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Verbesserte Compliance für Beckenbodentraining bei Stress-Inkontinenz durch App

 

FEMALE UROLOGY Umea – mechentel news – Urininkontinenz ist unter Frauen weit verbreitet – Studien geben diesbezüglich oft Prävalenzraten von 13 – 71% an (1). Besonders verbreitet ist dabei die Stress-Urininkontinenz. Emma Nyström et al. aus dem Department of Public Health and Clinical Medicine der Umeå University haben die Faktoren untersucht, die für einen Therapieerfolg massgeblich sind. Aus medizinischer Sicht ist das regelmässige Beckenbodentraining der Grundpfeiler für die Behandlung. Häufig scheint jedoch ein Compliance-Problem vorzuliegen. Die Autoren weisen auf eine App (Tät®), welche die Patientinnen im Trainingsalltag unterstützen soll und die Compliance steigert. Die randomisierte Originalstudie (2) konnte signifikante Verbesserungen im Bereich Symptomreduktion und Lebensqualität zeigen und zudem die Inkontinenzraten senken. In der Originalstudie sind 123 Patientinnen eingeschlossen worden und in dieser Ergänzungsstudie davon 62. Vor Beginn der Therapie mit der App „Tät“ sowie 3 Monate später wurden den Patientinnen verschiedene Fragebögen bezüglich Miktion und Inkontinenz sowie weiterer subjektiver Selbstauskünfte vorgelegt. Der Unterschied von Baseline zu Follow Up wurde verglichen. In ihren Selbstauskünften beschrieben die Patientinnen eine Verbesserung um 55,7%. Ein Zusammenhang konnte mit dem Körpergewicht gefunden werden; bei Gewichtsabnahme stellte sich eine Verbesserung ein (Odds Ratio [OR] 0,44 pro kg; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,25 – 0,79). Patientinnen, die eine hohe Erwartung an die Therapie hatten, konnten ebenfalls profitieren (OR 11,38; 95% KI 2,02 – 64,19). In der elektronischen Vorabpublikation im Dezember 2017 beim International Urogynecology Journal betonen die Autoren, dass die Körperselbstwahrnehmung (self-rated improvement of pelvic floor muscle strength) ebenfalls eine grosse Rolle zu spielen scheint (OR 35,54; 95% KI 4,96 – 254,61).

Autoren: Nyström E, Asklund I, Sjöström M, Stenlund H, Samuelsson E. Korrespondenz: Emma Nyström, Department of Public Health and Clinical Medicine, Unit of Research, Education and Development, Östersund, Umeå University, Umeå, Sweden. E-Mail: emma.nystrom@regionjh.se. Studie: Treatment of stress urinary incontinence with a mobile app: factors associated with success. Quelle: Int Urogynecol J. 2017 Dec 8. doi: 10.1007/s00192-017-3514-1. [Epub ahead of print] Web: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00192-017-3514-1

Kommentar

Patientenerziehung scheint auf dem Gebiet des Beckenbodentrainings, wie in anderen physiotherapeutischen Gebieten, eine grosse Rolle zu spielen. Der Therapieerfolg hängt nur von dem mitgebrachten Patienteneffort und der Compliance ab. Daher scheint die logische Konsequenz zu sein, das Smartphone als täglichen Begleiter zu einem „Trainingspartner“ zu machen, der die Patientinnen erinnert und anleitet wie das Beckenbodentraining durchgeführt werden sollte. Ein einfacher Ansatz, der scheinbar grosse Wirkung hat.

(1) Cerruto MA, D’Elia C, Aloisi A, Fabrello M, Artibani W. Prevalence, incidence and obstetric factors’ impact on female urinary incontinence in Europe: a systematic review. Urol Int. 2013;90:1–9.
(2) Sjöström M, Umefjord G, Stenlund H, Carlbring P, Andersson G, Samuelsson E. Internet-based treatment of stress urinary incontinence: a randomised controlled study with focus on pelvic floor muscle training. BJU Int. 2013;112:362–72.

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