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Nach Roboter-assistierter radikaler Prostatektomie Ultraschallscreening auf Lymphozele nach 3 Monaten sinnvoll

Istanbul – mechentel news – Die Studie der Autoren Mehmet S. Keskin et al. aus der Urologischen Abteilung der Acibadem University in Istanbul, Türkei, diente dazu, in einem heutigen Kollektiv von Patienten mit Prostatakarzinom die Inzidenz der Bildung einer Lymphozele und ihrer Folgekomplikationen nach Roboter-assistierter radikaler Prostatektomie (RARP) und erweiterter Lymphknotendissektion (eLND) zu bestimmen. Aufgenommen wurden konsekutive Patienten, die eine RARP und eLND erhielten und eine Nachbeobachtungszeit von mindestens drei Monaten bestand. Sämtliche Operationen wurden durch einen Chirurgen über einen transperitonealen Zugang durchgeführt; die Patienten erhielten einheitlich niedermolekulares Heparin. Die Patienten wurden zur Überwachung hinsichtlich einer Lymphozelenbildung regelmässig nach einem vorab festgelegten Zeitplan per Ultraschall (US) nachuntersucht. Inzidenz und Folgeerscheinungen von Lymphozelen wurden retrospektiv ausgewertet. Insgesamt wurden 521 Patienten untersucht. Die mittlere Nachbeobachtungsperiode betrug 33,5 (Standardabweichung 22,8) Monate. Eine Lymphozele entwickelte sich in 9 % der Fälle und wurde in 2,5 % symptomatisch. Mit Ausnahme einer einzigen wurde alle während der US-Untersuchung einen Monat postoperativ entdeckt; allerdings bildeten sich 76 % bis zum US nach 3 Monaten zurück. Wenn die Lymphozele nach 3 Monaten weiterhin bestand, entwickelten davon 64 % Symptome, die mit einer Infektion in Zusammenhang standen und eine Drainage erforderten. Eine bestehende Diabetes-Erkrankung war mit einem signifikant höheren Risiko für die Entwicklung einer infizierten Lymphozele verbunden. Andere Symptome aufgrund einer Lymphozele waren selten. Vergleiche der Patienten-Charakteristika zwischen Patienten mit und ohne Lymphozelen ergaben keine signifikanten prognostischen Hinweise, um das Auftreten einer Lymphozele vorhersagen zu können, weder in der univariaten noch in der multivariaten Analyse der derzeitigen Patientenkohorte. Die Autoren kommen in der Juli-Ausgabe 2016 des British Journal of Urology International zu dem Ergebnis, dass die Inzidenz einer symptomatischen Lymphozele nach transperitonealer RARP und eLND gering ist. Dennoch erscheint in der Nachbeobachtung eine Ultraschalluntersuchung 3 Monate postoperativ ratsam. Im Fall eines Nachweises einer Lymphozele im Ultraschall bei der Nachuntersuchung 3 Monate postoperativ, erscheint es sinnvoll, die Anlage einer perkutanen externen Drainage mit dem Patienten zu diskutieren, da dieses der Entwicklung einer symptomatischen Lymphozele bei zwei Dritteln solcher Patienten vorbeugen kann. (bs)

Autoren: Keskin MS, Argun ÖB, Öbek C, Tufek I, Tuna MB, Mourmouris P, Erdoğan S, Rıza Kural A. Korrespondenz: Mehmet Selcuk Keskin, Department of Urology, Acibadem University School of Medicine, Istanbul, Turkey. E-Mail: mselcukkeskin@yahoo.com. Studie: The incidence and sequela of lymphocele formation after robot-assisted extended pelvic lymph node dissection. Quelle: BJU Int. 2016 Jul;118(1):127-31. doi: 10.1111/bju.13425. Web: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bju.13425/abstract.

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