Fachverlag und Nachrichtenagentur

Bedrohliche Gesichtszüge von Hunden und Menschen bewerten Hunde unterschiedlich

Helsinki – mechentel news – Für alle sozialen Lebewesen ist eine angemessene Reaktion auf emotionale Signale des Gegenübers wichtig. Die emotionalen Ausdrücke von Menschen und nicht-menschlichen Tieren weisen Analogien in ihrer Form und Funktion auf, was auf gemeinsame evolutionäre Wurzeln hindeutet, aber es ist sehr wenig darüber bekannt, wie andere Tiere als Primaten Gesichtsausdrücke sehen und verarbeiten. Bei Primaten rufen bedrohlich wirkende Gesichtsausdrücke aussergewöhnliche Sehmuster im Vergleich zu neutralen oder positiven Reizmustern hervor. Die Autoren Sanni Somppi et al. aus der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Helsinki, Finnland, untersuchten, ob auch Haushunde (Canis familiaris) eine solche Aufmerksamkeitstendenz gegenüber bedrohlichen sozialen Reizen zeigen und ob die betrachteten emotionalen Gesichtsausdrücke die Verteilung der Blickfixationen auf die einzelnen Gesichtspartien (Augen, Mittelgesicht, Mund) beeinflussen. Sie zeichneten dazu die spontanen Augenbewegungen von 31 Haushunden während der Betrachtung von Fotographien menschlicher und artgleicher Gesichtszüge mit drei verschiedenen emotionalen Ausdrücken (bedrohlich, freundlich und neutral) auf. Dabei fand sich, dass die Blickfixationen der Hunde systematisch über alle Gesichtsbereiche verteilt waren. Das Verteilungsmuster der Fixationen wurde durch die dargestellte Emotion beeinflusst, aber die Augen waren das wahrscheinlichste Ziel der ersten Fixationen und zogen unabhängig von der gezeigten Emotion längere Blicke als die Mundregion auf sich. Die Untersuchung der inneren Gesichtsmerkmale insgesamt offenbarte ausgeprägtere Unterschiede der Blickabtastung zwischen den unterschiedlichen Emotionen. Dies lässt darauf schliessen, dass die Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken bei Hunden nicht auf dem Betrachten einzelner Strukturen basiert, sondern auf der Interpretation des Gesamtbildes aus Augen, Mittelgesicht und Mund beruht. Die Hunde schätzten die soziale Bedrohung sehr schnell ein und diese Bewertung führte zu einer Aufmerksamkeitstendenz, die von der dargestellten Spezies abhängig war: bedrohliche Gesichter der Artgenossen lösten eine erhöhte Aufmerksamkeit aus, wohingegen bedrohliche menschliche Gesichter eine Vermeidungsreaktion hervorriefen. Als Interpretation ihrer Ergebnisse schlagen die Autoren in ihrer Publikation im Januar 2016 beim Online-Journal PLOS ONE vor, dass bedrohliche Signale von unterschiedlicher biologischer Aussagekraft über unterschiedliche neurokognitive Wege verarbeitet werden. Beide dieser Wege könnten eine anpassungsfähige Bedeutung für Haushunde haben. Die Ergebnisse lieferten, so die Autoren, eine neue Perspektive für das Verständnis der Verarbeitung emotionaler Ausdrücke und der Sensibilität gegenüber sozialer Bedrohung bei Nicht-Primaten.(bs)

Autoren: Somppi S, Törnqvist H, Kujala MV, Hänninen L, Krause CM, Vainio O. Korrespondenz: Department of Equine and Small Animal Medicine, Faculty of Veterinary Medicine, University of Helsinki, Helsinki, Finland. E-Mail: sanni.somppi@helsinki.fi. Studie: Dogs Evaluate Threatening Facial Expressions by Their Biological Validity – Evidence from Gazing Patterns. Quelle: PLoS One. 2016 Jan 13;11(1):e0143047. doi: 10.1371/journal.pone.0143047. eCollection 2016. Web: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0143047.

© 2019 -  mechentel medizin
Fachverlag und Nachrichtenagentur