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Externe Vibrationstherapie als Ergänzung der retrograden intrarenalen Steinentfernung

UPPER URINARY TRACT Guangzhou – mechentel news – Im Minimally Invasive Surgery Center des First Affiliated Hospital der Guangzhou Medical University in China untersuchten Wenqi Wu und Kollegen auch aus anderen chinesischen Zentren die Wirksamkeit und Sicherheit der externen Vibrationstherapie Lithecbole zur Therapie von Steinresiduen nach retrogradem intrarenalen Eingriff. Insgesamt wurden 173 Patienten (128 Männer und 45 Frauen) für die Studie ausgewählt. Alle Patienten hatten Restfragmente nach retrogradem intrarenalen chirurgischen Eingriff wegen Nieren- oder oberen Uretersteinen. Sie wurden prospektiv randomisiert in 2 Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt eine Woche nach der retrograden intrarenalen Operation externe Vibrationstherapie Lithecbole und die andere als Kontrollgruppe nur die retrograde intrarenale chirurgische Therapie. Steingrösse und -position, der Anteil steinfreier Patienten und Komplikationen wurden verglichen. Von den 173 Patienten waren 87 (66 Männer und 21 Frauen) in der Therapie- und 86 (62 Männer und 24 Frauen) in der Kontrollgruppe. Der Anteile steinfreier Patienten betrugen in der Therapie- und der Kontrollgruppe zwei Wochen nach dem retrograden intrarenalen Eingriff 52,9 % beziehungsweise 31,4 %,
nach 3 Wochen waren es 71,3 % beziehungsweise 51,2 % und nach 5 Wochen 89,7 % beziehungsweise 59,3 % (alle p < 0,05). Die Inzidenz von Hämaturie 5 Wochen nach dem retrograden intrarenalen Eingriff betrug 3,4 % in der Therapiegruppe gegenüber 20,9 %
in der Kontrollgruppe (p < 0,05). Die Inzidenz eines positiven Leukozytenbefundes im Urin lag bei 4,6 % in der Therapiegruppe gegenüber 19,3 % in der Kontrollgruppe 3 Wochen nach dem retrograden intrarenalen Eingriff und bei 3,4 % gegenüber 11,6 % fünf Wochen danach (p < 0,05). Die Autoren kommen in der Mai-Ausgabe 2017 des Journal of Urology zu dem Schluss, dass die externe physikalische Vibration Lithecbole als Ergänzung des retrograden intrarenalen Eingriffs hinsichtlich der Geschwindigkeit der Konkremententfernung, des Anteils steinfreier Patienten und der Patientencompliance effektiver ist als die retrograde intrarenale Chirurgie allein. (bs)

Autoren: Wu W, Yang Z, Xu C, Gu X, Yang S, Liao S, Wang R, Gao W, Ye Z, Zeng G. Korrespondenz: Department of Urology, Minimally Invasive Surgery Center, First Affiliated Hospital of Guangzhou Medical University and Guangdong Key Laboratory of Urology, Guangzhou, 510230, China. E-Mail: gzgyzgh@vip.tom.com Studie: External Physical Vibration Lithecbole Promotes the Clearance of Upper Urinary Stones after Retrograde Intrarenal Surgery: A Prospective, Multicenter, Randomized Controlled Trial. Quelle: J Urol. 2017 May;197(5):1289-1295. doi: 10.1016/j.juro.2017.01.001. Web: http://www.jurology.com/article/S0022-5347(17)30001-0/abstract

Kommentar Erneut eine Studie aus China zur extrakorporalen Vibrationstherapie. Vor 1 Jahr wurde bereits die externe Vibrationstherapie nach ESWL durch „Lithecbole“ beschrieben (1). Die vorliegende Studie aus Guangzhou beschreibt nun die Vibrationstherapie nach Ureterorenoskopie mit Restkonkrementen in der Niere. Der Therapiearm wurde nach URS mit der Vibrationstherapie zusätzlich behandelt, die Kontrollgruppe erhielt nur die URS ohne Vibrationstherapie. Beide Gruppen hatten vergleichbare Restkonkremente. Der Oszillator von „Lithecbole“ sieht dabei aus wie der Scanner an der Kasse des Supermarkts und wird auf die Flanke des Patienten aufgelegt. Durch die externe Vibration soll dann die Steinpassage in den Ureter verbessert werden. Die Probanden mussten dafür bis zu 2l Flüssigkeit vor der Therapie einnehmen und wurden dann bis 20 Minuten lang 1 Woche nach Ureterorenoskopie therapiert. Die Pigtailschiene wurde nach 2 Wochen bei beiden Gruppen entfernt. Nachfolgend wurden die Probanden beider Gruppen angehalten, mindestens 2l Flüssigkeit einzunehmen und sich viel zu bewegen. Es wurde keine zusätzliche medikamentöse Therapie zur Steinpassage gegeben. Die Bildgebung bestand aus Röntgen oder Computertomographie oder Ultraschall. Allerdings wurde die Computertomographie nicht bei allen Probanden durchgeführt. Koliken sollen nicht vermehrt vorgefallen sein. Interessant und innovativ ist die Studie bestimmt, auch wenn das Prinzip nicht ganz neu ist (2).

1. Long, Q., et al., A Prospective Randomized Controlled Trial of the Efficacy of External Physical Vibration Lithecbole after Extracorporeal Shock Wave Lithotripsy for a Lower Pole Renal Stone Less Than 2 cm. J Urol, 2016. 195(4 Pt 1): p. 965-70. 2. Pace, K.T., et al., Mechanical percussion, inversion and diuresis for residual lower pole fragments after shock wave lithotripsy: a prospective, single blind, randomized controlled trial. J Urol, 2001. 166(6): p. 2065-71.

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