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Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: unter intermittierender ADT weniger Herzversagen und Frakturen

PROSTATE Washington – mechentel news – Randomisierte Versuche offenbarten, dass die intermittierende Androgendeprivationstherapie (ADT) bei an fortgeschrittenem Prostatakarzinom-erkrankten Patienten die sexuelle und physische Funktionstüchtigkeit im Vergleich zur kontinuierlichen ADT verbessert, ohne dabei das Überleben zu beeinträchtigen. Laut der Forscher um Huei-Ting Tsai vom Lombardi Comprehensive Cancer Center des Department of Oncology am Georgetown University Medical Center der Georgetown University in Washington D.C., USA, ist nicht bekannt, ob die intermittierende ADT auf die Risiken schwerwiegender Vergiftungen infolge der kontinuierlichen ADT Einfluss nimmt. An der populationsbasierten Kohortenstudie nahmen 9772 Männer im Alter von 66 Jahren oder älter teil, bei denen ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom im Zeitraum von 2002 bis 2011 diagnostiziert und mittels einer ADT behandelt wurde. Endpunkte der Studie waren akuter Myokarinfarkt, Schlaganfall, Herzversagen, Typ-II-Diabetes und Frakturen. Die Risikoquotienten (hazard ratio, HR) der vergleichenden Risikobewertung in Bezug auf schwerwiegende Vergiftungen zwischen der intermittierenden und der kontinuierlichen ADT wurden mit Hilfe von Cox proportionalen Risikomodellen bewertet. Im Verlauf der Studie erlitten 2113 (22 %), 769 (8 %) beziehungsweise 899 Männer (9 %) innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der ADT entweder ein neues kardiovaskuläres Ereignis, Diabetes oder eine Fraktur. Im Vergleich zur kontinuierlichen ADT-Gruppe, traten bei Patienten der intermittierenden ADT-Gruppe weniger schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse auf (HR: 0,64; 95 % Konfidenzintervall [CI]: 0,53- 0,77), vor allem waren die Risiken für Herzversagen (HR: 0,62; 95 % CI: 0,49-0,78) und Frakturen (HR: 0,52; 95 % CI: 0,38-0,70) verringert (jeweils p < 0,0001). Die Autoren der im Mai 2017 in der Fachzeitschrift The Journal of Urology veröffentlichten Studie schlussfolgern, dass die intermittierende ADT mit einem geringeren Risiko für Herzversagen und Frakturen verglichen mit der kontinuierlichen ADT in Verbindung stand. Dies wirft Bedenken in Bezug auf die Toxizität der kontinuierlichen versus der intermittierenden Therapie auf und lässt vermuten, dass die intermittierende ADT das sicherere therapeutische Verfahren bei älteren Männern mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen ist. (ut)

Autoren: Tsai HT, Pfeiffer RM, Philips GK, Barac A, Fu AZ, Penson DF, Zhou Y, Potosky AL. Korrespondenz: Huei-Ting Tsai, Cancer Prevention and Control Program, Lombardi Comprehensive Cancer Center, Department of Oncology, Georgetown University Medical Center, 3300 Whitehaven St. Northwest, Suite 4100, Milton Harris Building, Washington, D.C. 20007. Electronic address: hueiting.tsai@georgetown.edu. Studie: Risks of Serious Toxicities from Intermittent versus Continuous Androgen Deprivation Therapy for Advanced Prostate Cancer: A Population Based Study. Quelle: J Urol. 2017 May; 197(5):1251-1257. doi: 10.1016/j.juro.2016.12.022. Epub 2016 Dec 16. Web: http://www.jurology.com/article/S0022-5347(16)31954-1/abstract

KOMMENTAR Intermittierende oder kontinuierliche Androgendeprivationstherapie (ADT)? Ist das kardiovaskuläre Risiko unter kontinuierlicher ADT generell erhöht: ja oder nein? Die Studienlage zum kardiovaskulären Risiko bei Männern unter ADT ist uneinheitlich. Aber falls nun tatsächlich ein kardiovaskuläres Risiko besteht, scheint dieses nur leicht erhöht zu sein (1) und rund 6 Monate nach Beginn des Androgenentzuges vorzuliegen (2). Hershman und Kollegen haben die intermittierende mit der kontinuierlichen ADT verglichen und ein erhöhtes thrombembolisches Risiko bei der intermittierenden ADT (!) gefunden (3)! Die Rate an Diabetes mellitus und die Frakturhäufigkeit waren jedoch nicht signifikant unterschiedlich. Die vorliegende Studie findet indessen nun ein tieferes Frakturrisiko bei der intermittierenden ADT, ebenso auch ein tieferes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Die intermittierende ADT ist bei Patienten ohne Metastasen als „non-inferior“ angesehen, im Falle von Metastasen ist die Studienlage noch unklarer (4).
1. Bosco C, Bosnyak Z, Malmberg A, Adolfsson J, Keating NL, Van Hemelrijck M. 2015. Quantifying observational evidence for risk of fatal and nonfatal cardiovascular disease following androgen deprivation therapy for prostate cancer: a meta-analysis. Eur Urol 68:386-396. 2. O‘Farrell S, Garmo H, Holmberg L, Adolfsson J, Stattin P, Van Hemelrijck M. 2015. Risk and timing of cardiovascular disease after androgen-deprivation therapy in men with prostate cancer. J Clin Oncol 33:1243-1251. 3. Hershman, D.L. and J.M. Unger, Adverse Health Effects of Intermittent vs Continuous Androgen Deprivation Therapy for Metastatic Prostate Cancer-Reply. JAMA Oncol, 2016. 2(5): p. 686-7. 4. Crook, J.M., et al., Intermittent androgen suppression for rising PSA level after radiotherapy. N Engl J Med, 2012. 367(10): p. 895-903

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