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Cochrane-Review: Eingeschränkte Evidenz für den Einsatz blaulichtfilternder IOLs zum Makulaschutz

 

CATARACT Parkville – mechentel news – Die Kataraktoperation mit Implantation einer Intraokularlinse (IOL) ist das weltweit am häufigsten durchgeführte chirurgische Verfahren am Auge. Es wurde diskutiert, dass IOLs, die kurzwelliges sichtbares Licht selektiv abschwächen (blaulichtfilternde IOLs), für die Gesundheit der Makula von Vorteil sein könnten. Insbesondere im Zusammenhang mit der demografischen Alterung und der weltweit zunehmenden Prävalenz der altersbedingten Makuladegeneration ist die Frage, ob IOLs, die blaues Licht filtern, einen Lichtschutz für die Netzhaut bewirken, von Bedeutung für die öffentliche Gesundheit. Laura E. Downie aus dem Department of Optometry and Vision Sciences der University of Melbourne in Parkville im Bundesstaat Victoria, Australien, und internationale Kollegen führten dazu im Jahr 2018 ein systematisches Cochrane-Review zur Wirksamkeit und Sicherheit von blaulichtfilternden IOLs für die Gesundheit und Funktion der Makula durch. Dabei wurden auch die Auswirkungen auf die Praxis und die künftige Forschung berücksichtigt. Die systematische Überprüfung nach Cochrane umfasste 51 randomisierte kontrollierte Studien, die in 17 Ländern durchgeführt wurden. An den Studien nahmen Erwachsene teil, die sich einer Kataraktoperation unterzogen, bei der eine blaulichtfilternde IOL mit einer äquivalenten nicht blaulichtfilternden IOL verglichen wurde. Die Follow-up-Zeiträume der Studie lagen zwischen 1 Monat und 5 Jahren. Insgesamt berücksichtigten diese Studien klinische Ergebnisse von mehr als 5.000 Augen. Aufgrund der Verwendung unterschiedlicher Messtechniken für die Ergebnisse, der unvollständigen Erfassung von Daten und/oder der unterschiedlichen Nachbeobachtungszeiträume war die Möglichkeit, Daten über die Studien hinweg zu kombinieren, um allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen, eingeschränkt. Es wurden erhebliche Mängel bezüglich der internen Validität vieler der eingeschlossenen Studien festgestellt, insbesondere in Bezug auf Studiendesign, Durchführung und Ergebnisdarstellung. Die Autoren schlagen verschiedene Möglichkeiten vor, um die wissenschaftliche Strenge potenzieller künftiger Forschung auf diesem Gebiet zu verbessern, einschliesslich der Entwicklung eines Kernsatzes von Zielparametern, der Einbeziehung von Stichprobengrössenberechnungen, der Maskierung von Studienteilnehmern und Ergebnisprüfern und der prospektiven Registrierung klinischer Studien. In der elektronischen Vorabpublikation im Februar 2019 beim JAMA OPTHALMOLOGY teilen die Autoren daher mit, dass die Verwendung von IOLs mit Blaulichtfilterung zur Erzielung eines Schutzes für die Makula derzeit nicht durch die best-verfügbaren klinische Evidenz gestützt werde und es von Bedeutung sei, dass Klinikern diese Einschränkung bewusst sei, wenn sie diese Produkte in der klinischen Praxis anwenden. (bs)

Autoren: Downie LE, Wormald R, Evans J, Virgili G, Keller PR, Lawrenson JG, Li T. Korrespondenz: Laura E. Downie, Department of Optometry and Vision Sciences, The University of Melbourne, Parkville, Victoria, Australia. Studie: Analysis of a Systematic Review About Blue Light-Filtering Intraocular Lenses for Retinal Protection: Understanding the Limitations of the Evidence. Quelle: JAMA Ophthalmol. 2019 Feb 21. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2019.0019. [Epub ahead of print] Web: https://jamanetwork.com/journals/jamaophthalmology/article-abstract/2725500

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