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Patientenberichtete Symptome der unteren Harnwege vor und nach radikaler Prostatektomie

PROSTATE Newcastle – mechentel news – Die roboterassistierte radikale Prostatektomie ist eine minimalinvasive Technik, die in vielen Einrichtungen weltweit zum Standard der chirurgischen Behandlung eines lokalisierten Prostatakarzinoms geworden ist. Allerdings gibt es nur wenige Daten zu den Veränderungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und hinsichtlich der Veränderungen der Symptome des unteren Harntrakts (LUTS) bei diesen Patienten. Jonathan J. Aning et. al. aus dem Freeman Hospital in Newcastle upon Tyne, Vereinigtes Königreich, analysierten Daten von 357 Patienten, die zwischen Juli 2012 und September 2015 mit einem lokalisierten Prostatakarzinom in einem einzigen Zentrum mittels robotergestützter radikaler Prostatektomie behandelt wurden, sowie deren detaillierte Daten zu Symptomen des unteren Harntrakts und zur Lebensqualität. Dazu füllten alle Patienten einen schriftlichen validierten Berichtsbogen zum Ausgangszeitpunkt nach der Diagnose (aber vor der Operation) und 6, 12 sowie 18 Monate nach dem Eingriff aus. Eine detaillierte Analyse der LUTS vor und nach der roboterassistierten radikalen Prostatektomie zeigte, dass sich die Gesamtsumme der LUTS und assoziierter Störfaktoren zwar nicht signifikant änderte, die Zusammensetzung der Harnwegssymptome zeigte jedoch eine klinisch signifikante Veränderung. Während präoperativ Symptome der Entleerungsstörungen vorherrschten, dominierten postoperativ Symptome der Urinhaltestörungen. Dieses Ergebnis zeigt, so die Autoren in der August-Ausgabe 2018 des Fachjournals Urologic Oncology, dass, obwohl insgesamt keine Unterschiede hinsichtlich der Lebensqualität präoperativ und postoperativ berichtet wurden, eine detaillierte Analyse Unterschiede im Symptomprofil aufdeckt. (mm/bs)

Autoren: Aning JJ, MacKenzie KR, Fabricius M, McColl E, Johnson MI, Tandogdu Z, Soomro NA, Harding C. Korrespondenz: Jonathan J. Aning, Department of Urology, Freeman Hospital, Newcastle upon Tyne Hospitals NHS Foundation Trust, Newcastle upon Tyne, UK. E-Mail: jonathan.aning@nuth.nhs.uk Studie: Detailed analysis of patient-reported lower urinary tract symptoms and effect on quality of life after robotic radical prostatectomy. Quelle: Urol Oncol. 2018 Aug;36(8):364.e15-364.e22. doi: 10.1016/j.urolonc.2018.05.017. Web: https://www.urologiconcology.org/article/S1078-1439(18)30169-8/abstract

Kommentar Diese Studie legt nahe, dass, obwohl sich die Ergebnisse von Fragebögen zur gesundheitsbezogene Lebensqualität nach der Operation nicht veränderten, detaillierte Analysen signifikante Veränderungen zwischen den Symptomkomplexen der unteren Harnwege aufdecken (insbesondere, dass die Patienten präoperativ unter Symptomen der Entleerungsstörungen, postoperativ unter denen von Haltestörungen leiden). Einschränkungen der Studie bestehen darin, dass nur eine suboptimale Rücklaufrate (60%) erreicht wurde, was die Schlussfolgerung teilweise einschränkt und in der Tatsache, dass die Studie nur Patienten umfasst, die in Großbritannien behandelt wurden. Hier könnten Unterschiede zu Patienten bestehen, die in anderen Ländern therapiert werden. (mm/bs)

Autor: Dr. med. Dr. rer. nat. Marco Moschini, Assistenzarzt Klinik für Urologie, LUKS.

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