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Gentherapie mit rAAV.sFLT-1 könnte eine Langzeittherapie bei feuchter AMD ermöglichen

MEDICAL RETINA Crawley – mechentel news – Die neovaskuläre oder feuchte, altersbedingte Makuladegeneration verursacht ein Nachlassen der zentralen Sehschärfe und stellt eines der bedeutsamen Gesundheitsprobleme bei älteren Menschen dar. Heutzutage wird sie durch wiederholte intraokulare Injektionen von Anti-VEGF-Proteinen behandelt. Gentherapie könnte eine langfristige Anti-VEGF-Therapie durch eine einzelne Behandlung ermöglichen. Die Autoren um Elizabeth P. Rakoczy aus dem Centre for Ophthalmology and Visual Science an der University of Western Australia in Crawley untersuchten die Sicherheit von rAAV.sFLT-1 in der Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration durch eine einzige subretinale Injektion. In die monozentrische, randomisierte und kontrollierte Phase-I-Studie wurden Patienten mit feuchter AMD aus dem australischen Lions Eye Institute und dem Sir Charles Gairdner Hospital in Nedlands im Bundesstaat Western Australia aufgenommen. Geeignete Patienten mussten ein Alter von 65 Jahren oder höher erreicht haben, eine altersbedingte Makuladegeneration zusätzlich zu einer aktiven subfovealen choroidalen Neovaskularisation zeigen und eine best-korrigierte Sehschärfe (BCVA) von 3/60 – 6/24 sowie von 6/60 oder besser im anderen Auge aufweisen. Die Patienten wurden im Verhältnis 3:1 randomisiert entweder der Gabe von 1 x 1010 Vektorgenomen (vg; low-dose rAAV.sFLT-1-Gruppe) oder von 1 x 1011 vg (high-dose rAAV.sFLT-1-Gruppe) sowie keiner Gentherapie (Kontrollgruppe) zugewiesen. Die Randomisierung erfolgte durch sequentielle Gruppenzuteilung. Alle Patienten und Untersucher waren nicht verblindet. Die Mitarbeiter, die die Auswertungen vornahmen, waren bei den Untersuchungen während der Studie gegenüber der Studiengruppe verblindet. Alle Patienten erhielten zu Studienbeginn und in der 4. Woche Ranibizumab und Notfall-Behandlungen während der Nachbeobachtungszeit auf Basis vordefinierter Kriterien einschliesslich BVCA, bestimmt nach der Einteilung der Early Treatment Diabetic Retinopathy Study (EDTRS), optischer Kohärenztomographie und Fluoreszenzangiographie. Der primäre Endpunkt war die okulare und systemische Sicherheit. Zwischen dem 16. Dezember 2011 und dem 5. April 2012 wurden 9 Patienten in die Studie aufgenommen, von denen acht randomisiert entweder eine Intervention (3 Patienten in der niedrig-dosierten rAAV.sFLT-1 Gruppe und 3 Patienten in der hoch-dosierten rAAV.sFLT-1 Gruppe) oder keine Behandlung erhielten (2 Patienten in der Kontrollgruppe). Die subretinale Injektion von rAAV.sFLT-1 war hoch reproduzierbar. Arzneimittelbedingte Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet; verfahrensbedingte Nebenwirkungen (subkonjunktivale oder subretinale Blutung und einige Zellfragmente im vorderen Glaskörper) waren im Allgemeinen leicht und bildeten sich spontan zurück. Es ergaben sich keine Anzeichen einer chorioretinalen Atrophie. Die klinischen Laborparameter blieben in der Regel unverändert. Vier (67 %) der sechs Patienten in den Behandlungsgruppen benötigten keine und die anderen beiden (33 %) jeweils nur eine Rescue-Injektion. Die Wissenschaftler halten in der elektronischen Vorabpublikation im September 2015 beim Journal Lancet fest, dass rAAV.sFLT-1 sicher und gut verträglich war. Diese Ergebnisse unterstützen nach Ansicht der Autoren die Annahme, dass die okuläre Gentherapie eine Langzeittherapie bei feuchter altersbedingter Makuladegeneration ermöglichen könnte. (bs)

Autoren: Rakoczy EP, Lai CM, Magno AL, Wikstrom ME, French MA, Pierce CM, Schwartz SD, Blumenkranz MS, Chalberg TW, Degli-Esposti MA, Constable IJ. Korrespondenz: Prof Elizabeth P Rakoczy, Lions Eye Institute, 2 Verdun St, Nedlands, 6009 WA, Australia. E-Mail: elizabeth.rakoczy@uwa.edu.au. Studie: Gene therapy with recombinant adeno-associated vectors for neovascular age-related macular degeneration: 1 year follow-up of a phase 1 randomised clinical trial. Quelle: Lancet. 2015 Sep 29. pii: S0140-6736(15)00345-1. doi: 10.1016/S0140-6736(15)00345-1. [Epub ahead of print] Web: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2815%2900345-1/abstract.

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