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Eher niedriger Wissensstand über die verschiedenen Therapieoptionen bei Patienten mit Prostata-Ca

 

PROSTATE Utrecht – mechentel news – Die Therapiemöglichkeiten beim lokalisierten Prostatakrebs entwickeln sich ständig weiter. In der Flut der angebotenen Leistungen fühlt sich der Patient häufig in seiner Entscheidungsfindung überfordert. In dieser Studie von Marie-Anne van Stam et al. aus dem Department of Urology am University Medical Center Utrecht, Niederlande, wurden die häufigsten Therapieansätze (Radikale Prostatektomie, Radiotherapie und Active Surveillance) hinsichtlich ihrer Wahrnehmung unter den Patienten miteinander verglichen. In dieser prospektiven Multicenterstudie wurden die 426 Patienten vor der Intervention mittels Fragebögen zu ihrer jeweiligen Ansicht und ihren Wissensständen über die Risiken der geplanten Therapien befragt. Anschliessend wurden diese Daten abgeglichen mit den aktuellen Daten aus der Literatur. Es zeigte sich, dass die Patienten in 68% der Fälle nicht verstanden haben, dass das Risiko eines Krebsrezidives zwischen radikaler Prostatektomie und Radiotherapie vergleichbar sind. Ebenso waren sich 65% der Patienten nicht bewusst, dass bei der radikalen Prostatekomie die Gefahr der postoperativen Urininkontinenz höher ist. Bezüglich der erektilen Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie war das Wissen ebenfalls niedrig (61%). Dass die Radiotherapie höhere Raten an gastrointestinalen Nebenwirkungen hervorruft, war 53% der Patienten nicht bewusst. Bei der Active Surveillance war etwa die Hälfte der Patienten (45%) unwissend darüber, dass das Risiko einer definitiven Therapie im Gefolge des Follow-Up gering ist. Wie die Autoren in der elektronischen Vorabpublikation im September 2017 beim BJU International darstellen, waren sich die Patienten am wenigsten bewusst, dass die Mortalitätsraten zwischen radikaler Prostatektomie, Radiotherapie und Active Surveillance ähnlich sind (80%).

Autoren: van Stam MA, van der Poel HG, van der Voort van Zyp JRN, Tillier CN, Horenblas S, Aaronson NK, Ruud Bosch JLH. Korrespondenz: Professor J.L.H.R. Bosch, MD, PhD, Department: Urology, University Medical Centre Utrecht, Heidelberglaan 100, 3508 GA Utrecht, The Netherlands. E-Mail: J.L.H.R.Bosch@umcutrecht.nl Studie: The accuracy of patients‘ perceptions of the risks associated with localised prostate cancer treatments. Quelle: BJU Int. 2017 Sep 28. doi: 10.1111/bju.14034. [Epub ahead of print] Web: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bju.14034/abstract

Kommentar

Obwohl Patienten täglich einer Therapie des Prostatakrebses zugeführt werden, ist es erstaunlich, wie selten Patienten über die Zusammenhänge Bescheid wissen. Daraus können viele Missverständnisse zwischen dem Patienten und den behandelnden Ärzten entstehen. Häufige Nebenwirkungen der jeweiligen Therapien können somit als Behandlungsfehler erachtet werden und stellt die Ärzteschaft in Erklärungsnot. Die Entscheidungsfindung der Patienten bezüglich der jeweiligen Therapieformen scheint gestützt auf grosse Unwissenheit. Es sollten weitere Nachforschungen angestellt werden, wie man Patienten das notwendige Wissen über ihre eigene Krankheit und die Therapieformen besser näher bringen kann.

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