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Überprüfung der Bosniak-Klassifikation für Nierenzysten

 

UPPER URINARY TRACT Rotterdam – mechentel news – Das Ziel dieser Studie war die systematische Neu-Evaluation der bekannten Bosniak-Klassifikation für Nierenzysten hinsichtlich der Malignitätswahrscheinlichkeiten und dem onkologischen Outcome. Die Forscher um Ivo G. Schoots aus dem Department of Radiology and Nuclear Medicine am Erasmus MC – University Medical Center Rotterdam in den Niederlanden vollführten ein systematisches Review relevanter Literatur nach den PRISMA- (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) und QUADAS-2 (Quality Assessment of Diagnostic Accuracy Studies) Kriterien. Es zeigten sich 39 Publikationen einschlussfähig. Diese wurden unterteilt in zwei Kohorten, nämlich einerseits in eine „chirurgische Kohorte“ (alle Zysten wurden chirurgisch behandelt) und andererseits in eine „radiologische Kohorte“ (Zysten wurden entweder chirurgisch behandelt oder radiologisch nachbeobachtet). 3036 Zysten wurden analysiert und in die Kategorien Bosniak II, IIF, III und IV eingeteilt. Die höchsten Prävalenzraten für Malignität zeigten sich verständlicherweise bei Bosniak III und IV (0,51 bei Bosniak III und 0,89 bei Bosniak IV). Stabile Bosniak IIF Zysten unter Surveillance zeigten eine Entartung von weniger als 1%. Andererseits zeigte sich eine Entartung von Bosniak IIF Zysten in bis zu 85%, wenn im Rahmen der Surveillance eine Aufstufung auf Bosniak III auftritt. Insgesamt fand eine Aufstufung dieser Zysten in 12% während der Surveillance statt. Die geschätzte number needed to treat anhand der gesammelten Daten bei Bosniak III lag bei 140 und bei Bosniak IV bei 40. Die Daten zeigten, dass die Verlässlichkeit der Bosniak Klassifizierung insgesamt gut ist. Dies betraf jedoch hauptsächlich die Kategorien II, IIF und IV. Bosniak III hingegen zeigte eine Entartung von nur 49%, was einen Grossteil der chirurgischen Behandlungen in Frage stellt. Die Autoren schlussfolgern in der Juli-Ausgabe 2017 des Journal of Urology, dass man überlegen sollte, ob Bosniak III Zysten aufgrund ihrer guten Outcomes in speziellen Fällen einer Active Surveillance zugeführt werden könnten. Die Studienlage diesbezüglich sei jedoch begrenzt. (cw)

Autoren: Schoots IG, Zaccai K, Hunink MG, Verhagen PCMS. Korrespondenz: Ivo G. Schoots, Department of Radiology and Nuclear Medicine, Erasmus MC University Medical Centre, P.O. Box 2040, ’s Gravendijkwal 230, 3000 CA, Rotterdam, The Netherlands. E-Mail: i.schoots@erasmusmc.nl Studie: Bosniak Classification for Complex Renal Cysts Reevaluated: A Systematic Review. Quelle: J Urol. 2017 Jul;198(1):12-21. doi: 10.1016/j.juro.2016.09.160. Web: http://www.jurology.com/article/S0022-5347(17)39242-X/abstract

Kommentar

Seit der Einführung der Bosniak Klassifikation 1986 hat diese die täglichen klinischen Entscheidungen für Patienten mit Nierenzysten erheblich verändert. Es ist jedoch eindrücklich, dass besonders in den Grenzfällen wie Bosniak II, IIF und III eine sehr grosse Interobserver-Variability von bis zu 75% auftrat und somit die radiologische Diagnostik diesbezüglich eher einem Würfelspiel ähnelt. Es zeigt sich jedoch, dass trotz dieser Klassifikation ein Overtreatment vor allem bei Bosniak III Zysten stattfindet. Besonders hervorzuheben ist die hohe Entartungswahrscheinlichkeit, wenn Bosniak IIF Zysten aufgewertet werden. Dennoch scheint die Active Surveillance die einzige Variante für diese Zysten zu sein, da insgesamt nur 12% aufgestuft werden. Sofern die Zysten nicht aufgestuft werden, besteht weiterhin nur eine geringe Wahrscheinlichkeit einer malignen Entartung von kleiner als 1%. Die Hauptaussage der Studie, wonach Bosniak III Zysten mehr überwacht werden sollten und seltener operiert, muss mit zusätzlichen Daten untermauert werden. (cw)

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