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Verschlusskappenfarben von Tropfenfläschchen bieten bei Glaukompatienten mit möglichen Farbsehstörungen keine sichere Patient-Arzt-Kommunikation

GLAUcOMa Baltimore- mechentel news – Dem Thema Patienten-Arzt-Kommunikation widmeten sich Pujan Dave et al. vom Wilmer Eye Institute der Johns Hopkins University in Baltimore im Bundesstaat Maryland, USA. Sie untersuchten die Genauigkeit dieser Kommunikation bei Individuen, die in ihrem Farbsehen durch eine Glaukomerkrankung beeinträchtigt sein könnten, hinsichtlich topischer ophthalmologischer Medikamente, die eine unterschiedliche Färbung des Flaschenverschlusses aufweisen. In diese klinische Querschnittsstudie wurden Patienten im Alter von ≥ 18 Jahren mit einem primären Offenwinkelglaukom, einem primären Winkelblock-, einem Pseudoexfoliations- oder einem Pigmentdispersionsglaukom aufgenommen, deren bilaterale Sehschärfe bei ≥ 20/400 lag und die gleichzeitig keine Bedingungen aufwiesen, die das Farbsehen beeinflussen konnten. Insgesamt lieferten 100 Patienten Farbbeschreibungen von 11 Verschlüssen bestimmter Medikamentenfläschchen. Diese Farbbeschreibungen wurden sodann 3 Ärzten vorgelegt. Die Ärzte ordneten den Farbbeschreibungen denjenigen Medikationen zu, von denen sie annahmen, dass der Beschreibende sie gemeint hätte. Das Hauptzielkriterium war die Häufigkeit der Übereinstimmung zwischen Patient und Arzt, indem alle drei Ärzte exakt mit dem Beschreiber einer bestimmten Medikation übereinstimmten. Mittels multivariater Regressionsanalysen wurde untersucht, ob diese Übereinstimmungsrate mit der Einschränkung des Gesichtsfeldes (visual field, VF) des besseren Auges, der Heterogenität unter den Beschreibern der Farbe oder der Einschränkung des Farbsehens, bestimmt mittels Hardy-Rand-Rittler(HRR)-Test und Lanthony D15 Color Confusion Index (D15 CCI), abnahm. Die Studienteilnehmer hatten ein mittleres Alter von 69 (± 11) Jahren mit einer durchschnittlichen Gesichtsfeldabweichung von -4,7 (± 6,0) und -10,9 (± 8,4) Dezibel (dB) im besser beziehungsweise im schlechter sehenden Auge. Die Patienten erstellten 102 individuelle Farbbeschreibungen, um die Farben der 11 Flaschenverschlüsse zu beschreiben. Mit den einzelnen Patienten ergab sich eine durchschnittliche Zahl von Medikationen, bei denen Übereinstimmung vorlag, von 6,1/11 (55,5 %). Die Übereinstimmung lag bei 4 Medikationen (Prednisolonacetat [generisch], Betaxolol HCl [Betoptic®; Alcon Laboratories Inc., Fort Worth, TX], Brinzolamid/Brimonidin [Simbrinza®; Alcon Laboratories Inc.] und Latanoprost [Xalatan®; Pfizer, Inc., New York, NY]) unter 15%. Niedrigere Werte im HRR-Test und höhere im D15 CCI (beides Anzeichen eines schlechteren Farbsehens) waren mit ausgeprägteren Schäden im Gesichtsfeld assoziiert (p < 0,001). Das Ausmass des Defizits im Farbsehen sowie die Heterogenität des Beschreibers der Farbe stellten sich in den multivariaten Modellen als signifikante Vorhersagefaktoren für die Übereinstimmung heraus (Odds-Ratio für Übereinstimmung = 0,90 pro 1 Punkt niedrigerem HRR-Score, p < 0,001; Odds-Ratio für Übereinstimmung = 0,30 bei Medikationen, welche eine hohe Heterogenität aufwiesen [≥ 11 Beschreiber], p = 0,007). Die Autoren stellen in der elektronischen Publikation bei der Fachzeitschrift Ophthalmology im August 2015 daher fest, dass das ärztliche Verständnis über die Medikation eines Patienten, lediglich gewonnen durch die Farbangabe der Verschlussfarbe des Fläschchens, häufig nicht korrekt ist, insbesondere bei Patienten mit Glaukom, die eine mangelnde Farbwahrnehmung aufweisen könnten. Fehler aufgrund einer Verständigung ausschliesslich anhand der Verschlussfarben der Medikationsflaschen könnten daher häufig auftreten und zu Verwirrung und Schaden führen. (bs)

Autoren: Dave P, Villarreal G Jr, Friedman DS, Kahook MY, Ramulu PY. Korrespondenz: Pradeep Y. Ramulu, MD, PhD, 600 N. Wolfe Street, Maumenee B110, Johns Hopkins Hospital, Baltimore, MD 21287, USA. E-Mail: pramulu1@jhmi.edu. Studie: Ability of Bottle Cap Color to Facilitate Accurate Patient-Physician Communication Regarding Medication Identity in Patients with Glaucoma. Quelle: Ophthalmology. 2015 Aug 7. pii: S0161-6420(15)00573-4. doi: 10.1016/j.ophtha.2015.06.013. Web: http://www.aaojournal.org/article/S0161-6420%2815%2900573-4/abstract.

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