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Immuntherapie in Kombination mit neoadjuvanter Standard-Chemotherapie bei Patienten mit operablem Karzinom des Harntrakts

CANCER URINARY TRACT Graubünden – SAKK 06/17 – In dieser Studie untersuchen wir die Wirkung und Verträglichkeit einer Immuntherapie mit dem PD-L1 Antikörper Durvalumab) bei Patienten mit einem operablen muskelinvasiven Karzinom des Harntrakts (Blase oder Harnwege). Dazu werden alle Studienteilnehmenden mit einer Kombination der Standardtherapie (neoadjvuante Chemotherapie mit Cisplatin/Gemcitabine und anschliessend Operation) und der zusätzlichen Gabe des Studienmedikamentes Durvalumab behandelt. Das Ziel der Studie ist es, die Prognose von betroffenen Patienten zu verbessern. Die Dauer der Behandlung beträgt 3 Monate vor der Operation und 9 Monate danach. Beim Durvalumab handelt sich um einen monoklonalen Antikörper gegen PD-L1, der zu einer Aktivierung des körpereigenen Immunsystems führt. Durvalumab ist bereits bei verschiedenen Krebsarten getestet worden, auch bei Karzinomen des Harntraktes, und hat in der alleinigen Behandlung eine vielversprechende Wirksamkeit gezeigt. Durvalumab wurde bislang noch nicht vor einer Operation eines Karzinoms der Harnwege geprüft und der klinische Nutzen kann daher noch nicht beurteilt werden. Diese Studie wird an verschiedenen Zentren in der Schweiz und Deutschland durchgeführt. Insgesamt sollen 61 Patientinnen und Patienten in der Studie behandelt werden. Die ersten Studienergebnisse werden erwartet, nachdem alle Patienten eingeschlossen worden sind und im Schnitt während 2 Jahren nachbeobachtet wurden. Dies wird voraussichtlich im Jahr 2021 der Fall sein.

Autor: PD Dr. med. Richard Cathomas, Korrespondenz: Kantonsspital Graubünden, +41 81 256 66 95, Studie: Immuntherapie in Kombination mit neoadjuvanter Standard-Chemotherapie bei Patienten mit operablem Karzinom des Harntrakts, Quelle: SAKK 06/17, Web: https://www.sakk.ch/de/studie/immuntherapie-kombination-mit-neoadjuvanter-standard-chemotherapie-bei-patienten-mit

Kommentar Die neoadjuvante Cisplatin-basierte Chemotherapie hat sich beim muskelinvasiven Blasenkarzinom (MIBC) in den letzten Jahren aufgrund eines in randomisierten Studien nachgewiesenen Überlebensvorteils etabliert und ist nun in den meisten Zentren zum Standard geworden. Neueste Daten zeigen, dass die Verwendung von Immuntherapie mittels Checkpoint-Inhibition als Monotherapie interessante Ansprechraten beim MIBC zeigt. Darauf aufbauend möchte die aktuelle SAKK Studie prüfen, ob mit der Kombination von Immuntherapie und Cisplatin-haltigen Chemotherapie, die kompletten Remisssionsraten und damit letztendlich das progressionsfreie Überleben deutlich verbessert werden können. Die Kombination von Immuntherapie und Chemotherapie wurde bereits beim Lungenkarzinom mit sehr gutem Erfolg geprüft. Auch zeigen die ersten Resultate mit neoadjuvanter Immmuntherapie, dass es darunter nicht zu vermehrten perioperativen Komplikationen kommt. Der in der Studie geprüfte Therapieansatz mit neoadjuvanter Immun-Chemotherapie gefolgt von adjuvanter Immuntherapie erscheint vielversprechend und könnte das Überleben von Patienten mit muskelinvasivem Urothelkarzinom verbessern. (am)

Autor: Prof. Dr. med. Agostino Mattei, Chefarzt Urologie Luzerner Kantonsspital

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