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Pharmakovigilanz ophthalmologischer Arzneimittel in der Schweiz 1991 bis 2016

 

MEDICAL RETINA Zürich – mechentel news – Obwohl systemische Arzneimittel lokale Effekte am Auge haben können, ist die Ophthalmologie eine medizinische Fachrichtung mit den vielleicht wenigsten festgestellten unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW), was eine besondere Herausforderung für die Pharmakovigilanz darstellt. Das Ziel von Julia E. Karrer et al. aus der Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsspital Zürich in der Schweiz war die Quantifizierung von UAW in der Augenheilkunde in der Schweiz, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Angiogenese-Inhibitoren. Die von Januar 1991 bis Juni 2016 in der Schweiz gemeldeten Individual Case Safety Reports (ICSRs) zu vermuteten UAWs wurden aus der globalen ICSR-Datenbank der WHO, VigiBase®, gewonnen. Die ICSRs wurden in Bezug auf die Behandlungsdauer, das Alter des Patienten, die Verabreichungsart, das Geschlecht des Patienten und die berichteten Symptome analysiert. Im Berichtszeitraum wurden in der Schweiz insgesamt 80.515 ICSRs gemeldet. Reaktionen im Zusammenhang mit Augenerkrankungen machten 2.793 (3,5%) Fälle aus. Die wichtigsten Wirkstoffklassen für anatomisch-therapeutische Chemikalien und definierte Tagesdosen im Zusammenhang mit Augenerkrankungen waren Wirkstoffe, die auf das Nervensystem einwirken (27,7%), gefolgt von Wirkstoffen, die auf die Sinnesorgane einwirken. (20,2%) und Antineoplastika (18,0%). Die wichtigsten Wirkstoffklassen des Anatomisch-therapeutisch-chemischen Klassifikationssystem (ATC/DDD) im Zusammenhang mit Augenerkrankungen waren Wirkstoffe, die auf das Nervensystem einwirken (27,7%), gefolgt von Wirkstoffen, die auf die Sinnesorgane einwirken (20,2%) und Antineoplastika (18,0%). Die meisten Fälle betrafen erwachsene Patienten (70,6%). Patienten über 60 Jahre waren für 815 (29,2%) ICSRs verantwortlich, Reaktionen bei Kindern waren signifikant seltener (8,2%). Ältere Patienten waren einer höheren Anzahl von Medikamenten ausgesetzt, und die meisten schwerwiegenden Reaktionen betrafen Kinder und ältere Patienten. Es wurde eine signifikante positive Korrelation zwischen Polypharmazie und Schwere der gemeldeten Reaktionen beobachtet. Die gemeldeten Medikamente wurden in 51,1% als „vermutet“, in 43,3% als „begleitend“ und in 2,6% der Fälle als „interagierend“ klassifiziert. „Sehbehinderung“ war die am häufigsten gemeldete Nebenwirkung bei 635 (22,7%) der Patienten (7,2% aller gemeldeten augenbedingten Symptome). Die Mehrzahl der Reaktionen war vorübergehend, wobei 4.173 (47,1%) sich vollständig zurückbildeten. Schwere Reaktionen schlossen tödliche Folgen für 18 Patienten (0,6%) und Blindheit bei 78 Patienten (2,6%) ein. Seit dem Jahr 2000 führten die intravitrealen VEGF-Hemmer Bevacizumab, Aflibercept und Ranibizumab zu 99 ICSRs. Netzhautblutung (Reporting Odds Ratio [ROR] 10,36; p < 0,001), Blindheit (ROR 3,73; p = 0,04) und Uveitis (ROR 6,91; p = 0,01) wurden für Aflibercept signifikant häufiger berichtet als für Bevacizumab und Ranibizumab. Die Autoren fassen in der Fachpublikation SWIss MEDICAL WEEKLY im Juni 2019 zusammen, dass im Berichtszeitraum 3,5% aller Pharmakovigilanzberichte das Auge betreffende UAW nannten. Während Netzhautblutungen und Uveitis bekannte Nebenwirkungen von Angiogenese-Hemmern sind, sollten die gemeldeten Fälle von Erblindung und Tod das Bewusstsein für potenzielle Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit VEGF-Hemmern zur Behandlung proliferativer Augenerkrankungen schärfen. (bs)

Autoren: Karrer JE, Giovannoni L, Kullak-Ublick GA, Weiler S. Korrespondenz: Gerd A. Kullak-Ublick, MD, Department of Clinical Pharmacology and Toxicology, University Hospital Zurich, Rämistrasse 100, CH-8091 Zürich, Switzerland. E-Mail: gerd.kullak@usz.ch Studie: Pharmacovigilance in ophthalmology in Switzerland: an analysis of the most frequently reported ocular adverse drug reactions within the last 25 years. Quelle: Swiss Med Wkly. 2019 Jun 30;149:w20085. doi: 10.4414/smw.2019.20085. Web: https://smw.ch/article/doi/smw.2019.20085

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