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Sorgfältige Patientenauswahl für Strahlentherapie bei Prostata-Ca mit Lymphknotenbefall notwendig

PROSTATE Detroit – mechentel news – Die optimale Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs und Lymphknotenbefall hat sich in den letzten Jahren stetig verändert. Lange Zeit galten diese Patienten als von einer systemischen Erkrankung betroffen und wurden daher nur mit einer frühen Androgendeprivationstherapie behandelt. In einigen Reihen wurde jedoch kürzlich vorgeschlagen, dass nicht alle PCa-Patienten, die von Knotenmetastasen betroffen sind, an einer metastasierten Erkrankung leiden und dass eine Maximierung der lokalen Kontrolle mit radikaler Prostatektomie und adjuvanter Strahlentherapie die Überlebenserwartung erhöhen könnte. Firas Abdollah et al. aus dem Vattikuti Urology Institute am Henry Ford Hospital in Detroit, USA, versuchten nun herauszufinden, welche Patienten mehr von einem Ansatz profitieren, der aus einer radikalen Prostatektomie mit Beckenlymphknotendissektion und adjuvanter Strahlentherapie besteht. Sie analysierten dazu die Daten von 5.498 Patienten, die zwischen 2004 und 2015 in den USA von pathologisch bestätigten Knotenmetastasen betroffen waren. Die Autoren erstellten ein statistisches Modell, um die Überlebensergebnisse dieser Patienten zu analysieren, und fanden heraus, dass diese in 5 Klassen einteilbar waren. Von diesen Klassen profitierten nur 2 Patientengruppen von der adjuvanten Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie unabhängig vom postoperativen PSA-Wert. Das waren erstens Patienten mit einem oder 2 positiven Knoten, einem pathologischen Gleason-Score von 7-10 und einer pT3b/4-Erkrankung oder positiven Resektionsrändern und zweitens Patienten mit einer verzweigten Struktur von 4 positiven Lymphknotenmetastasen, unabhängig von lokalen Tumoreigenschaften. Die Autoren betonen in der elektronischen Vorabpublikation im März 2018 beim Fachjournal European Urology, dass nicht alle Patienten von einer adjuvanten Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie im Rahmen einer lymphknotenpositiven Erkrankung profitieren und dass eine sorgfältige Auswahl der Patienten entscheidend ist. (mm/bs)

Autoren: Abdollah F, Dalela D, Sood A, Keeley J, Alanee S, Briganti A, Montorsi F, Peabody JO, Menon M. Korrespondenz: Firas Abdollah, Vattikuti Urology Institute & VUI Center for Outcomes Research Analytics and Evaluation, Henry Ford Health System, 2799 W Grand Blvd K-9, Detroit, MI 48202-2689, USA. E-Mail: firas.abdollah@gmail.com Studie: Impact of Adjuvant Radiotherapy in Node-positive Prostate Cancer Patients: The Importance of Patient Selection. Quelle: Eur Urol. 2018 Apr 30. pii: S0302-2838(18)30318-X. doi: 10.1016/j.eururo.2018.04.017. [Epub ahead of print] Web: https://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(18)30318-X/abstract

Kommentar Die Autoren fanden heraus, dass es möglich ist, eine ausgezeichnete lokale Kontrolle der Krankheit mit guten Überlebensresultaten bei Patienten zu gewährleisten, die von Lymphknotenmetastasen bei Prostatakrebs betroffen sind. Eine adjuvante Strahlentherapie sollte Patienten mit bestimmten Merkmalen angeboten werden, wobei die Möglichkeit in Betracht zu ziehen ist, diese auch in der Salvage für die anderen Patienten zu verwenden, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Die Ergebnisse dieser Studie stammen aus der US-amerikanischen nationalen Krebsdatenbank und müssen in einer prospektiven Studie validiert werden. (mm/bs)

Autor: Dr. med. Dr. rer. nat. Marco Moschini, Assistenzarzt Klinik für Urologie, LUKS

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