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Hornhautsensibilität bei Trockenem Auge – eine longitudinale Pilotstudie

CORNEA – Wien/Zürich – mechentel news – Beim Trockenen Auge handelt es sich um eine hochprävalente, multifaktorielle Erkrankung, deren genaue Pathogenese noch nicht gänzlich erforscht ist. Die Hornhautsensibilität hat einen essentiellen Stellenwert in der Krankheitsentstehung, da sie afferent die Tränensekretion induziert. Ziel der von Johannes Nepp von der ophthalmologischen Abteilung der medizinischen Universität in Wien, Österreich, und von Magdalena Wirth von der ophthalmologischen Abteilung der Augenklinik Stadtspital Triemli in Zürich, Schweiz, vorgelegten prospektiven Studie, war es, die Hornhautsensibilität im Verlauf zu beobachten und einen Zusammenhang zwischen den Werten der Hornhautsensibilität, dem Schweregrad und der Ätiologie des Sicca-Syndroms herzustellen. 46 Patienten mit Sicca-Syndrom wurden viermal innerhalb von drei Monaten untersucht. Mit dem Ästhesiometer nach Cochet-Bonnet wurde die Hornhautsensibilität gemessen. Die Tränenproduktion wurde mit dem Schirmer-Test quantifiziert, der Zustand des Tränenfilms wurde mittels Lipidfilmdicke, Tränenfilmaufrisszeit (Break-up-time) sowie Fluorescein- und Lissamingrünfärbungen beschrieben. Die Patienten wurden in ätiologische Subgruppen (hormonell, immunologisch, toxisch, neural, umweltbedingt) unterteilt. Der Mann-Whitney und der Kruskal-Wallis Test wurden zur statistischen Analyse herangezogen. Die Verlaufskurven der Hornhautsensibilität zeigten eine ausgeprägte Variabilität der Untersuchungsgrößen. Zwischen Hornhautsensibilität und Sicca-Score wurde eine negative Korrelation beobachtet (r = -0,454; P = 0,007). Wohingegen der Schirmer-Test positiv mit der Hornhautsensibilität korrelierte (r = 0,363; P = 0,013). Bei Patienten mit umweltbedingten Ursachen zeigte sich die höchste Hornhautsensibilität (5,5). Es bestand weder ein signifikanter Unterschied zwischen der Hornhautsensibilität in der nerval-bedingten ätiologischen Gruppe und der nicht-nervalen Gruppe (P = 0,858), noch in den Subgruppen (P = 0,118). Während des dreimonatigen Untersuchungszeitraumes konnte bei allen Patienten eine Zunahme der Hornhautsensibilität (4,8-5,1) festgestellt werden. Der Ausprägungsgrad des Sicca-Syndroms war negativ mit der Hornhautsensibilität verbunden, was auf eine Reduktion der neuralen Funktion bei besonders schweren Formen vom Trockenen Auge hindeutet. Die Ergebnisse der im Oktober 2015 in der Fachzeitschrift Cornea erschienen Studie zeigten eine verminderte Hornhautsensibilität bei besonders schweren Formen des Trockenen Auges obwohl es eine starke Variabilität der Hornhautsensibilität bei Sicca-Patienten gibt. Dadurch kann die Hypothese variierender Kompensationsstadien im Verlauf der Erkrankung unterstützt und eine Verbindung zwischen der Hornhautsensibilität und den verschiedenen Ursachen der Erkrankung hergestellt werden.

Autoren: Nepp J, Wirth M. Korrespondenz: Johannes Nepp, MD, Department of Ophthalmology, Medical University Vienna, Vienna, Austria. Magdalena Wirth, Department of Ophthalmology, Augenklinik Stadtspital Triemli, Zürich, Switzerland. Studie: Fluctuations of Corneal Sensitivity in Dry Eye Syndromes–A Longitudinal Pilot Study. Quelle: Cornea. 2015 Oct; 34(10):1221-6. doi: 10.1097/ICO.0000000000000566. Web: http://journals.lww.com/corneajrnl/pages/articleviewer.aspx?year=2015&issue=10000&article=00007&type=abstract.

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