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Hämaturie-Abklärung auch unterhalb der üblichen Altersgrenze deckt urogenitale Tumore auf

UPPER URINARY TRACT London – mechentel news – Bei uneinheitlichen Leitlinien besteht kaum Übereinstimmung in Bezug auf die korrekte Behandlung einer Hämaturie. Die Kollegen um Wei S. Tan aus der Division of Surgery and Interventional Science am University College London, Vereinigtes Königreich, untersuchten in dieser Studie die Inzidenz von Harnwegs-Karzinomen in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 3.556 Patienten, die zwischen März 2016 und Juni 2017 zur Untersuchung einer Hämaturie in 40 Krankenhäuser überwiesen wurden. Die Autoren stratifizierten die Patienten nach Alter und Vorhandensein einer sichtbaren oder nicht-sichtbaren Hämaturie. Sie fanden heraus, dass die Gesamtinzidenz einer urogenitalen Krebserkrankung bei 10,0% lag (Blasenkrebs 8,0%, Krebserkrankung des Nierenparenchyms 1,0%, Urothelialkarzinom des oberen Harntrakts 0,7% und Prostatakrebs 0,3%). Patienten mit sichtbarer Hämaturie hatten ein Risiko von 13,8%, einen Tumor des Harntraktes zu haben, verglichen mit 3,1% der Patienten mit nicht sichtbarer Hämaturie. Ältere Patienten, männliches Geschlecht und Rauchen in der Anamnese waren alle mit einem erhöhten Risiko verbunden, einen urologischen Tumor zu haben. Die Inzidenz einer Krebserkrankung bei Patienten mit sichtbarer Hämaturie <45 Jahren betrug 3,5% (n = 7) und 1,0% (n = 4) bei nicht sichtbarer Hämaturie und Patienten jünger als 60 Jahren. Dies beweise, so die Autoren in der Juli-Ausgabe 2018 des Fachjournals European Urology, dass ein nicht unbedeutender Anteil der Krebserkrankungen auch bei Patienten unterhalb der Altersgrenze gefunden werde, die zu einer Überweisung zur Abklärung führe. (mm/bs)

Autoren: Tan WS, Feber A, Sarpong R, Khetrapal P, Rodney S, Jalil R, Mostafid H, Cresswell J, Hicks J, Rane A, Henderson A, Watson D, Cherian J, Williams N, Brew-Graves C, Kelly JD; DETECT I trial collaborators. Korrespondenz: Division of Surgery & Interventional Science, University College London, 3rd Floor Charles Bell House, 43-45 Foley Street, London W1W 7TS, UK. E-Mail: wei.tan@ucl.ac.uk Studie: Who Should Be Investigated for Haematuria? Results of a Contemporary Prospective Observational Study of 3556 Patients. Quelle: Eur Urol. 2018 Jul;74(1):10-14. doi: 10.1016/j.eururo.2018.03.008. Web: https://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(18)30184-2/abstract

Kommentar Diese Arbeit sollte von allen Urologen sorgfältig gelesen werden, um eine genaue Vorstellung davon zu haben, welches Risiko besteht, dass bei Patienten mit sichtbarer und nicht-sichtbarer Hämaturie eine urotheliale Krebserkrankung besteht. Das Risiko, ein Harnwegs-Karzinom bei sichtbarer und nicht-sichtbarer Hämaturie zu haben, ist auch bei Patienten unterhalb der Altersschwelle für die Überweisung zur weiteren Diagnostik signifikant (45 Jahre für sichtbare Hämaturie und 60 Jahre für nicht sichtbare Hämaturie). Dies sollte von Urologen sorgfältig berücksichtigt werden. (mm/bs)

Autor: Dr. med. Dr. rer. nat. Marco Moschini, Assistenzarzt Klinik für Urologie, LUKS

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