Realwelt-Daten aus Registern zur Anti-VEGF-Therapie bei nAMD – Ersetzt „Big Data“ bald klinische Studien?

 

MEDICAL RETINA Sydney – mechentel news – Klinische Studien haben gezeigt, dass intravitreale vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor-Inhibitoren (Anti-VEGF-Wirkstoffe) das Potential haben, das Visusergebnis bei der neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration (AMD), einer sehgefährdenden Erkrankung, stabilisieren oder sogar verbessern zu können. Anhand der Evidenz in der realen Welt, kann beurteilt werden, ob Ergebnisse aus randomisierten kontrollierten Studien auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar sind. Das internationale Autorenteam um Hemal Mehta von der Macula Research Group, Save Sight Institute der University of Sydney, Australien, beschreiben die Entwicklung globaler Register, insbesondere des Fight Retinal Blindness!-Registers, welches in Australien entstand, der United Kingdom AMD Electronic Medical Records User Group und des IRIS-Registers in den USA. Reale Beobachtungen zu Wirksamkeit, Sicherheit und Ressourcennutzung bei intravitrealer Anti-VEGF-Therapie der neovaskulären AMD wurden anschließend zusammengefasst. Neuartige Beobachtungen, die im Setting einer klinischen Studie schwierig zu identifizieren gewesen wären, wurden dann hervorgehoben. Dies betraf unter anderem das Risiko einer späten Reaktivierung der Krankheit, der Outcome-Vergleich zwischen erst- und zweitbehandelten Augen und das erhöhte Risiko einer posterioren Kapselruptur während einer Kataraktoperation bei Patienten, die eine intravitreale Anti-VEGF-Therapie erhalten hatten. Schließlich beleuchten die Autoren sich daraus ergebende künftige Entwicklungen. Dies beinhaltet die Entwicklung eines globalen Konsensus über reale Outcome-Messwerte, um einen besseren Vergleich der Ergebnisse zu ermöglichen. Reale neovaskuläre AMD-Outcome-Register können mit anderen Datenbanken verknüpft werden, um die systemische Sicherheit oder genetische Prädiktoren für die Wirksamkeit der Behandlung zu bestimmen. Maschinelles Lernen bietet Möglichkeiten, nützliche Erkenntnisse aus „Big Data“ zu gewinnen, die oft in diesen Registern gesammelt werden. Die Autoren spinnen den Gedanken in der elektronischen Vorabpublikation beim Fachjournal Progress in Retinal and Eye Research weiter: Real-World-Register könnten von den Arzneimittelbehörden und der Industrie als Alternative zu teureren und zeitraubenderen klinischen Studien der Phase 4 verwendet werden, wodurch die Medikationskosten möglicherweise auf den erzielten Therapieergebnissen basieren könnten. (bs)

Autoren: Mehta H, Tufail A, Daien V, Lee AY, Nguyen V, Ozturk M, Barthelmes D, Gillies MC. Korrespondenz: Macula Research Group, Save Sight Institute, University of Sydney, Sydney, Australia. E-Mail: mark.gillies@sydney.edu.au Studie: Real-world outcomes in patients with neovascular age-related macular degeneration treated with intravitreal vascular endothelial growth factor inhibitors. Quelle: Prog Retin Eye Res. 2018 Jan 2. pii: S1350-9462(17)30105-2. doi: 10.1016/j.preteyeres.2017.12.002. [Epub ahead of print] Web: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1350946217301052

23. April 2018