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Niedriger Testosteronspiegel bei Frauen ist mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Stressinkontinenz assoziiert

LOWER URINARY TRACT Boston/Los Angeles – mechentel news – Die Integrität des Beckenbodens ist ein wichtiger Einflussfaktor bezüglich einer Stressinkontinenz. In der Beckenbodenmuskulatur und -faszie wurden Androgenrezeptoren nachgewiesen und die Verabreichung von Testosteron führte in einem Nager-Modell zur Hypertrophie des Musculus levator ani und besserte die Stressinkontinenz. Michelle M. Kim und Evgeniy I. Kreydin aus dem Department of Urology am Massachusetts General Hospital in Boston, Massachusetts, USA, untersuchten die Beziehung zwischen dem Gesamt-Testosteronspiegel im Serum und der von Frauen selbst berichteten Harninkontinenz. Eingeschlossen wurden Frauen aus dem NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) im Jahr 2012, die älter als 20 Jahre waren, bei denen eine Bestimmung des Gesamt-Testosterons im Serum durchgeführt worden war und die Fragen zur Harninkontinenz selbst beantwortet hatten. Ein gewichtetes, multivariates logistisches Regressionsmodell wurde verwendet, um den Zusammenhang zwischen Inkontinenz und Serum-Testosteronspiegel nach Bereinigung um Alter, Body-Mass-Index, Diabetes, ethnischer Herkunft, Parität, Menopause und Zeitpunkt der Blutabnahme zu bestimmen. Insgesamt wurden 2.321 Frauen in die Analyse eingeschlossen, von denen 37,5 % eine Stressinkontinenz, 29,8 % eine Dranginkontinenz und 16,4 % eine gemischte Inkontinenz aufwiesen. Frauen im untersten Quartil des Serum-Testosteronwertes klagten häufiger über Stress- und gemischte Inkontinenz (Odd Ratio 1,45; 95 % Konfidenzintervall: 1,03 – 2,12 beziehungsweise OR 1,68; 95 % KI: 1,23 – 2,22). Es wurde keine Assoziation zwischen Serum-Testosteronspiegeln und Dranginkontinenz festgestellt. Die Autoren kommen in der elektronischen Vorabpublikation im August 2017 beim Journal of Urology zu dem Fazit, dass ein niedriges Serum-Testosteron bei Frauen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Stress- und gemischter Inkontinenz verbunden ist. In Anbetracht der Rolle der Beckenbodenmuskulatur bei der Aufrechterhaltung der urethralen Unterstützung und der anabolen Wirkung von Androgenen auf die Skelettmuskulatur könne ein physiologischer Mechanismus für diese Assoziation angenommen und in prospektiven und translationalen Studien weiter untersucht werden. (bs)

Autoren: Kim MM, Kreydin EI. Korrespondenz: Urology, NTT 7416, Health Sciences Campus, Keck School of Medicine of University of Southern California, Los Angeles, California 90033, USA. E-Mail: kreydin@usc.edu Studie: The Association of Serum Testosterone Levels and Urinary Incontinence in Women. Quelle: J Urol. 2017 Aug 26. pii: S0022-5347(17)77393-4. doi: 10.1016/j.juro.2017.08.093. [Epub ahead of print] Web: http://www.jurology.com/article/S0022-5347(17)77393-4/abstract

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