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Lange Wochenarbeitszeiten erhöhen „dosis-abhängig“ das relative Risiko für Apoplex

London – mechentel news – Lange Arbeitszeiten könnten das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen, aber die vorliegenden prospektiven Evidenznachweise dieser Annahme sind rar, unpräzise und meistens auf koronare Herzkrankheit beschränkt. Die Autoren aus zahlreichen europäischen Ländern um M Kivimäki aus dem Department of Epidemiology and Public Health des University College London im Vereinigten Königreich versuchten lange Arbeitszeiten als einen Risikofaktor für Ereignisse durch koronare Herzkrankheit und Apoplex nachzuweisen. Durch ein systematisches Review bei PubMed und Embase von Beginn an bis zum 20. August 2014 wurden dazu publizierte Studien identifiziert. Durch das Individual-Participant-Data Meta-analysis in Working Populations (IPD-Work) Consortium und öffentliche Datenarchive erhielten die Autoren bislang unpublizierte Daten von 20 Kohorten-Studien. Zur Kombination der Effektabschätzungen aus den publizierten und unpublizierten Daten wurden kumulative Meta-Analysen der Zufallseffekte durchgeführt. Insgesamt wurden 25 Studien von 24 Kohorten in Europa, den USA und Australien eingeschlossen. Die Meta-Analyse für koronare Herzkrankheit umfasste Daten von 603.838 Männer und Frauen, die zum Ausgangszeitpunkt nicht unter koronarer Herzkrankheit litten; die Meta-Analyse bezüglich Apoplex wertete Daten von 528.908 Männern und Frauen aus, die zum Studienbeginn keinen apoplektischen Insult aufwiesen. Der Follow-up-Zeitraum hinsichtlich koronarer Herzerkrankung umfasste 5,1 Millionen Personenjahre (Mittelwert 8,5 Jahre), in denen 4.768 Ereignisse registriert wurden; bezüglich Apoplex waren es 3,8 Millionen Personenjahre (Mittelwert 7,2 Jahre), in denen 1.722 Ereignisse erfasst wurden. In kumulativen Meta-Analysen, bereinigt um Alter, Geschlecht und sozioökonomischen Status, waren lange Arbeitszeiten (≥ 55 h pro Woche) im Vergleich zu normalen Arbeitszeiten (35 – 40 h pro Woche) mit einem Anstieg des Risikos für ein Ereignis durch koronare Herzkrankheit (Relatives Risiko [RR] 1,13; 95 % KI 1,02 – 1,26; p = 0,02) beziehungsweise durch apoplektischen Insult (1,33; 1,11 – 1,61; p = 0,002) verbunden. Auch bei Analysen umgekehrter Kausalität, multivariablen Anpassungen für andere Risikofaktoren und bei Betrachtung unterschiedlicher Methoden der Feststellung eines Apoplex blieb die Erhöhung des Risikos für Schlaganfall unverändert bestehen (Spanne der geschätzten Werte des relativen Risikos: 1,30 – 1,42). Darüber hinaus fand sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung für Apoplex mit RR-Schätzungen von 1,10 (95 % KI 0,94 – 1,28; p = 0,24) für 41 – 48 Arbeitsstunden, 1,27 (1,03 – 1,56; p = 0,03) für 49 -54 Arbeitsstunden und 1,33 (1,11 – 1,61; p = 0,002) für 55 Arbeitsstunden oder mehr pro Woche verglichen mit standardmässigen Arbeitszeiten (ptrend < 0,0001). Die Autoren fassen die Ergebnisse ihrer Auswertungen in der Oktober-Ausgabe 2015 des Lancet wie folgt zusammen: Mitarbeiter, die lange arbeiten, haben ein höheres Risiko für einen Apoplex als jene, die die Standardzeiten arbeiten; die Beziehung ist hinsichtlich koronarer Herzerkrankung schwächer. Diese Befunde legen nach Ansicht der Autoren nahe, dem Umgang mit vaskulären Risikofaktoren bei Individuen, die lange Arbeitszeiten haben, mehr Aufmerksamkeit zu widmen. (bs)

Autoren: Kivimäki M, Jokela M, Nyberg ST, Singh-Manoux A, Fransson EI, Alfredsson L, Bjorner JB, Borritz M, Burr H, Casini A, Clays E, De Bacquer D, Dragano N, Erbel R, Geuskens GA, Hamer M, Hooftman WE, Houtman IL, Jöckel KH, Kittel F, Knutsson A, Koskenvuo M, Lunau T, Madsen IE, Nielsen ML, Nordin M, Oksanen T, Pejtersen JH, Pentti J, Rugulies R, Salo P, Shipley MJ, Siegrist J, Steptoe A, Suominen SB, Theorell T, Vahtera J, Westerholm PJ, Westerlund H, O‘Reilly D, Kumari M, Batty GD, Ferrie JE, Virtanen M; IPD-Work Consortium. Korrespondenz: Department of Epidemiology and Public Health, University College London, London, UK. E-Mail: m.kivimaki@ucl.ac.uk. Studie: Long working hours and risk of coronary heart disease and stroke: a systematic review and meta-analysis of published and unpublished data for 603,838 individuals. Quelle: Lancet. 2015 Oct 31;386(10005):1739-46. doi: 10.1016/S0140-6736(15)60295-1. Web: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2815%2960295-1/abstract.

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