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GnRH – Agonisten und ihre Nebenwirkungen beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom

 

ANDROGEN DEPRIVATION Herlev – mechentel news – In dieser prospektiven Studie wurden Männer mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom untersucht. Dabei wurde verglichen, wie sich eine medikamentöse Androgenentzugstherapie (GnRH – Agonisten) gegenüber der subkapsulären Orchiektomie in Bezug auf metabolische Veränderungen verhält. Dafür hat das Team um Peter B. Østergren aus dem Department of Urology des Herlev and Gentofte Hospital in Herlev, Dänemark, 58 hormonsensitive Männer randomisiert und 1:1 zu einer subkapsulären Orchiektomie oder zu einer Therapie mit Triptorelin 22.5 mg/24 Wochen (Depotinjektionen) zugeteilt. Das insgesamte Follow-up betrug 48 Wochen, wobei die Patienten nach jeweils 12, 24 und 48 Wochen auf folgende Parameter untersucht wurden: Nüchternblutzuckerspiegel als primärer Endpunkt und Veränderungen in der Körperkomposition (Gewicht, totale Fettmasse, viszerales Fett, subkutanes Fett und die Fettverteilung Android/Gynoid) sowie Serumlipide und Insulinresistenz als sekundäre Endpunkte. Schliesslich zeigten sich keine Unterschiede im Nüchternblutzucker zwischen beiden Gruppen (0.2 mmol/L, 95% Konfidenzintervall (CI) – 0.1, 0.4; p=0.32). Die Orchiektomie-Gruppe hat jedoch nach 48 Wochen insgesamt mehr totale Fettmasse aufgebaut (+2.06 kg, 95% CI 0.55 3.56), ebenso mehr subkutanes Fett (+133 cm3, 95% CI 22, 243) und Gewicht (+3.30 kg 95% CI 0.74, 5.87); alle Werte p < 0.05). In einer gepoolten Analyse über beide Gruppen zeigte sich, wie das Forscherteam in seiner Studie, die im Original in der April-Ausgabe des Fachmagazins BJU INTERNATIONAL erschienen ist, bemerkt, dass die Androgenentzugstherapie (medikamentös und chirurgisch) bereits nach 12-24 Wochen einen signfikanten Anstieg der totalen Fettmasse, subkutanen Fettes und viszeralen Fettes, sowie eine Erhöhung des Cholesterinspiegel (total, HDL sowie LDD) und eine gesteigerte Rate von Insulinresistenzen hervorruft (p< 0.05). (cw/bg)

Autoren: Østergren PB1,2, Kistorp C2,3, Fode M1, Bennedbaek FN2,3, Faber J2,3, Sønksen J1,2., Korrespondenz: 1 Department of Urology, Herlev and Gentofte Hospital, Herlev, Denmark., 2 Faculty of Health and Medical Sciences, University of Copenhagen, Copenhagen, Denmark., 3 Department of Endocrinology, Herlev and Gentofte Hospital, Herlev, Denmark., Studie: Metabolic consequences of gonadotropin releasing hormone agonists vs orchiectomy: a randomized clinical study., Quelle: BJU Int. 2019 Apr;123(4):602-611. doi: 10.1111/bju.14609. [Epub ahead of print], Web: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/bju.14609

Kommentar

Erneut wurde bewiesen, dass die Androgenentzugstherapie beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom mit signifikanten Nebenwirkungen behaftet ist. Neben den bereits etablierten Nebenwirkungen wie Gemütsstörungen und Antriebslosigkeit mit Libidoverlust, erektiler Dysfunktion, Hitzewallungen und Osteoporose, schlüsselt diese randomisierte Studie nun auch die spezifischen metabolischen Veränderungen und Veränderungen in der Körperkomposition bei der chirurgischen oder medikamentösen Androgenentzugstherapie auf. Einerseits konnte festgestellt werden, dass die genannten Nebenwirkungen bereits sehr früh nach Therapiebeginn eintreten und dass die subkapsuläre Orchiektomie eine höhere Fettakkumulation hervorruft. Diese Information ist insbesondere dahingehend wichtig, da in einer Subanalyse dieser Studie eine erhöhte Fettmasse mit gesteigerter Insulinresistenz assoziiert wurde (p < 0.001). Dies könnte bedeutsam sein für Patienten mit bereits erhöhtem Risiko für Diabetes mellitus. (cw)

Autor: Dr. med. univ. Christoph Würnschimmel, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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