden retrospektiv mittels eines standardisierten Fragebogens Daten von 523 Männern mit Hirnmetastasen durch Keimzelltumore aus 46 Zentren in 13 Ländern gesammelt. Klinische Merkmale wurden in Beziehung gesetzt zum Gesamtüberleben als primärem Endpunkt. Hirnmetastasen fanden sich bei 228 Männern zum Zeitpunkt der Erstdiagnose (Gruppe A) und bei 295 Männern bei einem Rezidiv (Gruppe B). Das 3-Jahres-Gesamtüberleben in der Gruppe A war dem in der Gruppe B überlegen (48 % versus 27 %; p < 0,001). Multiple Hirnmetastasen und das Vorhandensein von Leber- oder Knochenmetastasen waren unabhängige, prognostisch ungünstige Faktoren in beiden Gruppen; weiterhin waren ein primär mediastinales Nichtseminom (Gruppe A) und Erhöhung des Alpha-Fetoproteins auf 100 ng/mL oder höher oder des humanen Choriogonadotropins auf 5000 U/L oder höher (Gruppe B) unabhängige, prognostisch ungünstige Faktoren. In Abhängigkeit von diesen Faktoren lag die 3-Jahres-Gesamtüberlebensrate zwischen 0 % und 70 % in Gruppe A und zwischen 6 % und 52 % in Gruppe B. In Gruppe A erhielten 99 % der Patienten Chemotherapie; eine multimodale Behandlung oder Hochdosis-Chemotherapie war in der multivariablen Analyse nicht statistisch nachweisbar mit verbessertem Überleben assoziiert. In der Gruppe B erhielten nur 54 % der Patienten Chemotherapie; multimodale Behandlung war hier gegenüber einer einzelnen Behandlungsmodalität mit einem verbesserten Überleben verbunden (Hazard Ratio 0,51; 95% KI 0,36 – 0,73; p < 0,001), ebenso die Hochdosis- im Vergleich zu konventionell dosierten Chemotherapie (Hazard Ratio 0,41; 95% KI 0,24 – 0,70; p = 0,001). Die Autoren publizierten ihre Ergebnisse elektronisch vorab im Oktober 2015 beim Journal of Clinical Oncology: Männer mit Hirnmetastasen durch Keimzelltumore haben eine schlechte Gesamtüberlebensrate, insbesondere wenn zusätzliche Risikofaktoren vorhanden sind. Bei Auftreten der Hirnmetastasen im Rahmen eines Rezidivs scheinen Hochdosis-Chemotherapie und multimodale Therapie die Überlebenschancen der Patienten zu verbessern. (bs)

Autoren: Feldman DR, Lorch A, Kramar A, Albany C, Einhorn LH, Giannatempo P, Necchi A, Flechon A, Boyle H, Chung P, Huddart RA, Bokemeyer C, Tryakin A, Sava T, Winquist EW, De Giorgi U, Aparicio J, Sweeney CJ, Cohn Cedermark G, Beyer J, Powles T. Korrespondenz: Jörg Beyer, MD, Department of Oncology, University Hospital Zurich, Raemistrasse 100, CH-8091 Zurich, Switzerland. E-Mail: joerg.beyer@usz.ch. Studie: Brain Metastases in Patients With Germ Cell Tumors: Prognostic Factors and Treatment Options-An Analysis From the Global Germ Cell Cancer Group. Quelle: J Clin Oncol. 2015 Oct 12. pii: JCO.2015.62.7000. [Epub ahead of print] Web: http://jco.ascopubs.org/content/early/2015/10/23/JCO.2015.62.7000.abstract.

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