Fachverlag und Nachrichtenagentur

Strahlentherapie versus Prostatektomie: radikales Entfernen der Prostata verringert Risiko für Blasenkrebs

BLADDER CANCER Luzern – mechentel news – Radikale Prostatektomie und externe Strahlentherapie sind der Standard für die aktive Behandlung von lokal-begrenztem Prostatakrebs. Obwohl die langfristige Wirksamkeit dieser Techniken nachgewiesen werden konnte, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine eindeutigen Daten über das Risiko des Auftretens eines zweiten Tumors nach diesen Behandlungen. Im Einzelnen existieren einige Daten dazu bei Patienten, die mit Strahlentherapie behandelt wurden. In der Arbeit von Marco Moschini von den urologischen Abteilungen am Wiener Allgemeinen Krankenhaus, Universitätsklinikum der Stadt Wien, Österreich, und dem Urological Research Institute an der Vita-Salute University, San Raffaele Scientific Institute, in Mailand, Italien, sowie der Klinik für Urologie am Luzerner Kantonsspital in Luzern, Schweiz, und Kollegen wurden Daten des Programms „Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER)“ des National Cancer Institute verwendet, das berichtet, dass multiple primäre Karzinome etwa 17 Prozent aller in den Vereinigten Staaten diagnostizierten Krebsarten ausmachen. Zwischen 1988 und 2009 wurde bei insgesamt 84.397 Patienten über 65 Jahre lokal-begrenzter Prostatakrebs diagnostiziert und mit radikaler Prostatektomie oder externer Strahlentherapie behandelt. Die Autoren fanden heraus, dass Patienten, die mittels Strahlentherapie behandelt wurden, einem erhöhten Risiko ausgesetzt waren, einen Blasenkrebs zu entwickeln, verglichen mit Patienten, die mit einer radikalen Prostatektomie behandelt wurden. Andererseits wurden keine Unterschiede hinsichtlich des Risikos von Rektumkarzinomen festgestellt. Die Autoren, der im Februar 2019 in der Fachzeitschrift European Urology publizierten Studie, kommen zu dem Schluss, dass Patienten, die mit externer Strahlentherapie bei lokal begrenztem Prostatakrebs behandelt werden, unter einem höheren Risiko leiden könnten, während der Nachsorge einen Blasenkrebs zu entwickeln, als diejenigen, die mit einer radikalen Prostatektomie behandelt werden. (mm/ut)

Autoren: Moschini M, Zaffuto E, Karakiewicz PI, Andrea DD, Foerster B, Abufaraj M, Soria F, Mattei A, Montorsi F, Briganti A, Shariat SF. Korrespondenz: Marco Moschini, Department of Urology, Vienna General Hospital, Medical University of Vienna, Vienna, Austria; Department of Urology, Urological Research Institute, Vita-Salute University, San Raffaele Scientific Institute, Milan, Italy; Klinik für Urologie, Luzerner Kantonsspital, Luzern, Switzerland. E-Mail: marco.moschini87@gmail.com. Studie: External Beam Radiotherapy Increases the Risk of Bladder Cancer When Compared with Radical Prostatectomy in Patients Affected by Prostate Cancer: A Population-based Analysis. Quelle: Eur Urol. 2019 Feb;75(2):319-328. doi: 10.1016/j.eururo.2018.09.034. Epub 2018 Oct 4. Web: https://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(18)30722-X/fulltext

Kommentar Das Thema dieses Manuskripts ist gewiss von Interesse: Ist die Strahlentherapie bei Prostatakrebs-Patienten ein Risikofaktor für die Entwicklung anderer Krebsarten? Die Ergebnisse scheinen darauf hinzudeuten, dass das Risiko für die Entwicklung eines Blasenkrebses erhöht sein kann. Die Einschränkungen der Studie sind umfassend, da in der SEER-Datenbank keine Daten über die Eigenschaften der Strahlentherapie vorliegen. Sicherlich unterscheidet sich die in den späten 80er Jahren eingesetzte Strahlentherapie von der Behandlung heutiger Patienten mittels Bestrahlung. (mm)

Autor: Dr. med. Dr. rer. nat. Marco Moschini, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

© 2019 -  mechentel medizin
Fachverlag und Nachrichtenagentur