Hämodynamische Wirkungen intravenösem Phenylephrin zur Behandlung des ischämischem Priapismus

UROLOGICAL EMERGENCIES Miami Beach – mechentel news – In der Ausgabe 3.18 von Swiss Urology wurde anhand einer Studie bereits beleuchtet, dass viele Urologen häufig die Therapie des Priapismus nach eigenen Standards durchführen und oftmals nicht bekannt ist, dass hierfür eigentlich einheitliche offizielle Guidelines existieren. In dieser U.S.-Amerikanischen Studie von Ajaydeep S. Sidhu und Kollegen aus dem Mount Sinai Medical Center in Miami Beach, USA, wurden nun die offiziellen Guidelines erneut überprüft und dabei stellten sich die Autoren die Frage, ob die empfohlenen Therapieschritte optimiert werden könnten. Insbesondere stellten Sie sich die Frage, welche hämodynamischen Auswirkungen eine höhere intracavernöse Dosis von Phenylephrin haben könnte. Hierzu wurde retrospektiv eine Kohorte von 74 Patienten mit akutem Priapismus zwischen 2014 und 2016 untersucht. Das mediane Patientenalter lag bei 36.5 Jahren (IQR 27-47) und am häufigsten wurde ein Medikamenten-induzierter Priapismus beobachtet (62%). Bei 74% der Patienten wurde Phenylephrin verabreicht. Die dabei applizierte Dosis lag median bei 1000 µg (IQR 500-2000). Univariate Analysen unter diesen Patienten zeigten dass, wie die Autoren in Ihrer Studie, die im Original in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift JOURNAL OF SEXUAL MEDICINE erschienen ist, zusammenfassen, es keinen Zusammenhang zwischen Phenylephrindosis und Veränderungen in der Herzfrequenz oder dem Blutdruck gab. (cw/um)

Autoren: Sidhu AS1, Wayne GF2, Kim BJ3, Anderson AGS4, Cordon BH5, Caso JR6, Polackwich AS5., Korrespondenz: 1 Mount Sinai Medical Center, Miami Beach, FL, USA. Electronic address: ajaydeep.sidhu@gmail.com., 2 Mount Sinai Medical Center, Miami Beach, FL, USA., 3 Florida International University Herbert Wertheim College of Medicine, Miami, FL, USA., 4 University of Central Florida College of Medicine, Orlando, FL, USA., 5 Columbia Urology Division of Urology at Mount Sinai Medical Center, Miami Beach, FL, USA., 6 Baptist Health South Florida, Miami, FL, USA., Studie: The Hemodynamic Effects of Intracavernosal Phenylephrine for the Treatment of Ischemic Priapism., Quelle: J Sex Med. 2018 Jul;15(7):990-996. doi: 10.1016/j.jsxm.2018.05.012., Web: https://www.jsm.jsexmed.org/article/S1743-6095(18)31003-8/fulltext

Kommentar Guidelines empfehlen das kontinuierliche Monitoring von Blutdruck und Herzfrequenz während der Applikation von Phenylephrin. Diese Studie konnte nun zeigen, dass selbst eine hohe Dosis keine Veränderung in Herzfrequenz oder Blutdruck auslöst. Die Studiengruppe ist jedoch zu klein um daraus grundlegende Schlüsse ziehen zu können. Im Sinne der Patientensicherheit, vor allem bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren, ist das Monitoring weiterhin zu empfehlen. Da Phenylephrin ein adhäquater Wirkstoff zur Detumeszenz bei Priapismus ist, wären weitere Untersuchungen in diese Richtung jedenfalls interessant, da man die Hypothese stellen könnte, dass höhere Grenzwerte für Phenylephrindosen gegebenenfalls zu einer weiteren Senkung der Rate an operativen Shuntoperationen führen könnte. (cw)

Autor: Dr. med. univ. Christoph Würnschimmel, Assistenzarzt Klinik für Urologie, LUKS.

21. Dezember 2018