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Transplantation von Stammzellen-abgeleiteten retinalen Pigmentepithelzellen bei Makuladegeneration

MEDICAL RETINA London – mechentel news – Die Transplantation von humanen embryonalen Stammzellen(hESC)-abgeleiteten retinalen Pigmentepithelzellen (RPE) bietet das Potenzial für bei Makuladegeneration von Nutzen sein zu können. Frühere Studien berichteten über eine verbesserte Sehschärfe (VA), aber es fehlte eine detaillierte Analyse der Netzhautstruktur und -funktion im behandelten Bereich. Manjit S. Mehat aus dem NIHR Biomedical Research Centre for Ophthalmology am Moorfields Eye Hospital und dem University College London, Vereinigtes Königreich, führte mit zahlreichen Kollegen aus Grossbritannien und den USA dazu eine Open-Label-Dosis-Eskalationsstudie Phase 1/2 zur Bewertung von Sicherheit und potenzieller Wirksamkeit durch (clinicaltrials.gov-Identifikator NCT01469832). Eingeschlossen wurden zwölf Teilnehmer mit fortgeschrittener Stargardt-Krankheit (STGD1), der häufigsten Ursache für Makuladegeneration bei Kindern und jungen Erwachsenen. Sie erhielten eine subretinale Transplantation von bis zu 200.000 hESC-abgeleiteten RPE-Zellen mit einer systemischen immunsuppressiven Therapie über 13 Wochen. Primäre Endpunkte waren die Sicherheit und Verträglichkeit der hESC-abgeleiteten RPE-Zelltransplantation. Darüber hinaus wurde auch das Überleben von transplantierten Zellen untersucht und die Netzhautstruktur und -funktion mittels Mikroperimetrie und Spektral-Domänen-OCT beurteilt. Fokale Bereiche subretinaler Hyperpigmentierung entwickelten sich bei allen Teilnehmern dosisabhängig in der Retina des Empfängers und persistierten nach Absetzen der systemischen Immunsuppression. Es ergaben sich keine Hinweise auf unkontrollierte Proliferation oder Entzündungsreaktionen. Grenzwertige Verbesserungen der bestkorrigierten Sehschärfe bei 4 Teilnehmern waren entweder nicht zufriedenstellend oder entsprachen einer ähnlichen Verbesserung des unbehandelten kontralateralen Auges. Die Mikroperimetrie zeigte bei den 12 Teilnehmern nach 12 Monaten keinen Hinweis auf einen Nutzeffekt. In einem Fall mit höchster Dosierung deuteten eine lokale Netzhautverdünnung und eine verringerte Empfindlichkeit im Bereich der Hyperpigmentierung auf das Schadenspotenzial hin. Die von den Teilnehmern unter Verwendung des 25 Punkte umfassenden National Eye Institute Visual Function Questionnaire berichtete Lebensqualität zeigte keine signifikante Veränderung. Die Autoren kommen in der elektronischen Vorabpublikation im Juni 2018 beim Fachjournal Ophthalmology zu dem Fazit, dass die subretinale Hyperpigmentierung im Einklang steht mit dem Überleben von lebensfähigen transplantierten hESC-abgeleiteten RPE-Zellen, jedoch das in Abwesenheit dieser Zellen freigesetzte Pigment widerspiegeln kann. Die Ergebnisse zeigen den Wert einer detaillierten Analyse der räumlichen Korrelationen innerhalb der Netzhautstruktur und der Netzhautfunktion bei der Bestimmung der Auswirkungen einer Zelltransplantation mit angemessener Sensitivität und deuten darauf hin, dass Interventionen im frühen Krankheitsstadium mit Vorsicht angegangen werden sollten. Angesichts des langsamen Fortschreitens der Degeneration im fortgeschrittenen Krankheitsstadium könnte ein Schutz vor weiterer Verschlechterung erst nach einer längeren Beobachtungszeit erkennbar sein. (bs)

Autoren: Mehat MS, Sundaram V, Ripamonti C, Robson AG, Smith AJ, Borooah S, Robinson M, Rosenthal AN, Innes W, Weleber RG, Lee RWJ, Crossland M, Rubin GS, Dhillon B, Steel DHW, Anglade E, Lanza RP, Ali RR, Michaelides M, Bainbridge JWB. Korrespondenz: James W.B. Bainbridge, PhD, FRCOphth, Institute of Ophthalmology, University College London, Bath Street, London EC1V 9EL, United Kingdom. E-Mail: j.bainbridge@ucl.ac.uk Studie: Transplantation of Human Embryonic Stem Cell-Derived Retinal Pigment Epithelial Cells in Macular Degeneration. Quelle: Ophthalmology. 2018 Jun 5. pii: S0161-6420(18)30024-1. doi: 10.1016/j.ophtha.2018.04.037. [Epub ahead of print] Web: https://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(18)30024-1/abstract

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